Der Überlebenskampf ihres Bruders kündigt sich an in einer SMS-Nachricht: »Hans liegt leblos im Bad, kümmert euch«, schreibt sein Nachbar. Er hat den 79-jährigen Hans R. auf dem Badezimmerboden gefunden. Er wird mit einer Magenblutung in das Caritas-Krankenhaus im niederbayerischen Kelheim eingeliefert. Tag für Tag notiert sich seine Schwester Gretl T. nun, wie es ihrem Bruder geht. Seine Lunge entzündet sich, er infiziert sich mit einem Krankenhauskeim. Am 28. Juni 2022, 16 Tage nach seinem Zusammenbruch, hält sie fest, dass ihr Bruder nach der Behandlung deutlich schwächer und auf Hilfe angewiesen sein wird. Sie schreibt: »Was würde Hans wollen?« Hans R. ist nicht bei Bewusstsein. So müssen seine Schwester und sein Schwager entscheiden, ob sie weiter hoffen oder seinen Willen durchsetzen sollen. Er wollte keine weitere Behandlung, sollte er als Pflegefall enden. In einer Patientenverfügung hatte er festgehalten, dass sein Schwager im Zweifelsfall entscheiden solle. Der versichert sich bei den Ärzten, dass sie R.s Therapie auf eine palliative Behandlung umstellen, sollte sich sein Zustand nicht verbessern.