Nach zwei Jahren Pause konnte an diesem Wochenende endlich wieder das „Be Kind“-Festival stattfinden. Zum dritten Mal konnten die Jazzsängerinnen Winnie Brückner und Laura Winkler sehr unterschiedliche Ensembles und Performer zu sechs Konzerten von Alter Musik bis zu Improvisation an zwei Tagen zusammenrufen.

Statt im Sudhaus Neukölln finden die Konzerte diesmal in der Kiezkapelle auf dem Neuen St. Jakobi Friedhof Neukölln statt. Die Hörsituation ist frontaler, aber auch weniger verstellt durch die im Sudhaus so eindrucksvoll vom Boden bis zur Decke reichenden Braukessel. Die Festival-Aufforderung „Be Kind“ realisiert sich hier durch große Nähe zum Klang. Gleich im Auftaktprogramm am Freitag mit Julia Kursawe am Barockcello und Adrian Rovatkay am Dulzian spürt man die Körperlichkeit der höchst unterschiedlichen barocken Instrumente, ihre klanglichen Rauheiten und wilden Obertöne.

Die unter dem Programmtitel „Ricercar“ versammelten Werke von Josquin, Orlando di Lasso oder Diego Ortiz tasten den Klangraum der Kapelle mit oft kanonisch geführten Linien aus oder stürmen ihn mit den beiden von Kursawe komponierten Ligeti-Hommagen. Innerhalb der streng diatonischen Renaissance-Musik wirkt Schulhoffs nahezu zwölftönige, in sehr munterem Dialog zwischen den Instrumenten vorgetragene Fuge wie ein Aufreißen der Fenster.