Evakuierung mitten in der Stadt: Anwohner der ETH Zürich müssen am Sonntag ihre Häuser verlassenDie Hochschule will eine gefährliche Chemikalie entsorgen – mit Folgen für die Nachbarschaft.06.06.2026, 05.01 Uhr2 LeseminutenIn einem Gebäude der Hochschule an der Clausiusstrasse (im Bild der Keller eines Maschinenlabors) hat die ETH eine Gasflasche mit einer potenziell gefährlichen chemischen Substanz gelagert.Juliet Haller / Baugeschichtliches ArchivRund um die Clausiusstrasse in Zürich stehen diesen Sonntag ungewohnte Szenen an: Etwa 270 Anwohnerinnen und Anwohner werden ab 10 Uhr von Einsatzkräften der Stadtpolizei und der Kantonspolizei aufgefordert werden, ihre Häuser zu verlassen. Per Megafon auf der Strasse, aber auch durch Polizisten im Treppenhaus, die von Wohnung zu Wohnung gehen. Spezialisten von Schutz und Rettung der Stadt Zürich sind ebenfalls im Einsatz.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die umliegenden Strassen werden für den Auto- und den Tramverkehr gesperrt sein. Die Kantonspolizei hat das Gebiet beim Hauptgebäude der ETH Zürich für die folgenden Stunden zur Sperrzone erklärt.Der Grund der Evakuierung: In einem Gebäude der Hochschule hatte die ETH eine Gasflasche mit «einer potenziell gefährlichen chemischen Substanz» gelagert, wie die Kantonspolizei in einem Communiqué mitteilt: Chlortrifluorid. Das Labor, das damit hantierte, gibt es nicht mehr. Der Stoff muss nun entsorgt werden.Chlortrifluorid hat es in sich. Die Chemikalie wurde in der Gesteinsforschung verwendet und ist derart aggressiv, dass sie Silikate zerfressen und stabile Quarzbindungen aufbrechen kann. Sie bringt Dinge zum Brennen, die eigentlich als unbrennbar gelten. Sie ist explosiv. Und sie ist extrem giftig. Die ETH Zürich teilt auf Anfrage mit, dass für den Transport dieser einen Flasche durch eine deutsche Spezialfirma zusätzliche Sicherheitsmassnahmen notwendig geworden seien.Die betroffenen Anwohner wurden Ende Mai über die Aktion vom Sonntag informiert. Nach Angaben der Kantonspolizei handelt es sich um eine vorsorgliche Massnahme. Die Gasflasche werde gegen 12 Uhr ihren bisherigen Standort verlassen und in einem speziellen Behältnis luftdicht verstaut. Danach sei die Fracht bereit zum Transport nach Deutschland, teilte ein Sprecher am Freitag mit. Man rechne damit, dass diese heikle Phase nach etwa einer Stunde überstanden sei.Der Einsatz der Sicherheitskräfte soll längstens bis 16 Uhr 30 dauern. Es sei jedoch davon auszugehen, dass die evakuierten Anwohner früher in ihre Wohnungen zurückkehren dürfen. Informiert würden die Betroffenen per SMS, teilte der Sprecher der Kantonspolizei weiter mit.Die Menschen nehmen es offenbar gelassen hin. Man habe rund 100 Rückmeldungen erhalten, kritische Nachfragen habe es nur eine einzige gegeben. Die Sicherheit der Anwohner stehe an erster Stelle, sagte der Pressesprecher. Aber man werde niemanden dazu zwingen, die eigene Wohnung zu verlassen. Einen vergleichbaren Einsatz in der Stadt Zürich habe es seines Wissens noch nie gegeben.Die ETH Zürich bittet die Nachbarschaft um Entschuldigung für die Umstände. Die Hochschule hat den Betroffenen einen Gutschein offeriert: für einen Eintritt in den Zoo samt Verpflegung.Passend zum Artikel
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