Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping wird nächste Woche zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder nach Nordkorea reisen. Dies folge „auf Einladung“ des Machthabers Kim Jong-un, gaben die chinesische Staatsnachrichtenagentur Xinhua und die nordkoreanischen Regimemedien am Freitag bekannt. Es ist gleichzeitig die erste Auslandsreise Xis in diesem Jahr, der in Peking gerade den US-Präsidenten Donald Trump sowie den russischen Herrscher Wladimir Putin empfangen hatte.Wenn Xi kommenden Montag und Dienstag Nordkorea besucht, gilt diese Reise auch als chinesische Erinnerung an Washington und vor allem Moskau, dass China nicht nur als größter Handelspartner über den wesentlichen Einfluss auf das Regime in Pjöngjang verfügt. Das chinesische Außenministerium erinnerte am Freitag daran, dass sich der militärische Beistandsvertrag zwischen China und Nordkorea zum 65. Mal jährt.Gleichzeitig steht auch Kim international weniger angreifbar da als wohl je zuvor. So ist Nordkorea nicht mehr das Land, wie es Xi 2019 zuletzt besucht hat: Damals scheiterten Pjöngjangs Gespräche mit den USA, und eine Aufhebung internationaler Sanktionen blieb aus. Seither hat Kim Jong-un die Beziehungen zum Westen weitgehend abgebrochen und konzentriert sich mehr denn je auf China und vor allem Russland.Und das mit Erfolg: Seit 2022 unterstützt Nordkorea Moskau im Angriffskrieg gegen die Ukraine mit Truppen und Munition. Dafür drängt Putin die Nordkoreaner seit zwei Jahren nicht mehr, das Atomwaffenprogramm zurückzufahren. Vielmehr blockiert Moskau neue UN-Sanktionen und unterläuft die bestehenden. Die Nähe zu Russland verschafft Kim etwas Beinfreiheit auch gegenüber Peking.„Einfluss geltend machen“„China wird versuchen, seinen Einfluss geltend zu machen, um unvorhergesehene Schritte Nordkoreas, das eng an Russland herangerückt ist, zu verhindern“, zitierte die südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“ aus Diplomatenkreisen in Peking. Gleichzeitig erinnere man sich in Peking auch daran, dass US-Präsident Donald Trump sich in seiner ersten Amtszeit ohne engere Einbeziehung der Nachbarländer Nordkoreas mit Kim getroffen hatte.Passend zum geplanten Besuch von Xi in Pjöngjang verbreiteten Nordkoreas Staatsmedien am Donnerstag Bilder, die Kim Jong-un bei einem Besuch einer Uran-Anreicherungsanlage inmitten zahlreicher Zentrifugen zeigten. Kim wurde mit den Worten zitiert, Nordkoreas „Produktionskapazität für waffenfähiges Nuklearmaterial“ habe sich in den vergangenen fünf Jahren „verdoppelt“. Dies folgt auf den 2021 verkündeten Fünfjahresplan zur militärischen Modernisierung vor allem der Nuklearstreitkräfte.Die internationale Anerkennung seines Atomwaffenprogramms ist ein lang gehegtes Ziel des nordkoreanischen Regimes. Peking hat seine langjährige offizielle Unterstützung einer sogenannten Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zumindest rhetorisch nun ebenfalls heruntergefahren. Als der chinesische Ministerpräsident Li Qiang vergangenes Jahr zur Achtzigjahrfeier der nordkoreanischen Machtpartei in Pjöngjang war, erwähnten die offiziellen chinesischen Medien das Ziel einer Denuklearisierung Koreas nicht mehr.Peking will Bild trilateraler Achse vermeidenXi hatte auf einer Militärparade vergangenen September in Peking bereits Putin und Kim an seiner Seite gezeigt und Kim auch bilateral getroffen. Das markierte eine sichtbare Annäherung nach Jahren vermeintlich frostiger Beziehungen zwischen Peking und Pjöngjang. Die Zeit war geprägt von Nordkoreas Abschottung in der Corona-Pandemie sowie der wachsenden Annäherung zwischen Russland und Nordkorea. 2024 schlossen Moskau und Pjöngjang ein Militärbündnis. Vergangenen Monat marschierten nordkoreanische Soldaten erstmals an der Seite russischer Truppen in Moskau.Während Peking diese Kooperation nach Ansicht von Fachleuten nicht gerade behagt, bedroht sie seine Kerninteressen aber auch nicht. China will das Bild einer trilateralen Achse Peking-Moskau-Pjöngjang vermeiden, teilt aber ein gegen den Westen gerichtetes Weltbild.Mittlerweile sollen sich auch Chinas Wirtschaftsbeziehungen zu Nordkorea wieder auf Vor-Corona-Niveau befinden. Peking ist Nordkoreas mit Abstand wichtigster Handelspartner. Dennoch hat Nordkorea seine Abhängigkeit von China durch die Annäherung an Russland verringert.Kim verfügt durch das sich verstetigende Bündnis mit Putin über einen Hebel gegen China. Dass Nordkorea verschiedenen Berichten zufolge neben Energie auch moderne Rüstungstechnik aus Russland erhält, wird dem um Ruhe und Stabilität an seiner Nordostflanke bemühten China nicht gefallen.In diesem Zusammenhang hofft die südkoreanische Regierung, dass Xi auf Kim einwirke, die harte Haltung des Regimes gegenüber Südkorea abzumildern. Man erwarte, dass Peking in den koreanischen Angelegenheiten „eine konstruktive Rolle spielt“, gab das Außenministerium in Seoul in einer ersten Reaktion auf die Reise Xis bekannt.
China: Xi Jinping reist das erste Mal seit 2019 wieder nach Nordkorea
Seine erste Auslandsreise 2026 führt Chinas Staatschef am Montag nach Nordkorea. Er trifft auf einen gestärkten Machthaber in Pjöngjang.










