PfadnavigationHomePanoramaAlice Schwarzer„Den größten Karrieresprung machen die Männer, wenn das erste und das zweite Kind kommen“Stand: 10:34 UhrLesedauer: 2 MinutenJournalistin und Publizistin Alice Schwarzer bei der Leipziger Buchmesse Quelle: Jennifer Brückner/dpaFrauen, die Teilzeit arbeiten und Karriere-Pausen für die Familie einlegen, zahlen dafür im Alter einen hohen Preis, mahnt Deutschlands bekannteste Feministin. Alice Schwarzer fordert ein Umdenken.Für Publizistin Alice Schwarzer steht das Thema Rente ganz oben auf der Agenda der deutschen Frauenbewegung. „Die überwältigende Mehrheit der Frauen mit kleinen Kindern arbeitet in Teilzeit. Und während die Frau Teilzeit arbeitet und den Haushalt schmeißt, macht der Mann Karriere“, sagte Schwarzer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Köln. „Den größten Karrieresprung machen die Männer, wenn das erste und das zweite Kind kommen. Das zeigen uns die Studien.“Die „Emma“-Herausgeberin betonte: „Die Teilzeit ist natürlich eine Sackgasse. In dem Moment, wo eine Beziehung auseinanderbricht und die Frau auf ihre eigenen selbst erworbenen Rentenrechte angewiesen ist, ist sie natürlich ganz arm dran. Das heißt: Wir müssen das Denken von Frauen verändern.“Auf dem Papier herrschten in Deutschland sechs Prozent Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. „Das sind immer noch sechs Prozent zu viel. Doch das ist nicht mehr gewaltig. Aber Studien zeigen, dass im Gesamtleben bis zum Ruhestand eine Frau – die zu Hause oder im Beruf genauso viel gearbeitet hat wie der Mann – nur die Hälfte des Einkommens gehabt hat. Sie wird also nur die Hälfte der Rente kriegen. Denn sie macht Familienpause, wo sie sich nur um die kleinen Kinder kümmert, und arbeitet in Teilzeit. Dieses Denken ist in Deutschland besonders verwurzelt. Das muss sich ändern.“Lesen Sie auchAuch die mangelnde Infrastruktur bei der Kinderbetreuung trage stark dazu bei, so Deutschlands bekannteste Feministin. „Es mangelt aber auch deswegen daran, weil weder die Frauen noch die Gewerkschaften oder irgendwelche politischen Kräfte darauf dringen, dass Frauen 100 Prozent dieselben Möglichkeiten haben wie Männer.“ Es mangele immer noch an Ganztagsschulen, es mangele auch an Ganztagskindergärten. „Und die Tatsache, dass das in Ostdeutschland günstiger aussah, verbessert unsere Statistiken, sonst wäre es noch viel schlimmer.“KNA/jm