Woran ist der Buckelwal Timmy gestorben? Forschende obduzieren heute den KadaverFür Timmy steht der letzte Akt vor den Augen von Schaulustigen an.04.06.2026, 11.24 Uhr3 LeseminutenTimmys Kadaver am Strand der Insel Anholt. Hier wird er am Donnerstagnachmittag obduziert.Marcus Golejewski / DPA(woe)/dpa. Der Buckelwal Timmy liegt bereits seit drei Wochen tot vor der dänischen Insel Anholt. Möwen picken auf ihm herum, er ist von Fäulnisgasen stark aufgebläht. Er hat die Odyssee von der deutschen Ostseeküste in die Nordsee nicht überlebt. Woran ist er genau gestorben? Das wollen Tierärzte und Wal-Expertinnen jetzt herausfinden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Donnerstagnachmittag (4. 6) findet am Strand die öffentliche Obduktion von Timmy statt. Sie wird etwa sechs Stunden dauern, Presse und Öffentlichkeit dürfen zusehen. Der dänische Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen warnte: Das werde nichts für schwache Nerven. «Der Wal hat jetzt schon sehr lange in der Sonne gelegen und wird sehr stinken», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.Ein Bergungsteam hatte den Kadaver am Wochenende aus dem flachen Wasser auf den Strand gezogen. Mit Flatterband wurde im Abstand von wenigen Metern eine Absperrung um das verwesende Tier herum errichtet.«Reine Handarbeit»Für den Ablauf von Walobduktionen gebe es ein international gültiges Protokoll, sagte die Meeresbiologin Anja Gallus im April zur NZZ. Gallus ist die Koordinatorin der Arbeitsgruppe Meeressäugetiere am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund und hat bereits mehrere Wale obduziert. Sie führt Sektionen unter freiem Himmel mit einem Team von 20 bis 30 erfahrenen Leuten durch. Eine glitschige Arbeit, sagte sie.Zu Beginn einer Obduktion untersuchen die Forschenden den Wal auf äussere Verletzungen, beurteilen den Zustand der Haut und vermessen den Kadaver. Dann zerlegen sie ihn, wobei sie mehrere Proben nehmen. Anja Gallus sagte: «Das ist reine Handarbeit. Und es braucht viel Kraft. Wir verwenden keinen Kran und auch keine Motorsäge.» Sie arbeiten mit sehr grossen Messern, sogenannten Flensmessern. Am Anstrengendsten sei die bis zu 50 Zentimeter dicke Fettschicht.Die Forschenden arbeiten sich bis zu den inneren Organen vor. Sie wiegen, und messen sie und untersuchen sie auf sichtbare Schäden. Alle Proben, die sie bei der Obduktion entnehmen, werden analysiert und über Jahre hinweg für spätere Forschungsprojekte aufbewahrt.Es dürfte dennoch schwierig werden, klare Antworten zur Todesursache des Wals zu finden.Ende April lag Timmy noch vor der Insel Poel in der baltischen See, bevor Aktivisten ihn in einer umstrittenen Rettungsaktion in die Nordsee transportierten, wo er schliesslich starb.Tobias Schlie / REUTERSSpurensuche nach TodesursacheDer dänische Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Es könnte schon zu spät sein, um etwa innere Blutungen zu entdecken.» Auch die Frage, ob der Wal Wasser in der Lunge gehabt haben könnte, lasse sich womöglich nicht mehr beantworten, meint der Experte.Sie werden auch nach Resten von Fischernetzen und Plastik im Darm und in der Speiseröhre des Tiers suchen. «Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt», sagte der dänische Wal-Forscher Madsen der Deutschen Presse-Agentur.Dass die Untersuchungen direkt am Strand von Anholt stattfinden, war eigentlich nicht so geplant. Ursprünglich hatten die dänischen Behörden versucht, den Kadaver in einen Hafen zu ziehen. Das missglückte aber. Nun sollen die Überreste nach der Obduktion in eine Verwertungsanlage auf dem Festland gebracht werden.Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Anholt mit knapp 130 Bewohnern wundern sich viele über das grosse Interesse an dem «deutschen Promi-Wal», wie ihn einige nennen. «Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen so ein Aufheben um diesen Wal machen», sagte die Dänin Susanna der Deutschen Presse-Agentur.Sie wünschen sich, dass der Wal bald verschwindet. Weil er am beliebtesten und zugänglichsten Strand der Insel liegt.Passend zum Artikel