Krähen gelten als Störenfriede und Pechvögel. Dabei haben die Vögel viele bewundernswerte EigenschaftenIn Allschwil bei Basel sind mehrere Angriffe von Krähen gemeldet worden. Wie man sich bei einem solchen Ereignis am besten verhält – und warum die Vögel besser sind als ihr Ruf.04.06.2026, 05.25 Uhr4 LeseminutenDie Rabenkrähe ist die in der Schweiz häufigste Krähenart.Siegmar Tylla / ImagoSturzflüge auf Kopfhöhe, Kratzer und Schnittwunden. In Allschwil sind die Krähen los. Ende Mai gingen bei der Gemeinde im Kanton Basel-Landschaft mehrere Meldungen ein, wonach Personen von Krähen attackiert worden seien.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Gemeldet wurden uns Kratz- und kleine Schnittwunden am Kopf», sagte Andreas Dill, Umweltbeauftragter der Gemeinde Allschwil, der Zeitung «BZ Basel». Solche Meldungen gebe es zwar immer wieder, es sei jedoch das erste Mal in dieser Intensität. Gleich fünf Personen seien angegriffen worden. Als Vorsichtsmassnahme wurde ein betroffener Wegabschnitt vorübergehend gesperrt.Die Angriffe der Krähen lassen das Kopfkino anspringen. Die «BZ Basel» schreibt von der «gefiederten Gefahr» und bezeichnet die Tiere als unheimlich. Das SRF-Regionaljournal zieht eine Parallele zum Hitchcock-Klassiker «Die Vögel». Im Horrorfilm von 1963 greifen Möwen und Krähen immer wieder Menschen an, teilweise mit tödlichem Ausgang.Fest steht: Krähen haben einen schlechten Ruf. Ihr Krächzen ist laut und klingt wenig liebreizend. Zudem treten sie oft scharenweise auf, das mag auf einige tatsächlich etwas unheimlich wirken. Gemeinhin gelten sie als Vorboten von Unheil. Doch eigentlich handelt es sich bei ihnen um gesellige Singvögel mit teilweise bemerkenswerten Eigenschaften. Zeit für eine Verteidigung der missverstandenen Vögel.Vom Vogel der Weisheit zum PechvogelIn der Antike galten Raben- und Krähenvögel noch nicht als Unglücksboten, sondern wurden als kluge, göttliche Tiere verehrt. Der germanische Gott Odin, der Gott der Weisheit, verwandelte sich gelegentlich in einen Raben. Jeden Tag schickte er Raben aus, um zu erfahren, was in der Welt geschah. Auch Aristoteles vermutete, dass Raben und Krähen besonders intelligent seien.Das änderte sich im Mittelalter mit der Verbreitung des Christentums und dem Verschwinden antiker Glaubensrichtungen. Grosse Schwärme von Krähen und Raben galten nun als Vorboten von Tod und Krankheiten wie der Pest. Die Vögel standen im Ruf, mit dem Teufel im Bund zu sein, und galten auch als Hexenbegleiter. Teile dieser Vorurteile halten sich unbewusst bis heute.Intelligente Nussknacker und gesprächige AkrobatenDie in der Schweiz verbreitetste Art ist die Rabenkrähe. Sie ist fast im ganzen Land zu Hause. Man findet sie in Kulturlandschaften, im Wald, aber auch in Siedlungsräumen, überall dort, wo es hohe Bäume oder andere Strukturen gibt, die einen guten Überblick bieten. Sie sind Allesfresser und ernähren sich unter anderem von menschlichen Abfällen und Aas. Dabei üben sie eine wichtige ökologische Funktion aus, indem sie tote Tiere beseitigen.Rabenkrähen haben, ähnlich wie Elstern, den Ruf, andere Vögel zu vertreiben oder gar auszurotten. Tatsächlich haben sie jedoch nur einen sehr geringen Einfluss auf das Vorkommen anderer Arten. Laut einer Metastudie von 2014 hat das Verschwinden anderer Arten vor allem andere Gründe, zum Beispiel Katzen.Rabenkrähen gelten als sehr intelligent. Sie lassen Nüsse auf harte Oberflächen fallen, um sie aufzubrechen. Nicht benötigte Nahrung verstecken sie geschickt. Die Vögel scheinen zu wissen, dass ein Versteck nur sicher ist, wenn sie beim Verstecken nicht beobachtet werden.In der Schweiz ist die Saatkrähe weniger oft anzutreffen. Hier zählt man etwa 10 000 bis 17 000 Paare, die vor allem im Nordwesten anzutreffen sind. Sie verfügt wie die Rabenkrähe über ein schwarzes Gefieder, hat aber keine befiederte Schnabelwurzel und einen spitzeren Schnabel. Die Saatkrähen sind sehr gesellig, gehen lebenslange Partnerschaften ein und suchen in grösseren Trupps nach Nahrung.Hält man inne und beobachtet man die Saatkrähen im Flug, sieht man ihre akrobatischen Fähigkeiten. Sie können zum Beispiel Objekte fallen lassen und in der Luft wieder auffangen. Saatkrähen sind zudem sehr gesprächig und kennen viele Laute. Sie begrüssen einander und erkennen sich an ihren Rufen. Saatkrähen nisten gemeinsam in Kolonien, wo es oft von früh bis spät lärmig zu und her geht. Das birgt Konfliktstoff, weil sie oft in Wohnquartieren oder Parks nisten. Auch der viele Kot ist für viele störend.Bei Angriff hilft DistanzEs stimmt, dass es immer wieder zu Konflikten mit Menschen kommt. Hinter den Angriffen steht jedoch ein bekanntes Verhalten. Im Mai und Juni unternehmen die jungen Rabenvögel ihre ersten Flugversuche, bewegen sich aber noch unbeholfen am Boden.«Wenn man sich nähert, werten das die Altvögel als Gefahr», sagte Livio Rey, Mediensprecher der Vogelwarte Sempach, zu SRF. Sie reagierten darauf mit Scheinangriffen. Das Ziel sei nicht, zu verletzen, sondern zu vertreiben. Entferne man sich wieder, hörten die Angriffe auf.Das Verhalten beobachtet man laut Rey vor allem bei den Rabenkrähen. Die seien bekannt dafür, ihre Jungen sehr gut zu verteidigen. Obwohl die Art in der Schweiz weit verbreitet ist, gibt es nur selten Zwischenfälle. Die Folgen der Angriffe sind zudem weit weniger dramatisch als im Film von Alfred Hitchcock. Ernsthafte Verletzungen seien selten, sagte Rey. «Im schlimmsten Fall gibt es Kratzer.»Passend zum Artikel