Superreiche Prepper befürchten einen Krieg zwischen China und den USA: So rüsten sie sich gegen den KollapsÄusserst wohlhabende Familien sichern sich Visa in neutralen Ländern wie der Schweiz oder geografisch abgelegenen Orten wie Neuseeland oder Uruguay. Und sie bereiten sich auf Kapitalverkehrskontrollen vor.04.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenEr hat einen Plan B: der Milliardär Peter Thiel an seinem neuen Wohnort in Argentinien.Matias Baglietto / ReutersReich werden ist manchmal einfacher als reich bleiben. Seit Thomas Mann seine Familiensaga «Buddenbrooks» schrieb, wissen alle Dynastien: Grosse Vermögen über mehrere Generationen zu bewahren, ist die anspruchsvollste Aufgabe überhaupt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Und seit Monaten steigt bei begüterten Familien das Bewusstsein, dass ihr Wohlstand bald in Gefahr geraten könnte. «Viele reiche Menschen rüsten sich heute für Worst-Case-Szenarien», sagt Christian Kälin. Seine Firma Henley & Partners ist auf die Klientel der Superreichen spezialisiert.Nachfrage ist «so hoch wie noch nie»Für sie sei der Erwerb von Aufenthaltsbewilligungen oder Pässen verschiedener Länder, die als sichere Häfen gelten, eine Art Versicherung. «Das war zwar schon früher so, doch die Nachfrage ist so hoch wie noch nie», sagt Kälin.Solche Rückfallpläne sind meist gut gehütete Familiengeheimnisse. Nur bei sehr bekannten Personen – wie jüngst dem Silicon-Valley-Investor Peter Thiel – dringt hin und wieder etwas an die Öffentlichkeit. Thiel, der sich intensiv mit einer möglichen Apokalypse und namentlich dem «Antichristen» beschäftigt, hat sich vor kurzem ein Domizil in Argentinien gesichert.Dass sich wohlhabende Familien auf Extremrisiken vorbereiten, beobachtet man auch bei der Schweizer Bank Sygnum. Sie hat aufgrund ihrer Spezialisierung auf Kryptowährungen eine besondere Rolle bei diesen Planungen.«Wohlhabende Familien erwerben Immobilien oder Aufenthaltsgenehmigungen in sicheren Häfen wie der Schweiz, Singapur und in Australasien», sagt der Sygnum-Chef Mathias Imbach. «Ausserdem möchten sie in diesen Ländern physische Goldreserven und lokal verwahrte Bitcoin halten.»Das Bitcoin-Netzwerk gilt als eines der sichersten IT-Systeme der Welt. Seit seinem Start im Jahr 2009 wurde die zugrunde liegende Blockchain noch nie gehackt. Und die fixe Obergrenze von 21 Millionen Einheiten sorgt zudem für eine Knappheit, wie sie auch Gold nicht hat.Im Gegensatz zu Banken und institutionellen Vermögensverwaltern zeigten viele reiche Familien von Anfang an wenig Berührungsängste bei Kryptowährungen.Aber während sie früher einfach experimentierfreudig waren, schätzen sie nun zunehmend die Eigenschaft von Bitcoin als Vermögenswert, der unabhängig vom herkömmlichen Banken- und Finanzsystem funktioniert.Einige Family-Offices seien sogar mit dem Wunsch an Sygnum herangetreten, eine Niederlassung in der Region Ozeanien zu eröffnen, sagt Imbach. In Singapur ist die Bank bereits mit einer Niederlassung vertreten.Angst vor dem Kollaps des FinanzsystemsDoch wovor fürchten sich reiche Familien genau? Der Chef eines Family-Office in der Schweiz, der anonym bleiben will, formuliert es so: Er habe den Auftrag, seine Kunden vor zwei Extremrisiken zu schützen, die diese in der Vergangenheit noch nie so konkret benannt hätten wie heute: einem Krieg zwischen China und den USA und einem Kollaps des Finanzsystems.Zu den Vorbereitungsarbeiten für den Ernstfall gehören Wohnimmobilien an entfernten Destinationen, etwa in Neuseeland und Uruguay. Und jede dieser Residenzen verfüge über einen Tresor mit grossen Bargeldreserven und Gold.Auch Christian Kälin sagt, dass Vermögenswerte ausserhalb des Bankensystems wie Immobilien, physisches Gold oder Kryptowährungen hoch im Kurs stünden. «Wohlhabende Familien rechnen damit, dass es in Zukunft Kapitalverkehrskontrollen geben wird.»Seine Klienten trieben drei Dinge um, sagt Kälin. Erstens seien sie noch immer schockiert darüber, dass auch Rechtsstaaten während der Pandemie auf dem Verordnungsweg – zum Teil über Gesetze und Verfassung hinweg – Zwangsmassnahmen erlassen oder Grenzen geschlossen hätten. Zweitens wachse bei ihnen die Sorge wegen sozialer Unruhen, besonders wenn sie in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Grossbritannien oder den USA wohnten.«Drittens haben sie Angst vor Krieg, und zwar nicht nur in Osteuropa oder dem Nahen Osten, sondern auch in Asien. Selbst eine Auseinandersetzung zwischen China und den USA wird nicht mehr ausgeschlossen», sagt Kälin.Im Gegensatz zu früher hätten die USA als sicherer Hafen an Attraktivität verloren, merkt Kälin an. Neben neutralen Standorten wie der Schweiz, Singapur und bis vor kurzem den Vereinigten Arabischen Emiraten seien im Moment geografisch abgelegene Destinationen wie die Karibik oder Neuseeland gefragt.Gefahr aus den USADer Family-Office-Manager sagt, seine Kunden sprächen in letzter Zeit oft von der gefährlichen Sorglosigkeit in den USA, wo die Politiker das weit klaffende Budgetdefizit nicht einmal mehr thematisierten.Sowohl Demokraten als auch Republikaner verliessen sich darauf, dass ein KI-Boom wundersam für hohes Wachstum und neue Staatseinnahmen sorgen würde. Deshalb sähen seine Kunden die Möglichkeit einer neuen Finanzkrise, die vom Dollar ausgeht.Auch ihre physische Sicherheit nehmen Wohlhabende nicht mehr für selbstverständlich.Reichen Menschen sei bewusst, dass sie im Fall von Unruhen Gefahr liefen, zur Zielscheibe zu werden, sagt Kälin. «Entsprechend gross ist die Nachfrage bei Anbietern, die bei einem Notfall eine Evakuierung organisieren können.»Die reichen Leute haben heute nicht nur standardmässig mehrere Domizile. Sie arbeiten auch konkrete Pläne aus, wie sie dorthin gelangen können, sollten Unruhen oder sogar Kriege ausbrechen oder Landesgrenzen schliessen.Kapitalflucht ist chinesischer VolkssportBesonders gross ist der Wunsch nach einem Plan B naturgemäss bei Reichen in Ländern, wo es um Eigentumsrechte schlecht bestellt ist, also zum Beispiel China. Nach Schätzungen des Institute of International Finance haben letztes Jahr chinesische Haushalte und Unternehmen über 800 Milliarden Dollar aus dem Land geschleust. Und dies, obwohl China strikte Gesetze gegen Kapitalflucht kennt.Doch diese veranlassen chinesische Bürger und ihre Firmen offenbar, auf immer ausgefeiltere Tricks zurückzugreifen. Etwa indem sie Verträge manipulieren. Der Wert von importierten Waren wird künstlich aufgebläht und der ausländische Lieferant darum gebeten, die Differenz zwischen der geleisteten Zahlung und dem effektiven Warenwert auf ein Offshore-Konto zu überweisen.Wenn es darum geht, für sich und die Nachfahren vorzusorgen, gibt es kaum Unterschiede zwischen reichen Familien aus China, Deutschland oder Grossbritannien.Passend zum Artikel
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