Die Übernahme des Abosenders Sky ist für die RTL Group ein Schnäppchen. Nur 68 Millionen Euro zahlt RTL dem bisherigen Sky-Eigentümer Comcast. Als der Deal vor einem Jahr angekündigt wurde, war noch von 150 Millionen Euro die Rede gewesen. Man habe „marktübliche Anpassungen des Nettoumlaufvermögens“ und „schuldähnliche Positionen“ berücksichtigt, heißt es. Steigen kann der Kaufpreis im Nachhinein jedoch auch, je nachdem, wie sich der Aktienkurs der RTL Group entwickelt. Steigt er massiv, verdient Comcast daran, dank einer vereinbarten „Earn-Out-Komponente“. Vorerst ist die Übernahme für die RTL Group ein Schnäppchen.Im April hatte die EU-Kommission das Geschäft abgenickt, am Montag wurde die Transaktion abgeschlossen. Damit gehören die Sky-Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz nun zur RTL Group, ebenso die „Kundenbeziehungen“ in Luxemburg, Liechtenstein und Südtirol. Gemeinsam komme man nun auf rund 12,3 Millionen Abonnenten, teilte RTL mit, bis Ende des Jahres sollen Synergien, also Einsparungen, von 250 Millionen Euro erzielt werden.Die Ausrichtung der RTL Group auf EuropaDie Transaktion unterstreiche „die strategische Ausrichtung der RTL Group auf inländische Zusammenschlüsse in Europa“. Ziel sei es, „lokale Medienunternehmen im Wettbewerb mit globalen Streamingdiensten nachhaltig zu stärken“. Das wird sich im Wettbewerb bemerkbar machen, den RTL auf dem deutschen Markt mit den Öffentlich-Rechtlichen und mit der von der Berlusconi-Holding „Media for Europe“ gekauften Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 ausficht.Die europaweit aufgestellte RTL Group ist jetzt an 52 Fernsehsendern, sechs Streamingdiensten und 40 Radiostationen beteiligt. In Deutschland gehören RTL, Super RTL, Vox und der Nachrichtensender ntv dazu.Die Veränderungen bei den Spitzenpersonalien spiegeln die Machtverhältnisse bei RTL-Sky. Charly Classen, der bisherige Sportchef des Senders Sky, der vor allem von seinen Fußballübertragungsrechten lebt, hat seine Koffer gepackt. Nun schmeißt der bisherige RTL-Sportchef Frank Robens den Laden, er wird „Executive Vice President Sport“. In der Abteilung Information, die sich bei RTL Deutschland in die Bereiche „RTL News“, ntv und „Stern“-Gruppe gliedert, hören derweil alle nur noch auf ein Kommando – das des Chief Executive Officers Stephan Schmitter. Damit stärke man „die strategische Bedeutung seiner journalistischen Angebote“ und setze „ein klares Zeichen für unabhängigen, relevanten und gesellschaftlich verantwortungsvollen Journalismus“, teilt RTL in dem pathetischen Ton mit, dessen man sich dort befleißigt, wenn ein Chef noch mehr Macht bekommt.In den unteren Etagen werden derweil, wie zum vergangenen Jahreswechsel verkündet wurde, 600 Stellen abgebaut, 230 davon im Bereich von RTL News.Und so, wie der Zuständigkeitsbereich des Oberbosses Schmitter wächst, ist es bei seiner Kollegin, „Chief Content Officer“ Inga Lescheck, auch. Sie ist nun verantwortlich für die Bereiche „Channels, Windowing & Planning, Sport, Entertainment & Shows, Fiction, RTL Studios, Content Integration sowie Production Management“. Also eigentlich für alles außer News. Mit der neuen Organisation schaffe man „die Grundlage, die kreativen und programmlichen Stärken von RTL und Sky noch enger zu verzahnen“. Was das für die Zuschauer bedeutet, werden wir noch sehen.