Das Landgericht Köln hat den bis vor wenigen Jahren international anerkannten Mode- und Kinderfotografen Achim Lippoth abermals wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt und die Strafe auf sieben Jahre Haft erhöht. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass sich Lippoth auch an einem damals zehn Jahre alten Fotomodel vergangen hat. Lippoth war 2022 bereits wegen des Missbrauchs an drei Kindern zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden.Auf die Revision der Anklage hin hatte der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil aber 2024 wegen „sachlich-rechtlicher Fehler in der Beweiswürdigung“ aufgehoben. Die Kölner Kammer habe „ihre Annahme, die Taten ließen sich nicht in einer für eine Verurteilung genügenden Weise konkretisieren, nicht rechtsfehlerfrei begründet“, rügte der BGH. „Vielmehr hat sie überspannte Anforderungen an den Nachweis konkreter Taten gestellt.“In der Urteilsbegründung bescheinigte der Vorsitzende Richter dem Fotografen am Dienstagabend eine seit Jahrzehnten ausgelebte klare „pädophile Veranlagung“. Lippoth habe seine herausragende berufliche Position genutzt, um an Opfer zu gelangen, was seinen Taten einen ausbeuterischen Charakter gebe. Der Richter riet dem Verurteilten, eine Therapie zu machen, um kein Wiederholungstäter zu werden. Werde er rückfällig, müsse er mit Sicherungsverwahrung rechnen. Die 2022 verhängte Strafe floss in die nun verhängte Gesamtfreiheitsstrafe ein. In zwei weiteren angeklagten Missbrauchsfällen sprach das Gericht Lippoth am Dienstagabend frei. Der 57 Jahre alte Mann verbüßt seine Haft seit August in einem Gefängnis in NRW.Lippoth fotografierte auch Kampagnen gegen KindesmissbrauchNach Erkenntnissen der Ermittler haben sich die Taten zwischen 1999 und 2017 oder 2018 unter anderem im Kölner Penthouse des Fotografen sowie auf Reisen ereignet. Mit einigen Müttern der Jungen lebte der Fotograf in den vergangenen Jahren in wechselnden „familienähnlichen Zusammenschlüssen“, wie es in der Anklageschrift des Ursprungsverfahrens hieß.Die Verteidiger des Fotografen hatten lange versucht, ihren Mandanten als Opfer eines Komplotts ehemaliger Mitarbeiter und bei ihm abgeblitzter Mütter darzustellen. Schon beim Urteil im Herbst 2022 stellte das Gericht jedoch klar, dass es „keine Suggestion und keine Verschwörung“ gegeben habe. Lippoth habe bewusst Kontakt zu vorpubertären Jungen gesucht und sei „hochgradig manipulativ“ vorgegangen.Achim Lippoth galt als einer der renommiertesten Kinderfotografen. Er arbeitete für Unternehmen wie Dolce & Gabbana und McDonald’s, außerdem für zahlreiche Medien wie die „Vogue“ und die Magazine von „New York Times“, „Süddeutscher Zeitung“ und „Zeit“. Seine Bilder wurden vielfach ausgezeichnet. Vor einigen Jahren fotografierte er auch Kampagnen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern. Unter dem Motto „Wissen Sie, was Ihr Kind gerade im Internet sieht?“ waren bei einer Kampagne Porträts von Kindern zu sehen, deren Augen durch schreiende Münder ersetzt wurden. Der Slogan einer anderen Kampagne lautete „Sexually abused children are betrayed by someone they trust“ („Sexuell missbrauchte Kinder werden von jemandem verraten, dem sie vertrauen“).Es hatte bereits mehrere Strafanzeigen gegen den Fotografen gegeben, die aber zu nichts führten. Zu umfangreichen Ermittlungen kam es erst durch die Aussage des Sohns jener Frau, mit der Lippoth zuletzt zusammenlebte. Im Juni 2021 wurde er während eines Fotoshootings auf der Burg Satzvey in der Eifel festgenommen.