Sollte die Tabaksteuer in Deutschland drastisch steigen, dann bedienen sich die Raucher auf dem Schwarzmarkt. Dieses Szenario wird von verschiedenen Verbänden der Tabakwirtschaft, etwa dem Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE), an die Wand gemalt.Vielleicht nicht ganz zu Unrecht, wie das Beispiel der in Deutschland nicht legal erhältlichen Nikotinbeutel zeigt. Die meist tabakfreien, aber nikotinhaltigen kleinen Beutel werden unter die Oberlippe geschoben. Laut Daten des Bundesinstituts für Risikobewertung, die allerdings schon aus dem Jahr 2022 stammen, konsumierten bereits zwei Prozent der Bevölkerung Nikotinbeutel regelmäßig. Vieles spricht dafür, dass die Zahlen gerade unter jüngeren Menschen seitdem gestiegen sind. Schätzungen zufolge soll jeder siebte ältere Schüler Nikotinbeutel schon einmal ausprobiert haben.Ein Drittel der Nikotinbeutel sind FälschungenUnd was sich oft junge Menschen unter die Oberlippe schieben, kann extrem gesundheitsgefährdend sein, weil die organisierte Kriminalität keinerlei Qualitätskontrollen unterliegt. So kann der Nikotinanteil in den gefälschten Beuteln deutlich höher sein als in Originalprodukten. Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Ipsos sind orale Nikotinprodukte in nahezu jedem sechsten Geschäft in Deutschland erhältlich (15,8 Prozent). Rund ein Drittel der forensisch untersuchten Produkte waren Fälschungen.Bei Tabakzigaretten hat die organisierte Kriminalität hierzulande noch einen „geringen Marktanteil“. „Deutschland gewinnt zwar als Transitland für geschmuggelte oder gefälschte Zigaretten an Bedeutung“, sagt René Matschke, Leiter des Hauptzollamts Regensburg und zuvor Leiter der Zollfahndung in Hamburg. Doch der Anteil ist mit 2,5 Prozent nach wie vor relativ niedrig. Das entspricht 1,9 Milliarden Glimmstängeln, ein leichter Anstieg von 300 Millionen. Dem deutschen Staat entgehen so Steuern in Höhe von rund 486 Millionen Euro.Zum Vergleich: In unserem Nachbarland Frankreich ist fast jede zweite gerauchte Zigarette geschmuggelt oder gefälscht, hier liegt der Anteil bei 41 Prozent. Dort liegt der Steuerausfall bei über zehn Milliarden Euro. Europaweit verursachten 55,3 Milliarden illegale Zigaretten Steuerausfälle in Höhe von 22,4 Milliarden Euro. Inzwischen ist jede neunte konsumierte Zigarette illegal, und der Anteil gefälschter Zigaretten ist im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf knapp 25 Milliarden Stück gestiegen.Die Zahlen stammen aus der jüngsten KPMG-Studie, die mittlerweile im zwanzigsten Jahr in Folge erscheint und den Tabakmarkt in 38 europäischen Ländern untersucht. Neben den 27 EU-Staaten sind das Albanien, Bosnien-Hercegovina, Kosovo, Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien, die Schweiz, die Ukraine und Großbritannien. Zur Erhebung sammelt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft allein in Deutschland knapp 200.000 weggeworfene Zigarettenschachteln.Legale Einfuhr aus der EUNicht nur gefälschte oder geschmuggelte Zigaretten sind Tabakkonzernen, Einzelhändlern und dem Bundesfinanzministerium ein Dorn im Auge. Auch der kleine Grenzverkehr innerhalb der EU stört sie. Besonders stark ist er der KPMG-Studie zufolge bei erhitztem Tabak: 34 Prozent der konsumierten Tabaksticks wurden nicht in Deutschland versteuert. Deutschland weise damit im Vergleich mit anderen europäischen Ländern einen der höchsten Anteile günstiger legaler Produkte aus Nachbarländern sowie illegal eingeführter Produkte bei erhitztem Tabak auf.Eine Stange Terea Tabaksticks kostet in Polen derzeit 50 Euro – in Deutschland sind es 78 Euro. Das liegt nicht nur an der höheren Steuer für erhitzten Tabak in Deutschland, sondern auch an Preiserhöhungen des Herstellers Philip Morris. Tabakzigaretten sind in Polen – je nach Marke – 2,50 bis drei Euro günstiger als in Deutschland.Bis zu vier Stangen, also 800 Zigaretten oder Tabaksticks, darf jeder für den Eigengebrauch etwa aus Polen mitbringen – vorausgesetzt, die Ware wurde dort versteuert. Aber das ist kein hartes Limit, sondern nur ein Richtwert. Aber der Zoll ist im Nachteil, sagt Matschke. Er muss nachweisen, dass eine höhere Menge eingeführt wird, um sie in Deutschland weiterzuverkaufen. Im Klartext: Eine geringfügige Überschreitung der Vier-Stangen-Grenze, etwa sechs Stangen, bleibt strafrechtlich meist folgenlos. Zumal wenn die Tabaksticks offen in einer Tasche oder im Reisegepäck mitgeführt werden. Allenfalls muss die über der Eigenbedarfsgrenze liegende Menge nachverzollt werden.In einem auf neuartige Nikotinprodukte spezialisierten Fachhandelsgeschäft von British American Tobacco im polnischen Stettin, sagt der Shopmanager, dass zwar gelegentlich deutsche Kunden kämen, aber nicht in Scharen. Die Deutschen würden allenfalls dadurch auffallen, dass sie größere Mengen kaufen würden als polnische Kunden. Überhaupt ist Polen nicht für jedes Nikotinprodukt das Gelobte Land. E-Zigaretten, Vapes, sind in Polen teurer als in Deutschland. Das liegt daran, dass in Polen nicht nur – wie in Deutschland – das Nikotin-Liquid besteuert wird, sondern auch der Erhitzer.Und zur Wahrheit gehört auch, dass zwar viele Raucher in den östlichen Bundesländern ihre Zigaretten in Polen oder Tschechien kaufen, viele Niederländer, Belgier oder Franzosen aber in Deutschland, wo die Tabaksteuer niedriger ist. „Dies gleicht die Verluste an Tabaksteuer an der Ostgrenze aber nicht aus“, sagt Tammo Körner, bei Philip Morris zuständig für die Bekämpfung des illegalen Zigarettenhandels. Details nannte er indes nicht.
Schmuggelzigaretten sind noch Mangelware in Deutschland, bei Nikotinbeuteln sieht es ganz anders aus.
Gefälschte Zigaretten spielen in Deutschland noch eine geringe Rolle, in den Nachbarländern ist das anders und auch bei neuartigen Produkten wie Snus. Dies birgt über das Nikotin hinaus immense Gesundheitsrisiken.











