Der WDR möchte den einzigen interkulturellen Radiosender entkernen. Ein*e Re­dak­teu­r*in erzählt anonym, wie es der Redaktion mit dem Umbau geht.

Das Interview wird ohne Klarnamen veröffentlicht, da die Person weiterhin im WDR arbeitet und geschützt über ihre Erfahrung sprechen will. Der Name ist der Redaktion bekannt.

taz: Der Radiosender Cosmo ist der einzige interkulturelle und mehrsprachige Radiosender der ARD. Ein Gemeinschaftsprojekt von WDR, Radio Bremen und RBB, vereint Jour­na­lis­t:in­nen aus über 20 Herkunftsländern. Was gefällt dir an der Arbeit für Cosmo?

Redakteur*in: Was mir besonders an Cosmo gefallen hat, ist der interkulturelle Aspekt. Die Welt wird größer und auch sympathischer, wenn man ihr zuhört. Vor allem im Alltag der Menschen fern der großen Politik. Cosmo ist gestartet als Radiosender Funkhaus Europa und hatte anfangs insbesondere den Anspruch, den europäischen Zusammenhalt abzubilden und zu zeigen, wie verschiedene Kulturen hier in Deutschland zusammenleben. Dann ist der Fokus globaler geworden, auch über Europa hinaus.

Cosmo hat immer einen besseren Blick als andere deutsche Medien darauf gehabt, was gerade in den migrantischen Communitys passiert, und es für sie, aber auch für das deutschsprachige Publikum aufgearbeitet. Das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt, den einheimischen Menschen einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen. Dazu kommt, dass Cosmo, was Musik angeht, kein komplett durchformatierter Mainstreamkanal war, der nur schaut, was marktwirtschaftlich funktioniert, sondern sich traut, auch Ungewohntes zu spielen. Uns war es immer ein Anliegen, ein Gegengewicht zum vom anglo-amerikanischen Pop dominierten deutschen Radiomarkt zu bilden und dabei auch lokale Künst­le­r*in­nen zu fördern, mit Migrationsgeschichte und ohne. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir früher wesentlich experimentierfreudiger und vielfältiger waren.