Es ist der erste Deal nach Buffett: Berkshire Hathaway kauft den US-Häuslebauer Taylor MorrisonDie grösste Beteiligungsgesellschaft der Welt setzt darauf, dass sich der schwächelnde amerikanische Immobilienmarkt bald erholt.03.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenGreg Abel, der CEO von Berkshire Hathaway, hat seinen ersten grösseren Zukauf seit dem Abgang von Warren Buffett angekündigt.Brendan McDermid / ReutersBerkshire Hathaway bewegt sich doch. Die vom legendären Warren Buffett aufgebaute Beteiligungsfirma hat am Sonntag den ersten grossen Zukauf seit langer Zeit – und seit dem Rückzug des 95-jährigen Gründervaters – bekanntgegeben. Berkshire wird den Hausbauer Taylor Morrison für 8,5 Milliarden Dollar kaufen, inklusive Übernahme bestehender Schulden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Berkshire ist auch ein BauunternehmenTaylor Morrison ist eines der grösseren Wohnbau-Unternehmen in den USA; die Firma erstellt, verkauft und vermietet Wohnungen und Häuser in 12 Gliedstaaten. Berkshire kennt sich mit dem Geschäft aus. Man hat in der Vergangenheit regelmässig in Konkurrenten von Taylor Morrison investiert und mit Clayton Homes bereits einen Siedlungsentwickler im Portfolio. Im Laufe der Zeit sollen die beiden Firmen zusammengelegt werden. Berkshire Hathaway besitzt überdies zahlreiche Bauzulieferer, die Isolationsmaterial, Farben, Bodenbeläge und Teppiche oder Dachzubehör produzieren.Von aussen betrachtet passt die Übernahme ins langjährige Schema von Berkshire Hathaway: Man kauft ein gut geführtes Unternehmen in einer vertrauten Branche, die unter Gegenwind leidet und deshalb an der Börse moderat bewertet ist. Mit dieser Strategie hat es die Beteiligungsgesellschaft über Jahrzehnte vermieden, überrissene Kaufpreise zu zahlen – und ist selbst zu einem Giganten mit einer Marktkapitalisierung von rund einer Billion Dollar herangewachsen.An sich überrascht die Kontinuität nicht: Berkshire-CEO Greg Abel war lange die rechte Hand von Warren Buffett und hat dessen Anlagephilosophie verinnerlicht. Das Timing von Abels erstem grossem Kauf ist aber interessant. Dem amerikanischen Immobiliensektor geht es derzeit nämlich schlecht.Die Zahl der Transaktionen stagniert seit mehreren Jahren auf tiefem Niveau: Potenzielle Verkäufer warten auf steigende Preise und bleiben auf ihren Häusern sitzen, während die möglichen Käufer von den hohen Hypothekarzinsen abgeschreckt werden: Für die in Amerika gängige 30-jährige Festhypothek werden derzeit mehr als 6,5 Prozent Zins fällig.Viele junge Amerikaner rechnen nicht mehr damit, dass sie ihren Traum vom Eigenheim realisieren können. Der durchschnittliche Erstkäufer wird immer älter. Jüngere Käufer sind auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen, um nur schon die Anzahlung zu leisten. Erst vergangene Woche berichtete das «Wall Street Journal», dass Immobilienmakler in Scharen die Branche verlassen und sich neue Jobs suchen.Riesige Cash-ReservenBerkshire kann den Kauf aus der Portokasse finanzieren. Das Unternehmen hält derzeit fast 400 Milliarden Dollar in Cash und kurzlaufenden Staatsanleihen. Wie Warren Buffett ist auch Greg Abel überzeugt, dass der amerikanische Aktienmarkt sehr hoch bewertet ist; wie seinem Mentor ist es Abel deshalb bisher kaum gelungen, das überschüssige Kapital sinnvoll zu reinvestieren.Parallel zur Investition in Taylor Morrison weitet Berkshire nun auch seine Wette auf künstliche Intelligenz aus, wie am Montag bekanntwurde: Das Unternehmen beteiligt sich an der 80 Milliarden Dollar grossen Kapitalerhöhung von Alphabet, mit welcher der Tech-Konzern seine Investitionen in KI-Rechenleistung beschleunigen will. Berkshire Hathaway wird 10 Milliarden beisteuern und vergrössert damit seine Position beim Google-Mutterkonzern, die es seit November 2025 aufbaut.Die Investition in Alphabet ist ein Bruch mit Warren Buffetts Strategie: Berkshire Hathaway hat sich jahrzehntelang auf etablierte Branchen und Unternehmen fokussiert, deren Geschäftsmodell Buffett selbst vertraut war. Coca-Cola oder American Express gehörten dazu, die meisten Technologieunternehmen nicht. Nur bei Apple hat Buffett ab 2016 eine Ausnahme gemacht, weil er den iPhone-Hersteller als Konsumgüterriesen einstufte.Apple-Titel machten bis 2023 einen sehr grossen Teil des Aktienportfolios von Berkshire Hathaway aus, noch unter Buffett verkaufte man aber einen Grossteil dieser Beteiligung wieder; das ist ein Grund, warum Greg Abel auf eine Kriegskasse von fast 400 Milliarden Dollar zurückgreifen kann.