«Nein, ich bin nicht Satoshi» — aber ohne Adam Back gäbe es den Bitcoin wohl nichtDer Krypto-Pionier und Wegbegleiter des Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto will mit seiner Firma an die Börse. Er glaubt an das digitale Gold und hält die Bedrohung durch Quantencomputer für übertrieben.03.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenAdam Back gehört zu den frühen Architekten des Bitcoins.Amir Hamja / The New York Times / Redux/Laif«Nein, ich bin nicht Satoshi, das wiederhole ich seit Jahren», sagt Adam Back im Gespräch mit der NZZ. Schwarz gekleidet, aber mit prall gefülltem Rucksack steht der 55-jährige Brite zwischen Hunderten Krypto-Fans. Sie geben sich in Rotkreuz, in der Luzerner Pampa, an der Crypto Valley Conference ihr jährliches Stelldichein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die mediale Aufregung um seine Person scheint Back völlig abzugehen. Zumal er ausserhalb der Krypto-Szene kaum bekannt war, bis ein Artikel der «New York Times» den zurückhaltenden Mann im April auf die Weltbühne beförderte. Eine aufwendige Recherche kam zu dem Schluss, dass Back mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 99 Prozent Satoshi Nakamoto sein müsse, der Erfinder des Bitcoins.Back dementierte umgehend.Die ausgelassene Stimmung an der Konferenz passt derweil nicht ins Gesamtbild der Krypto-Welt. Nach einem ekstatischen Jahr 2025 mit Bitcoin-Höchstständen und vollmundigen Versprechen der Trump-Regierung steht die Branche bereits wieder im Krypto-Winter: Seit Monaten verliert der Bitcoin an Wert. Die Investoren träumen dieser Tage von KI, nicht von Krypto.Back scheinen die wilden Preisausschläge des Bitcoins kaltzulassen. Seit Einführung im Jahr 2009 hat er alle mitgemacht. Damals schürfte Satoshi Nakamoto den ersten Bitcoin-Block und rief damit die Kryptowährung ins Leben. Back hat den Bitcoin damals wohl nicht erfunden, doch ohne seine Vorarbeit in Kryptografie in den neunziger Jahren wäre die Ur-Kryptowährung womöglich nie entstanden, oder erst viel später.Ganz nah an SatoshiFür Back ist der Bitcoin eine Entdeckung, weniger eine Erfindung. «Es ist besser für den Bitcoin, diesen als neutrale Asset-Klasse zu sehen denn als Produkt eines Einzelnen», sagt er. Zwölf Jahre vor der Lancierung des Bitcoins im Jahre 1997 sei man schon ziemlich nahe dran am Design eines «Electronic Cash System» gewesen. Es fehlten aber noch wichtige Elemente, und man brachte es nicht zum Laufen. «Wir waren aber auf dem richtigen Weg. Es war eine Frage der Zeit, bis jemand das Problem lösen würde», sagt er.Statt den Bitcoin zu entdecken, entwickelte Back damals Hashcash, eine Art Arbeitsnachweissystem (Proof of Work), das ursprünglich Spam eindämmen sollte, indem für das Versenden einer E-Mail eine Rechenleistung verlangt wurde. Das System war aber weitaus bedeutsamer als sein ursprünglicher Zweck: Back hatte die Grundlagen des heutigen Krypto-Minings gelegt.Satoshi übernahm Backs Hashcash-Konzept und passte es für den Bitcoin an. Back behauptet, den Bitcoin-Entdecker nicht zu kennen. «Ich vermute, Satoshi war eine Person, die den entscheidenden Einfall hatte, um die verbleibenden technischen Probleme zu lösen, und brachte dann das Ganze zum Laufen.» Doch der Brite stand im regen Austausch mit Nakamoto, dem anonymen Bitcoin-Urvater.Heute sieht Back Bitcoin noch immer als Wertspeicher: «Der Bitcoin ist digitales Gold», sagt er. Man habe die Eigenschaften des Edelmetalls digital abgebildet und mit einer physikalischen Einschränkung versehen. Die Knappheit werde durch den industriellen Abbauprozess des Minings erreicht. Auch die technische Ausgestaltung erachtet er als nahezu perfekt. «Man versucht, den Bitcoin technisch zu verbessern. Doch die meisten Änderungen machen ihn schlechter. Wenn man ihn zu stark verändert, funktioniert er nicht mehr.»Anarcho-Kapitalisten mögen AktienDie Vordenker des Bitcoins sahen diesen als privates Geld für Menschen, die ausserhalb des etablierten Finanzsystems handeln wollten. Es war eine technische Antwort auf das Misstrauen gegenüber dem Staat und dem staatlichen Geld. Die Skepsis gegenüber dem Establishment hat der Kryptobewegung Erfolg gebracht. Doch der Bitcoin und die Branche sind in der Mitte des Finanzkapitalismus angekommen.Krypto ist heute als Anlageklasse anerkannt, steht im Produktangebot der Banken und ist in Form von ETF breiten Bevölkerungsschichten zugänglich. Einen Konflikt mit den ursprünglichen Werten des Bitcoins sieht Back darin nicht. «In der Cypherpunk-Bewegung gab es viele verschiedene Meinungen. Aber wir waren alle radikale Verfechter des freien Marktes. Als Anarcho-Kapitalist interessiert man sich für Investments und Aktien», sagt er.Für Back scheint wichtig, dass möglichst viele mit dem Bitcoin in Berührung kommen. Viele Menschen hätten nur indirekt über Vermögensverwalter Zugang. Doch dank solchen Anbietern könnten mehr Leute von den Vorteilen des Bitcoins profitieren. «Die Institutionalisierung ist ein Zeichen wachsender Akzeptanz.» Heute habe sogar die Schweizerische Nationalbank eine Position in der Bitcoin-Firma MicroStrategy. Auch der Staatsfonds von Abu Dhabi oder US-Pensionskassen halten heute Bitcoins, stellt er fest.In Finanzkreisen wird oft infrage gestellt, ob der Bitcoin als Krisenschutz taugt. Das lässt Back nicht gelten. Der Bitcoin sei zwar unmittelbar von Tagesnachrichten abhängig. Doch seit Beginn des Iran-Konflikts habe er fast 25 Prozent gewonnen. «Damit hat er sich schneller erholt als viele Aktien oder Gold.» Es handle sich um eine neue Assetklasse, das bringe hohe Volatilität mit sich. Die Schwankungen dürften geringer werden, je mehr institutionelle Investoren partizipieren. Frühe Bitcoin-Anhänger seien voll investiert, sagt er. Deshalb könnten sie in Schwächephasen nicht nachkaufen.Bedrohung durch Quantentechnologie übertriebenAndere Narrative, die derzeit die Bitcoin-Story schwächen, wehrt Back ab. Die Bedrohung durch Quantentechnologie etwa werde masslos übertrieben. «Wir sind Jahrzehnte von einer Gefahr entfernt», sagt er. Bei dieser Art von Computern gebe es konkurrierende physikalische Bauverfahren, die unterschiedliche Prozesse nutzen. Doch keines davon sei skalierbar. Sie hätten alle jede Menge Einschränkungen.Quantencomputer stellen dank enormer Rechenleistung in Aussicht, künftig die kryptografische Verschlüsselung des Bitcoins knacken zu können. Damit würde das wichtigste Versprechen der Blockchain – die Sicherheit und Überprüfbarkeit der Transaktionen – obsolet gemacht. Doch das Bitcoin-Netzwerk kann sich vor dieser Bedrohung schützen.«Wir bereiten uns vor. Wir wissen, wie man Post-Quantum-Verfahren einsetzen und einen auf Bitcoins optimierten Sicherheitsstandard zur Absicherung einbauen kann», sagt Back. An diesen Verfahren werde gegenwärtig gearbeitet. Sie könnten in den kommenden Jahren implementiert werden.Nummer zwei hinter MicroStrategyDas technische Fundament des Bitcoins ist nur eine Beschäftigung Backs. Daneben ist er auch CEO von Blockstream und der Bitcoin Standard Treasury Company (BSTR). Blockstream ist ein in Kanada beheimateter Anbieter von Krypto-Infrastruktur, der verschiedene Wallet- und Aufbewahrungslösungen anbietet. Auch Mining und Vermögensverwaltung für Banken sind im Angebot und werden vom Tessin und von Zug aus betrieben. Genf soll dazukommen.BSTR beansprucht derzeit Backs Aufmerksamkeit. Dabei handelt es sich um eine Firma, die nach dem Vorbild von Michael Sailors MicroStrategy Bitcoins verwahrt und via Aktien dem Publikum zugänglich macht. Back und weitere Firmengründer haben 25 000 Bitcoins beigesteuert, 5000 stammen von anderen Investoren. Die Bitcoins haben einen Marktwert von 1,7 Milliarden Franken.«Ich war in anderen Bitcoin-Treasury-Unternehmen investiert und glaube, es besser machen zu können», sagt Back. Im Gegensatz zu anderen Treasury-Firmen verwalte BSTR die Bitcoins aktiv, andere würden sie nur verwahren. Die Firma wollte sich eigentlich bereits im April via Spac-Transaktion an der US-Technologiebörse Nasdaq kotieren lassen. Bei dieser speziellen Art des Börsengangs soll BSTR mit Cantor Equity Partners fusionieren, einer Finanzfirma, die vom Sohn des US-Handelsministers Howard Lutnick geführt wird.Marktturbulenzen haben den Börsengang verzögert. Derzeit stehen regulatorische Abklärungen an. Dass der Bitcoin-Kurs nun tiefer sei, könne ein Vorteil für den Börsengang sein, sagt Back. «Das Unternehmen könnte somit mehr Bitcoins kaufen, dann wären wir die Nummer zwei hinter MicroStrategy.» Die Publikumsöffnung soll bis Mitte Jahr vollzogen werden.Was Satoshi Nakamoto von Unternehmen hält, die das Halten und Spekulieren mit Bitcoins zum Geschäftsmodell erklärt haben, ist nicht überliefert. Adam Back ist sich dafür jedenfalls nicht zu schade.Passend zum Artikel
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