Das Amt an der Spitze des größten Uno-Gremiums ist vor allem protokollarisch, kann aber begrenzten Einfluss auf Abläufe und Entscheidungsprozesse hinter den Kulissen haben. Beschlüsse der Generalversammlung gelten häufig als symbolisches Signal und als weltweites Stimmungsbild.Rahman übernimmt in einer Phase, in der die Vereinten Nationen wegen zahlreicher ungelöster bewaffneter Konflikte und großer finanzieller Lücken unter Reformdruck stehen. Der Uno-Experte Richard Gowan bezeichnete Baerbock als »durchaus solide und zupackende Führungspersönlichkeit«, die dem Amt mehr Öffentlichkeit verschafft habe als ihre Vorgänger. Baerbock sei eine größere diplomatische Bekanntheit als die meisten Präsidenten der Generalversammlung, sagte Gowan. Zugleich habe sie sich – so höre er von Diplomaten – mitunter über die Grenzen ihres Amts frustriert gezeigt. »Sie wünschte sich, die Generalversammlung würde bei der Bewältigung der vielen Krisen, mit denen sie konfrontiert ist, aktiver agieren.«Baerbock bleibt bis zur offiziellen Amtsübergabe am 9. September im Amt – kurz vor der Generaldebatte der UN-Generalversammlung mit Staatsgästen aus aller Welt. Die Präsidentschaft wird regional rotierend vergeben, diesmal war die Asien-Pazifik-Gruppe an der Reihe. Rahman setzte sich gegen den zyprischen Diplomaten Andreas Kakouris durch. Dass zwei Kandidaten um den Posten werben, ist in der Geschichte des Amts äußerst selten.