Die Zahl der vom Verfassungsschutz erfassten Extremisten in Berlin ist im vergangenen Jahr von 9370 auf 9720 Personen angestiegen. Das gab Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung des Landesverfassungsschutzberichts für das Jahr 2025 bekannt. Mehr Extremisten zählten die Verfassungsschützer in allen ideologischen Ausrichtungen – wenn auch ungleichmäßig verteilt.Etwa vierzig Prozent der Berliner Extremisten rechnet der Verfassungsschutz dem Linksextremismus zu. Der Zuwachs war hier besonders deutlich: Die Behörde schätzt, dass es in der Bundeshauptstadt im vergangenen Jahr 3950 Linksextremisten gab. Das sind 150 Personen mehr als im Jahr zuvor.Die Verfassungsschützer schreiben in ihrem Bericht, die „Ideologie des Öko-Anarchismus“ habe spürbar zur Radikalisierung der Szene beigetragen. Für die Öffentlichkeit erkennbar war dies vor allem am 9. September 2025: Ein Brandanschlag auf das Stromnetz in Treptow-Köpenick bewirkte, dass Zehntausende Berliner von der Stromversorgung abgeschnitten waren.Ermittlungen zu Anschlägen laufen weiterDie Folgen des Anschlags waren wegen des milden Spätsommerwetters geringer als jene des Brandanschlags auf die Stromversorgung im Januar 2026 in Steglitz-Zehlendorf. Anfang des Jahres harrten Zehntausende im Berliner Südwesten bis zu fünf Tage bei eisigen Temperaturen in ihren Wohnungen aus. Da dieser Anschlag nach dem Jahreswechsel erfolgte, wird er im Verfassungsschutzbericht 2025 nicht behandelt.Spranger ging trotzdem auf beide Taten ein: Sie sagte, es werde weiterhin „intensivst ermittelt“. Wegen der Anschläge seien die Folgen des Linksextremismus für die Berliner in den vergangenen Monaten „am gravierendsten“ gewesen, auch wenn es in allen Extremismusbereichen „dynamische Entwicklungen“ gebe. Die Innensenatorin verwies darauf, dass Linksextremisten auch den Nahostkonflikt gezielt genutzt hätten: „Nahezu alle relevanten Gruppierungen des linksextremistischen Spektrums mobilisierten für israelfeindliche Veranstaltungen.“ Dabei hätten sie oft mit Islamisten und Extremisten mit auslandsbezogener Ideologie kooperiert.Mehr rechtsextreme OnlinenetzwerkeAuch diese Gruppen sind gewachsen: Der Verfassungsschutz schätzt, dass die Zahl der Islamisten in Berlin im vergangenen Jahr von 2440 auf 2590 Personen stieg. Die Zahl der Extremisten mit auslandsbezogener Ideologie ist von 1680 auf 1700 angestiegen. 1100 davon werden der kurdischen PKK zugerechnet. Spranger sagte, dass Islamisten ihre Anwerbeversuche vor Schulen verstärkt hätten. Sie werde mit Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) beraten, wie hier die Prävention verbessert werden könne.Der Leiter des Berliner Verfassungsschutzes, Michael Fischer, ergänzte, dass auch die Anwerbung von Islamisten über das Internet zugenommen habe. Salafisten aus Afrika und Asien versuchten, junge Berliner „gleichsam wie in einer Agentur“ für Terroreinsätze im Ausland zu gewinnen.Die Zahl der Rechtsextremisten in Berlin stieg im vergangenen Jahr von 1450 auf 1480 Personen. Die verhältnismäßig geringe Personenzahl erklärt sich auch dadurch, dass der Verfassungsschutz in Berlin den AfD-Landesverband anders als in anderen Bundesländern nicht als extremistisch einstuft. Dass die Zahl der Rechtsextremisten dennoch zugenommen hat, liegt vor allem an „gewaltorientierten rechtsextremistischen Netzkulturen“.Darunter versteht der Verfassungsschutz lose Onlinenetzwerke, die sich gegenseitig zur Gewalt gegen Minderheiten anstacheln. Ein Beispiel dafür ist die Gruppe „Deutsche Jugend voran“. Der Leiter des Berliner Verfassungsschutzes sagte am Dienstag, die Szene sei „sehr volatil“. Es sei daher besonders schwierig festzustellen, wer sich dort betätige.