Die aktuelle Weltranglistenerste Aryna Sabalenka behauptete, sie fände es „cool“. Die frühere Branchenführerin Naomi Osaka sagte, sie kümmere sich nicht besonders darum: „Ehrlicherweise konzentriere ich mich nur auf mich.“ Was die beiden Tennisdamen von sich gaben am späten Montagabend bei den French Open, wirkte nicht wirklich hellauf begeistert, dass sie es womöglich bald wieder mit einer altbekannten Konkurrentin zu tun bekommen. Serena Williams’ angekündigte Rückkehr in den Profizirkus löste mal mehr, mal weniger Begeisterung aus.Der ausbleibende Überschwang lag wohl nicht zuletzt daran, dass der Auftritt, der Sabalenka und Osaka sowie dem Pariser Grand-Slam-Turnier einen besonderen Glamour hatte verleihen sollen, eher einen Abglanz bot. Die erste Night Session in Paris seit 2023, die auf ein Männermatch verzichtete und den Tennisdamen vorbehalten war, war trotz des vorangegangenen öffentlichen Wirbels letztlich zweitrangig.Zumal die Angelegenheit sportlich schnell geklärt wurde, indem die stark aufschlagende und variabel spielende Sabalenka ihre Achtelfinalgegnerin Osaka in 87 Minuten 7:5, 6:3 besiegte. Was die Sportwelt mehr bewegte als die Begegnung in Paris, war die Botschaft aus den Weiten des Tennisuniversums: Das Imperium kehrt zurück.Folgt nun die Rückkehr auf den „heiligen Rasen“?Dass Serena Williams, die als Tennisprofi so viele Grand-Slam-Titel gewonnen hat wie keine andere Frau, wieder auf die Profitour zurückkommen würde, pfiffen die Spatzen der Welt längst von allen Dächern. Nachdem bekannt geworden war, dass die 23-malige Grand-Slam-Turniersiegerin wieder im Anti-Doping-Testpool gelistet und seit dem 22. Februar 2026 wieder spielberechtigt war, blieb nur die Frage: Wann macht sie auch auf dem Platz wieder ernst?Dass Serena Williams, die Anfang September 45 Jahre alt wird, sich ausgerechnet während der French Open und auch noch an deren Frauenabend offenbarte, war ein merkwürdiger Zeitpunkt. Zumal er sehr nahe an ihrem ersten Auftritt lag. Schon in der kommenden Woche wird Williams beim Rasenturnier im Londoner Queen’s Club starten, im Doppelwettbewerb mit der jungen Kanadierin Victoria Mboko.Auch im unmittelbar danach stattfindenden Turnier in Berlin ist das Gespann im Gespräch. Folgt danach die Rückkehr auf den „heiligen Rasen“ von Wimbledon, wo Serena Williams siebenmal im Einzel und sechsmal im Doppel mit ihrer Schwester Venus gewann? „Den Queen’s Club empfinde ich als den perfekten Ort, um dieses nächste Kapitel aufzuschlagen“, ließ Serena Williams mitteilen und betonte zudem „die bedeutenden Momente“, die ihr auf Rasen geschenkt wurden.Unvorbereitet traf die Ankündigung der Amerikanerin keinen. Serena Williams hatte selbst vermehrt angedeutet, dass sie sich nicht weiter „vom Tennis fortentwickelt“, wie sie ihren Abschied im Spätsommer 2022 begründet hatte. Sondern dass sie sich wieder annäherte. Ihre Mitteilungen wirkten zwar gewunden und ausweichend. Aber dass sie daheim in Florida regelmäßig trainierte, war nicht das größte Geheimnis. In amerikanischen Medien wird Alycia Parks, Nummer 79 der Weltrangliste, mit ihren Eindrücken vom gemeinsamen Training zitiert: „Sie ist in großartiger Form“, sagte Parks über die zwanzig Jahre ältere Williams.Die WTA jubeltDie Profiorganisation WTA verbreitete am Montag flugs eine Jubelarie, die sicher nicht eilig in zehn Minuten niedergeschrieben wurde. „Serena ist eine der größten Athleten aller Zeiten, und ihr Vermächtnis geht weit über den Tennisplatz hinaus“, so Lob, Preis und Pathos der WTA-Chefin Valerie Camillo.Tatsächlich hat Serena Williams das Damentennis nachhaltig verändert und für alle Welt interessanter gemacht wie keine Zweite. Mit der Wucht, mit der sie auf die Bälle einschlug. Mit ihrem dominanten Auftreten, das Gegnerinnen die Knie schlottern ließ. Als Vorbild für afroamerikanische Athletinnen, wie man es nach ganz oben schaffen kann. Als Modeerscheinung, die mit extravaganten Outfits und Blingbling für Aufsehen sorgte wie sonst nur ihre damalige Rivalin Maria Scharapowa. Kehrt sie zurück, könnte sie als Fashionista ihren alten neuen Konkurrentinnen Sabalenka und Osaka den Rang ablaufen. Die Belarussin hatte in Paris mit Designerketten und Ohrringen für insgesamt 127.000 Euro für Aufsehen gesorgt, die Japanerin mit einem goldenen Glitzerkleid, diversen Überhängen und dazu passenden kryptischen Erklärungen.Die WTA-Chefin Camillo hatte in ihrer Begeisterung auch eine Erklärung parat, weshalb Serena Williams wieder zu spielen anfängt: „Es ist Ausdruck ihrer Leidenschaft für den Wettbewerb.“ Das bestätigt wohl jeder, der den Kampfgeist der Amerikaner erlebt hat. Doch ist Williams selbst noch nicht mit der Sprache rausgerückt, weshalb sie nach knapp vier Jahren Pause, erfolgreichem Wirken als Unternehmerin und der Geburt ihrer zweiten Tochter auf die große Tennisbühne zurückkehrt.Mögliche Beweggründe gibt es viele: Vielleicht will sie der jungen Generation zeigen, dass man als mittelalte Frau noch auf höchstem Niveau mithalten kann. So wie es ihre Schwester, die in zwei Wochen 46 Jahre alt wird und unter einer Autoimmunkrankheit leidet, gelegentlich vormacht – mit überschaubarem Erfolg. Als Teilzeitprofi ist Venus Williams auf Wildcards von den Turnierveranstaltern angewiesen, wie demnächst beim Rasenturnier in Bad Homburg.Gut möglich ist auch, dass Serena Williams der Welt zeigen will, zu welchem Vorteil man sich körperlich verändern kann. In den vergangenen Jahren hat die Mittvierzigerin unermüdlich betont, wie sehr ihr die Abnehmspritze geholfen habe, Knie und Körper zu entlasten und eine neue Fitness zu erlangen. GLP-1 trägt zur Gewichtsreduzierung bei, steht aber unter Beobachtung der Welt-Anti-Doping-Agentur. Serena Williams nutzt ein GLP-1-Produkt des Telemedizinanbieters Ro. Zu dessen Investoren und Vorstandsmitgliedern gehört Alexis Ohanian, Serena Williams’ Ehemann und Vater ihrer Töchter. Man könnte also meinen, die Rückkehr der Ausnahmeathletin ist nicht nur Werbung fürs Damentennis, sondern auch für eine spezielle Abnehmspritze.
Serena Williams gibt Comeback: Das Imperium kehrt zurück auf die Tennisbühne
Unvorbereitet traf die Ankündigung von Serena Williams niemanden. Doch der Zeitpunkt für die Bekanntgabe des Comebacks ist merkwürdig. Nun wird gerätselt: Welchen Plan verfolgt die 23-malige Grand-Slam-Siegerin?











