Russland macht offenbar seine Drohung wahr und fliegt massive Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und andere Städte. Bei Luftschlägen mit Drohnen und Raketen starben in der Nacht zu Dienstag laut ukrainischen Angaben bis zu 20 Menschen. Es soll mehr als 100 Verletzte gegeben haben. In Kiew sollen mindestens sechs Menschen getötet und 66 weitere verletzt worden sein, wie Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram schrieb. Einwohner suchten Zuflucht in U-Bahn-Stationen und Luftschutzkellern. Kurzzeitig kam es auch zu Stromausfällen und Problemen bei der Wasserversorgung. Im Stadtbezirk Podil stürzte ein mehrstöckiges Wohnhaus nach einem Angriff ein.
In der Stadt Dnipro sollen Behördenangaben zufolge mindestens zwölf Menschen getötet und 37 weitere verletzt worden sein. Im Gebiet Charkiw wurde laut dem staatlichen Gaskonzern Naftogaz ein „Schlüsselobjekt“ des Unternehmens zuerst mit Drohnen und nachfolgend mit Raketen angegriffen. Russland griff außerdem Ziele in der Stadt Saporischschja an. In vielen Regionen waren Stromausfälle Folge der russischen Angriffe.
Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete die Attacken als Vergeltung für ukrainische Angriffe. Am Vorabend hatte Kremlchef Wladimir Putin bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats Kiew „Verbrechen gegen Kinder und Jugendliche“ vorgeworfen. Putins Äußerung bezog sich auf einen Drohnenangriff Ende Mai auf ein Wohnheim in der von Russland besetzten ostukrainischen Region Luhansk. Bei der Attacke waren 21 junge Menschen – vorwiegend Berufsschülerinnen – ums Leben gekommen. Russland hatte danach angekündigt, man werde ab nun „systematisch“ gegen die „militärische Infrastruktur“ vorgehen.












