Ein Jahr nach Kriegsende lagen viele deutsche Städte in Trümmern. Die Universitätsstadt Greifswald war eine der wenigen, die nicht zerstört worden waren. Das brachte den damaligen Kirchenmusikdirektor Hans Pflugbeil und seine Frau Annelise, die kurz zuvor mit der Pommerschen Kirchenmusikschule aus Stettin nach Greifswald gekommen waren, 1946 auf eine kühne Idee: Sie wollten Bach-Tage veranstalten.
Sowjetische Kulturoffiziere genehmigten 1946 Bach-Tage
Greifswald lag wie der Rest Mecklenburg-Vorpommerns in der Sowjetischen Besatzungszone. Dort geschah nichts ohne Genehmigung der Kommandantur. Auch für den Druck von Plakaten, Programmheften und Eintrittskarten warenoffizielle Freigaben und Papierzuteilungen der sowjetischen Behörden nötig. Selbst die Stromversorgung bei Abendveranstaltungen musste genehmigt werden.
Doch die sowjetischen Kulturoffiziere förderten im Rahmen der angestrebten antifaschistisch-demokratischen Umwälzung bewusst den Wiederaufbau des Kulturlebens. Klassische deutsche Kultur – insbesondere Johann Sebastian Bach – galt als unpolitisch, humanistisch und wertvoll für den moralischen Wiederaufbau der Bevölkerung. Hans Pflugbeil verhandelte daher direkt mit den zuständigen sowjetischen Offizieren. Weil das Festival als rein kirchenmusikalische und kulturelle Aufbauarbeit eingestuft wurde, erteilte die Kommandantur die Erlaubnis für die ersten Greifswalder Bach-Tage.








