PfadnavigationHomeRegionalesBerlin & BrandenburgSocial-Media-Verbot? «Nicht die beste Idee» finden SchülerStand: 14:46 UhrLesedauer: 4 MinutenWelchen Schutz muss es für Kinder und Jugendliche im Netz geben? Darüber diskutierten die Ministerinnen mit Potsdamer Gymnasiasten.Quelle: Soeren Stache/dpaMobbing und Suchtgefahr: Jugendliche einer Potsdamer Schule diskutieren mit zwei Bundesministerinnen über Social-Media-Regeln. Im Raum steht ein Verbot ab 14 Jahren. Für viele ist das keine Lösung.Gibt es dunkle Seiten im Internet und Gefahren für Kinder und Jugendliche auf Plattformen im Netz? «Ja.» Sollte Social Media deshalb für Unter-14-Jährige verboten werden? «Nein.» Diese Meinung vertreten die meisten Jugendlichen, mit denen Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) am Potsdamer Dalton-Gymnasium über Schutz im Digitalen diskutieren.Sechs Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 7 bis 10 sind auf dem Podium dabei - Dutzende weitere sitzen im Publikum auf den Stühlen in der Aula. Über eine Stunde lang sprechen die zwei Bundesministerinnen gemeinsam und Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) mit den Jugendlichen.Priens Position zum Schutz ist klar: Social-Media-Plattformen müssten stärker in die Verantwortung genommen werden, um sicherzustellen, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter überhaupt keinen Zugang zu gefährlichen Inhalten auf diesen Plattformen erhalten, sagt die Ministerin. «Deshalb kommen wir an einer wirksamen gesetzlichen Regulierung nicht vorbei.»«Ich denke, dass ein Verbot nicht die beste Idee ist»In der Bundespolitik wird derzeit über ein mögliches Verbot der Social-Media-Nutzung für unter 14-Jährige diskutiert. Noch vor der Sommerpause werden Vorschläge einer von Prien eingesetzten Expertenkommission dazu erwartet.Julius Anwand aus der 8. Klasse sieht ein Problem zum Beispiel in Klassenchats und in den Kommentarspalten auf Plattformen wie YouTube. «Allerdings denke ich, dass ein Verbot mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt, indem man das Problem eher verschiebt auf später», sagt er.Ähnlich sieht das sein Schulkamerad Felix Christian Leyendecker aus der 7. Klasse. Viele nutzen WhatsApp und Instagram. Er habe Mobbing, Betrugsversuche und Datenschutzverletzungen beobachtet. Doch seine Meinung: «Ich denke, dass ein Verbot nicht die beste Idee ist, sondern dass man den Jugendlichen zum Beispiel in der Schule mit Workshops halt Medienkompetenz beibringen soll.»«Ernsthafte Gesundheitsfolgen für Kinder und Jugendliche»Diesen Vorschlag greift die Bundesbildungsministerin gern auf: «Je älter Kinder und Jugendliche werden, umso stärker kann man sie in die Lage versetzen, sich selber zu schützen.» Dafür müssten die Schülerinnen und Schüler kompetent gemacht werden, etwa über Fortbildungen für Lehrkräfte.Zugleich warnt Prien vor «ernsthaften Gesundheitsfolgen für Kinder und Jugendliche», die etwa Mobbing, Hatespeech (Hassrede) und sexualisierte Inhalte in sozialen Medien haben können. Davor sollten alle Menschen, aber insbesondere jüngere geschützt werden.Ein konkretes Alter für Maßnahmen nennt die Bundesbildungsministerin nicht. Ihre Kollegin Hubig spricht von der Idee, bis zum Alter von 14 Jahren ein Social-Media-Verbot anzugehen, zwischen 14 und 16 Jahren Jugendversionen auf den Plattformen umzusetzen und ab 16 Jahren die Beschränkungen aufzuheben. «Ich wünsche mir nicht mehr Schutz, sondern mehr Aufklärung»«Mir ist eins wichtig: Ich finde, wenn wir über ein Verbot von Social Media reden, darf es nicht heißen, dass ihr nicht mehr ins Internet dürft», sagt Hubig an die Schülerinnen und Schüler gewandt. «Ihr müsst natürlich auch Internet nutzen, ihr müsst auch KI nutzen dürfen. Das ist total wichtig, weil ihr lebt ja im 21. Jahrhundert.»Jonna Rosendahl aus der 10. Klasse fühlt sich gut gewappnet im Umgang mit den Inhalten im Netz. «Also wenn ich auf Social Media bin, weiß ich, dass das meiste davon vorher geplant wurde, dass es Skripte dafür gab», betont sie. Sie fühle sich sicher. «Ich wünsche mir nicht mehr Schutz, sondern eher mehr Aufklärung und vor allem, dass Eltern auch aufgeklärt werden.»«Die Gefahren auf Social Media sind nicht eure Schuld»Die wenigsten aus der Elterngeneration der Gymnasiasten sind mit Social Media aufgewachsen - und wissen, wie genau die Plattformen funktionieren. «Es gibt tatsächlich, und das müsst ihr wissen, süchtig machende Muster, die unter den Anwendungen liegen», erklärt Justizministerin Hubig den Jugendlichen. «Und die haben nur einen Zweck: immer wieder dazu zu führen, dass man weiter scrollt, dass man weiterspielt, dass man weitermacht.»Letztlich macht Prien noch einen Punkt, bei dem viele Schülerinnen und Schüler nicken - der Vergleich mit dem Verbot für Alkohol. «Man will ja auch nicht auf die Idee kommen und sagen, an Alkohol muss man sich auch gewöhnen, da muss man einem Achtjährigen schon mal die Möglichkeit geben, dass er selber Erfahrungen macht.»Es gebe es schon Altersbegrenzungen bei vielen Plattformen - die entscheidende Frage sei deshalb: Wie werden sie angewandt? «Gefahren auf Social Media sind nicht eure Schuld», sagt Prien. «Sondern es ist die Verantwortung der Plattformen.»dpa-infocom GmbH
Social-Media-Verbot? «Nicht die beste Idee» finden Schüler - WELT
Mobbing und Suchtgefahr: Jugendliche einer Potsdamer Schule diskutieren mit zwei Bundesministerinnen über Social-Media-Regeln. Im Raum steht ein Verbot ab 14 Jahren. Für viele ist das keine Lösung.








