Beni-Bloch-Preis : Jugendprojekte gegen Antisemitismus02.06.2026, 11:31Lesezeit: 2 Min.„Erinnerungskultur, die nicht zum Ritual verkommt“: Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt zeichnet drei Projekte von Jugendlichen mit dem Beni-Bloch-Preis aus.„Erinnerung ist nicht nur Rückblick – sie ist Inspiration für unser Handeln heute“: Dieser Satz steht am Ende eines Videos über ein Projekt der Erich-Kästner-Schule aus Maintal-Bischofsheim. Eine Woche lang haben sich die Gesamtschüler mit der Schoa beschäftigt, haben die Holocaustüberlebenden Leonid Vinderman und Eva Szepesi getroffen, mit ihnen gesprochen, Fotos gemacht und Videos gedreht, eine eigene Ausstellung entwickelt.Und nun sind sie dafür ausgezeichnet worden: Am Montag wurde ihnen in der Frankfurter Jüdischen Gemeinde der Beni-Bloch-Preis überreicht – eine Auszeichnung, die Jugendliche ehrt, die sich gegen Antisemitismus stellen und in Projekten mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen. Seit vier Jahren gibt es den Preis für Jugendengagement, jetzt wurde er zum dritten Mal vergeben.Die Maintaler Schüler sind in diesem Jahr nicht die einzigen Preisträger. Prämiert wurden außerdem das Projekt einer Frankfurter Konfirmandengruppe und ein weiteres von Schülern der Max-Beckmann-Schule, einer gymnasialen Oberstufe im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Je 500 Euro erhalten die Gruppen, die für Anschlussprojekte genutzt werden sollen.Konfirmanden bauen eine zerstörte Synagoge in Minecraft nachDie Beckmann-Schüler haben sich mit der Geschichte des jüdischen Friedhofs beschäftigt, der direkt an ihre Schule grenzt. Sie haben Biographien von dort Begrabenen erforscht und eine neue Gedenktafel initiiert. Was sie über den Friedhof herausfanden, haben sie außerdem für die Frankfurt-History-App aufgearbeitet.Die Konfirmandengruppe der Evangelisch-reformierten Kirche hat sich für ihr Projekt mit der Geschichte einer Synagoge im Frankfurter Westend auseinandergesetzt. Das Gotteshaus mit der Adresse Unterlindau 23 wurde während der Novemberpogrome geplündert und später bei einem Bombenangriff komplett zerstört. Mit dem Computerspiel Minecraft haben die Konfirmanden die Synagoge virtuell rekonstruiert – anhand alter, noch erhaltener Baupläne.Benjamin Graumann, der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, lobte die nun ausgezeichneten Projekte in der Feierstunde als „Erinnerungskultur, die nicht zum Ritual verkommt“. Gerade heute, wo viele Juden sich ausgegrenzt und alleingelassen fühlten, seien solche Initiativen wichtig. „Ihr gebt uns neuen Mut und Kraft“, sagte Graumann in Richtung der jungen Menschen.Die Frankfurter Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) erinnerte in ihrer Rede an den Namensgeber des Preises: Beni Bloch (1943–2019) hat viele Jahre die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, den wichtigsten jüdischen Sozialverband des Landes, geleitet. „Er hat Haltung gezeigt“, sagte Eskandari-Grünberg über Bloch. Sie erinnerte daran, wie er sich nach dem rechtsextremen Brandanschlag in Solingen im Jahr 1993 sofort auf den Weg in die Stadt machte, um den Angehörigen der Opfer beizustehen. „Heute würde ich mir wünschen, dass mehr Menschen diese Solidarität zeigen, wenn Juden und Jüdinnen angefeindet werden.“