Besondere Spiele verdienen besondere Namen. Im Tennis heißen sie, wie in anderen Sportarten, „Popcorn Matches“. Großes Kino ist zu erwarten. Im besten Falle Darbietungen wie in den vergangenen beiden Jahren zwischen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz, die so manchen Zuschauer so sehr unter Hochspannung setzten, dass er gar nicht merkte, wie viel Puffmais er sich in den Mund stopfte. So einen Zweikampf zum Zungeschnalzen gab es bei den French Open vor einem Jahr im Finale zu sehen. Diesmal bleibt dieser Blockbuster in Paris aus, weil der Weltranglistenerste Sinner schon weg ist und der Weltranglistenzweite Alcaraz gar nicht da war. Fürs „Popcorn Match“ wäre jetzt der Nächstbeste zuständig.Alexander Zverev, Nummer drei der Weltrangliste, hat schon eine Reihe mitreißender Fünftsatzmatches hinter sich: den Achtelfinalsieg bei den US Open 2023 gegen Sinner, die Niederlage im Endspiel der French Open 2024 gegen Alcaraz. An diesem Dienstag trifft der Deutsche auf einen, der noch jünger ist als damals die beiden Ausnahmespieler. Hinschauen lohnt sich also, wenn Rafael Jódar zeigt, was er am besten kann.Als das Jahr begann, war Jódar Nummer 168 der WeltranglisteSpanier, 19 Jahre alt, Spitzname „Rafa“: So einen hat es schon mal gegeben im Welttennis. Rafael Nadal hieß er und gewann in jenem Alter den ersten seiner 14 Titel in Roland Garros. Ob „Rafa“ Jódar schon reif ist für den Coup?Unmöglich ist das nicht.Das French-Open-Feld erscheint ohne Titelverteidiger Alcaraz und die ausgeschiedenen Sinner, Novak Djokovic und Co. so offen wie seit zwei Jahrzehnten nicht. Was den Jungstar Jódar mit dem Pariser Rekordchampion Nadal eint, ist der kometenhafte Aufstieg. Und dass ihn die familiäre Energie voranbringt. War bei Nadal viele Karrierejahre lang Onkel Toni die treibende Kraft, so ist es bei Jódar der Vater, ein früherer Basketballtrainer.Vor 14 Monaten stand der Teenager gerade mal auf Weltranglistenplatz 911. Auf den Profizirkus bereitete er sich auf die harte Tour vor, im amerikanischen College-Tennis. Er führte 2025 das Team der Universität von Virginia an, reüssierte danach auf der zweitklassigen Challenger-Tour. Drei Turniersiege später durfte er beim Jahresabschlussturnier der Jungprofis („Next Gen ATP Finals“) teilnehmen.Als das Jahr 2026 begann, war Jódar die Nummer 168 der Weltrangliste. Es folgten: das Grand-Slam-Debüt in Melbourne, der erste ATP-Turniersieg in Marrakesch, das Halbfinale in Barcelona und die beiden Viertelfinals bei den Mastersturnieren in Madrid und Rom. Dass er in Paris erst zu den Gesetzten gehörte und nun unter den letzten Acht steht, empfindet Jódar als „ein Geschenk“: „Mein Ziel ist es, alles auszukosten.“ In der kommenden Woche wird Rafa, der Zweite, in der Weltrangliste auf Platz 23 vorstoßen – mindestens.Zverev hat es noch nie mit Jódar zu tun bekommen, ist aber gewarnt: wegen der Ergebnisse und des Geraunes. Dass der Spanier den Ball vorzüglich treffe, könne man hören, sagte Sinner nach seinem Zweisatzsieg neulich in Madrid. „Es kommt ein sehr guter Klang aus seinem Schläger.“ Ist der Spanier so stark, dass Zverev Hören und Sehen vergehen könnte? „Er hat keinen Druck, spielt frei auf“, sagt der 29-Jährige und gibt sich wie ein Veteran, der einen eifrigen Rekruten vorgesetzt bekommt. „Er kann den Ball von beiden Seiten beschleunigen, was unglaublich speziell ist.“ Dazu spielt Jódar aggressiv, sucht den Punktgewinn, bleibt dabei aber ruhig.Zverev zum achten Mal im ViertelfinaleAuch Zverev gibt sich im Drunter und Drüber des Herrenwettbewerbs gelassen. Anders als früher, als er die ersten Grand-Slam-Runden mit Mühe und Not hinter sich brachte, überlässt der Hamburger das Drama diesmal den anderen. Er erledigt seinen Job in Paris so sachlich wie ein Bürohengst in Pirmasens. Der Rücken hält, der Kopf ist bei der Sache, zum achten Mal steht er im Viertelfinale. In seinen vier Matches gab Zverev nur einen Satz ab und verlor 44 Spiele. Im Schnitt stand er pro Match nur etwas mehr als zwei Stunden auf dem Platz – ein Schelm, wer dabei von Lifestyle-Teilzeit spricht!Daumen hoch: João Fonseca nach seinem Sieg gegen Casper RuudAP Photo/Thibault CamusJódar, der in seinen vergangenen beiden Matches über fünf Sätze rackern musste, stecken rund vier Stunden mehr in den Knochen als Zverev. Dass die physische Belastung einen Unterschied ausmachen könnte, glaubt Zverev nicht. „Der regeneriert sich. Das ist noch relativ einfach in dem Alter.“ Tatsächlich machte Jódar nach dem Fünfsatzsieg gegen seinen Landsmann Pablo Carreno Busta einen frischen und aufgeräumten Eindruck.Überhaupt lassen die vielen Jungstars um ihn herum den neuen Turnierfavoriten Zverev ziemlich alt aussehen. Im Halbfinale wird der Sieger aus dem Viertelfinalduell zwischen dem Tschechen Jakub Menšík (20) und dem Djokovic-Bezwinger João Fonseca (19) kommen. Was sie verbindet, macht neben dem Alter den anderen großen Unterschied zu Zverev aus.Während der Hamburger sich erst vor wenigen Monaten durchrang, offensiver zu denken und zu handeln, spielen die Jungen auf natürliche Weise forsch. „Ich gehe immer auf den Punktgewinn. Ich liebe es, Winner zu schlagen“, sagte Fonseca nach seinem Achtelfinalsieg gegen den zweimaligen French-Open-Finalisten Casper Ruud. Es sei darum gut, die neue Generation zu haben, sagte der Brasilianer: „Sie treiben mich an, große Schlachten zu liefern.“Was Alexander Zverev außerdem zu denken geben sollte: Die Jungspunde scheren sich nicht um große Namen. Das zeigen sie mit ihren bisherigen Taten und in Worten: „Wenn du in die letzten Runden gehst“, sagte Jakub Menšík nach seinem Fünfsatzerfolg gegen den Weltranglistendreizehnten Andrej Rublew, „dann ist es egal, wer auf der anderen Seite steht.“
Alexander Zverev trifft bei French Open auf Jungstar Rafael Jódar
Klingt bekannt? Rafael Jódar heißt der kommende Gegner von Alexander Zverev. Was den Jungstar mit dem Pariser Rekordchampion Rafael Nadal eint, ist nicht nur der kometenhafte Aufstieg.
Rafael Jódar (19) steigt in Monaten von Rang 911 auf 23 und trifft Zverev im Viertelfinale. Die aggressive Junggeneration (Jódar, Menšík, Fonseca) drängt etablierte Stars unter Druck und markiert einen Generationswechsel.










