Dass die Zahl der Geländewagen auf den Straßen steigt, ist eigentlich irrational. Dennoch lässt sich das Phänomen erklären: mit Identität, Sicherheitsgefühl und sogar dem guten Gewissen.
Das Urteil im Prozess um den tödlichen Unfall am Stuttgarter Olgaeck fiel letzte Woche gleich am ersten Verhandlungstag: zwei Jahre auf Bewährung für den Fahrer, der im Mai 2025 unter Kokaineinfluss mit einem SUV (Sport Utility Vehicle) den Tod einer Frau verursachte und acht Passanten verletzte. Noch lange nicht abgeschlossen ist die Auseinandersetzung mit der Sinnhaftigkeit großer, mehrere Tonnen schwerer SUVs wie dem Mercedes-AMG G63, den der Verurteilte im Stadtverkehr fuhr. Laut Hersteller handelt es sich um "eine Ikone der Luxusklasse für den Geländeeinsatz". Das Gelände aber, über das die berüchtigten "Stadtpanzer" rollen, ist weniger physischer als vielmehr mentaler Natur. Wird auch oft argumentiert, dass rationale, technische, pragmatische Gründe für den Einsatz von SUVs sprächen, so ist es doch plausibler, dass andere Gründe ausschlaggebend sind. Nicht von ungefähr charakterisierte Roland Barthes das Automodell Citroën DS in seinem Buch "Mythen des Alltags" (1957) als "superlativisches Objekt" und als den "besten Boten der Übernatur". Was hätte er erst über die damals noch nicht so weit verbreiteten SUVs geschrieben?








