Die Toten Hosen veröffentlichen ein neues Studioalbum. Es soll ihr letztes sein. Ein Gespräch mit Sänger Campino über Abschiede und Abstiege, Vaterfreuden, sein Treffen mit König Charles sowie Duette mit Wolf Biermann und Vicky Leandros.Campino sitzt im ersten Stock des Hauptquartiers der Toten Hosen in Düsseldorf-Flingern, als hätte er vergessen, dass nebenan längst seine Band auf ihn wartet. Draußen ein ehemaliges Industrieviertel, drinnen Backstein, Glas, Goldene Schallplatten. Eine Mitarbeiterin kommt irgendwann herein und erinnert daran, dass im Gebäude gegenüber die Probe beginnen soll. Campino nickt höflich – und redet dann trotzdem noch eine weitere halbe Stunde. Fast zweieinhalb Stunden dauert dieses Gespräch am Ende. Es wird weniger ein Interview als eine Art Lebensbilanz.An der Wand hängt die riesige Originalzeichnung des Covers von „Auf dem Kreuzzug ins Glück“ von 1990, dem ersten Nummer-eins-Album der Band. Das Motiv ist dem Gemälde „Bobr“ von Christian Wilhelm von Faber du Faur von 1812 nachempfunden, das den katastrophalen Rückzug der napoleonischen Armee aus Russland zeigt: Soldaten im Schnee, erschöpft, frierend, halb besiegt. Für das Hosen-Cover wurden daraus die Mitglieder der Band selbst. Eine verlorene Armee auf dem Weg ins Glück. Mehr als dreißig Jahre später wirkt das Bild wie eine Vorahnung auf das, worüber Campino an diesem Nachmittag spricht.Am 29. Mai erscheint mit „Trink aus, wir müssen gehen“ das letzte Studioalbum der Toten Hosen. Parallel veröffentlichen sie mit „Alles muss raus“ ein zweites Album, auf dem sie gemeinsam mit Weggefährten wie Wolfgang Niedecken, Sven Regener, Blixa Bargeld, aber auch überraschenden Duettpartnern wie Wolf Biermann, Bettina Wegner oder Vicky Leandros durch ein halbes Jahrhundert deutscher Musikgeschichte reisen. Viele der neuen Lieder handeln vom richtigen Zeitpunkt aufzuhören, vom Sterben, von der Polarisierung der Gegenwart – aber auch vom großen Glück ewiger Freundschaften und des Vaterseins. Während der zweijährigen Dreharbeiten zur neuen Doku „Das letzte Album“ (abrufbar in der ARD-Mediathek) wurde Campino zum zweiten Mal Vater, worüber die Band auch im Film spricht. Es sind Momente, über die der Sänger sonst kaum öffentlich redet.Ab dem 7. Juni gehen die Toten Hosen auf ihre bislang größte Open-Air-Tournee, die bis ins nächste Jahr dauert. Mehr als eine Million Tickets wurden bereits verkauft, sämtliche Konzerte in diesem Jahr sind ausverkauft. Vielleicht erklärt das auch die eigentümliche Stimmung dieses Nachmittags: dass hier einer der letzten großen deutschen Rockstars sitzt, der gleichzeitig Abschied nimmt und noch einmal alles erleben will.Lesen Sie auchWELT: Campino, vor drei Jahren haben Sie Mick Jagger in WELT AM SONNTAG zum 80. Geburtstag gratuliert. Sie schrieben, Sie seien fasziniert, dass der Rolling-Stones-Frontmann es im hohen Alter noch schafft, relevant zu sein. Sie bewunderten Jaggers Neugier, Lebenszufriedenheit sowie seinen Spaß an der Selbstironie – und wünschten sich, dass es noch lange, lange so weitergehen möge …Lesen Sie auchCampino: (lacht) Ja, ich erinnere mich.WELT: Jagger wird bald 83, im Juli bringen die Stones ein neues Studioalbum heraus. Sie sind erst 63, aber das neue Studioalbum der Toten Hosen soll jetzt das letzte sein. Warum wollen Sie aufhören? Campino: Ich glaube, das Rolling-Stones-Beispiel lässt sich leider nicht auf uns übertragen. Die Stones sind jenseits von Gut und Böse, sie beeindrucken uns alle mit ihrem unfassbaren Lauf. Uns ging es um die Frage, wann der beste Moment wäre, sich zu verabschieden. Wir haben ja schon vor 40 Jahren in unserem Song „Wort zum Sonntag“ verkündet: „Das Ende setzen wir uns selbst.“ Das war auch ein Versprechen untereinander, uns selbst Bescheid zu geben: „Wir wollen die Ersten sein, die merken, wenn es nicht mehr ganz so toll läuft. Wir möchten nicht, dass uns andere sagen: Bleibt mal besser zu Hause.“ Meine Grundeinstellung ist: Lieber etwas zu früh aufhören als zu spät. Unser letztes Studioalbum liegt jetzt neun Jahre zurück. Wenn wir in solchen Zeitabständen weitermachten, wäre ich Ü-70, wenn ich unser nächstes Album mit Ihnen besprechen würde. Das kann ich mir nicht mehr vorstellen. WELT: Nun ist Jagger mit fast 83 ja nicht der einzige aktive Best-Ager, Paul McCartney, bald 84, veröffentlicht auch ein neues Album, tritt nach wie vor in den größten Stadien auf, Ringo Starr, 85, nimmt ebenfalls neue Alben auf und geht auf Tournee …Campino: Es gibt kein allgemeingültiges Rezept dafür, wann der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist. Ich könnte Ihnen jetzt auch viele Künstler nennen, die im höheren Alter beeindruckend sind. Künstler, die sagen: „Musik ist meine DNA, ich höre erst auf damit, wenn ich in die Kiste gehe.“ Lemmy von Motörhead hat es so gemacht, viele Maler, Schauspieler und Schriftsteller sowieso haben in ihrer Spätphase Bedeutendes geschaffen. Ich frage mich nur: Muss man sich so sehr daran klammern, nur weil es gut läuft? Wobei ich den von Ihnen genannten Musikern jetzt keineswegs unterstellen würde, dass dies ihr Antrieb ist. Es gibt ja viele Kollegen, die in ihrer Kunst aufgehen, obwohl sie kaum wahrgenommen werden – und es trotzdem bis zum Ende machen, weil es einfach in ihnen arbeitet. WELT: Offen gestanden habe ich noch nicht ganz verstanden, warum Sie aufhören wollen: Wer die Toten Hosen zuletzt auf Konzerten erlebt hat, jetzt Ihr neues Album und das dazugehörige Bonus-Album hört, bekommt jedenfalls nicht den Eindruck, dass bei Ihnen die Luft raus, die Leidenschaft verloren sei. Campino: Ganz im Gegenteil. Die Leidenschaft ist nach wie vor da. Und die Verkündung des letzten Albums löst in uns selbst überhaupt keine Freude aus. Wir sind auch traurig. Ein bisschen. Aber diese Traurigkeit wird überstrahlt von dem Gefühl, dass dieser Schritt richtig ist. WELT: In der ARD-Doku zu Ihrem letzten Album weinen Sie, als Sie über das Aufhören reden – und wir erfahren auch, dass Sie mit Ü-60 noch mal Vater geworden sind. Wir sehen Sie, wie Sie im Studio mit Ihrem erwachsenen Sohn Lenn und den anderen Hosen-Musikern den Refrain zu einem neuen Song, „Teddy“, singen, der Ihrem neugeborenen Kind gewidmet, aber jetzt nicht auf dem fertigen Album zu hören ist. Was bedeutet diese späte Vaterschaft für Sie – ist sie mit ein Grund, mit der Studioarbeit aufzuhören?Campino: Ich freue mich unglaublich über meine neue Vaterschaft. Hier hat mir der liebe Gott auf schönste Art und Weise gezeigt, dass man nichts im Leben planen kann. Aber die Entscheidung, ein letztes Album aufzunehmen, hat nichts damit zu tun und wurde viel früher gefällt. Nur mein Leben als Rentner kann ich jetzt vergessen. Das „Teddy“-Lied, von dem Sie sprechen, ist als Spaß entstanden und hat uns auch eine Weile viel Vergnügen bereitet, aber für das Album hat es letztlich nicht gereicht.WELT: Ihre Band-Freunde sagen in der Doku, dass diese Entscheidung, aufzuhören, von Ihnen ausging, sie diese aber respektieren. War das letztlich eine kollektive oder Ihre Entscheidung? Campino: Die Diskussion mag von mir angeschoben worden sein, aber ich hatte den Eindruck, dass ein Konsens bestand. Vielleicht nicht über den genauen Zeitpunkt, aber dass wir diesen Schritt in nächster Zukunft gehen würden, hat niemand angezweifelt. Sowas wird ja nicht in einem Gespräch an einem Nachmittag entschieden, das ist ein längerer Prozess. Im Übrigen: Falls wir nicht selbst draufgekommen wären – Ihr Journalisten fragt uns das im Grunde ja schon seit 40 Jahren, wie lange wir das noch machen wollen (lacht). Man selbst kann sich das, in die Zukunft blickend, kaum vorstellen. Und dann feiert man auf einmal den 25., dann den 30. und den 40. Band-Geburtstag. Für alles, was wir tun, zahlen wir einen Preis. Und wenn wir mit den Toten Hosen aufhören, zahlen wir auch dafür einen Preis. Aber man bekommt ja auch etwas zurück. Die Zeit mit den Toten Hosen war und ist super intensiv. Wenn wir uns also nicht mehr so häufig sehen, würde das jedem von uns Raum geben für andere Aktionen. Ob man jetzt Freundschaften wieder stärker pflegen oder andere Projekte angehen möchte, was auch immer. Du musst im Leben auch lernen, loszulassen. WELT: Im Hosen-Song „Freunde“ sangen Sie vor 21 Jahren „wir sagen uns immer wieder, dass das Beste vor uns liegt“. Das würde von heute aus betrachtet bedeuten, dass das Beste hinter Ihnen läge.Campino: Ja klar.WELT: Aber nochmal: Woran genau machen Sie es fest, dass die Geschichte der Toten Hosen auserzählt ist? Campino: Da kommen viele Dinge zusammen. Zum einen hat es damit zu tun, dass die Zeit, Alben so aufzunehmen, wie wir es lieben, vorbei ist. Mit einer Dramaturgie, einer bestimmten Abfolge von Songs, die für uns wichtig ist, weil wir uns etwas dabei gedacht haben. Dieses Hörverhalten, bei dem Leute in die Klangwelt eines Albums eintauchen, gibt es heute nicht mehr. Die Leute streamen einzelne Songs. Kommt ein neues Album heraus, wird drei, vier, fünf Sekunden in einen Song reingehört. Wenn er als scheiße oder langweilig empfunden wird, skippt man weiter. Musik wird heutzutage völlig anders konsumiert als zu unseren Anfangszeiten. Ich will jetzt nicht rumjammern, ich akzeptiere das. Aber Musiker wie wir, die Freude haben, ein Album als Gesamtwerk zu entwickeln, mit einem besonderen Cover, wir sind eine aussterbende Art. Das neue Album sowie die dazugehörige Bonus-Scheibe haben wir vor allem für uns selbst gemacht. Als wir 1982 anfingen, hatte Musik noch eine andere Wichtigkeit, sie sprang uns an, brachte uns dazu, sich wegen der Musik zu prügeln: Punks, Teddyboys und Mods. Diese Zeiten lassen sich nicht mehr zurückbringen. WELT: „Früher, hör auf mit früher“, sangen Sie in „Wort zum Sonntag“.Campino: Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass heute so viel Musik gehört wird wie nie zuvor. Aber eben auch in einer Beliebigkeit wie nie zuvor. Und deshalb fällt es mir nicht so schwer, jetzt zu sagen: „Was soll’s!“ Einfach mal einen Song online veröffentlichen, wenn mir gerade einer einfallen sollte, das kann ich auch. Aber ein ganzes Album als lange Geschichte zu erzählen – das ist vorbei. Lesen Sie auchWELT: Das klingt so, als hätten Sie wie Ihr Freund Jürgen Klopp, der 2024 als Trainer beim FC Liverpool aufhörte, weil ihm die Energie fehlte, später als Head of Global Soccer zu Red Bull ging, mit einem Kapitel abgeschlossen. Haben Sie sich mit ihm darüber ausgetauscht? Campino: Ja, Jürgen macht jetzt eben etwas anderes. Ich habe seinen Abschied in Liverpool genau beobachtet, auch deshalb, weil ich mich seit Längerem damit befasse, was einen guten Moment ausmacht, um Dinge zu einem Abschluss zu bringen. Sein Abschied in Liverpool spielte da zufällig mit rein. Ich habe mit Jürgen viele Gespräche darüber geführt, wie man einen solchen Moment erkennt – und wie man das dann kommuniziert. Als wir vor einiger Zeit unser letztes Studioalbum ankündigten, war das für uns auch ein Versuch, nochmal Kräfte und Motivation aus diesem Entschluss heraus freizusetzen. So nach dem Motto: „Wir reiten noch einmal in den Saloon und schießen ein letztes Mal um uns. Und das war’s dann.“ Wir wollten eine Dringlichkeit für uns herstellen. Welches Thema hatten wir bisher nicht angesprochen, was war uns noch ein Bedürfnis? WELT: Nun wären Sie nicht die erste Band, die später einen Rückzug vom Rückzug verkünden würde. Campino: Diesen Rückzieher wollten wir uns bewusst verbauen, indem wir das offen verkündeten. Damit man es sich später eben nicht anders überlegt und sagt: „Nee, nee, wir machen doch weiter.“ Nachdem wir das publik gemacht hatten, war uns schon mulmig zumute. Ich habe mich so gefühlt wie an dem Tag, als ich aus der Kirche ausgetreten war. Damals dachte ich: „Jetzt stößt mir gleich etwas zu, weil ich von meinem Weg abgekommen bin.“ Unser neuer Song „Was früher einmal war“ ist jetzt ja die direkte Spiegelung vom „Wort zum Sonntag“. Wir singen dieses frühe Lied mit der Zeile „Ich bin noch keine 60, ich bin noch nicht nah dran“, also aus der Sicht der Ü-60-Jährigen. WELT: Vor drei Jahren hatten Sie die Zeile ja bereits augenzwinkernd von 60 auf 70 umgeändert. Campino: Wie auch immer: Wir haben ein aus jungen Jahren betrachtet unfassbares Alter erreicht, das wir uns alle nicht vorstellen konnten. Ein anderer neuer Song, „Nur nach vorn“, ist für mich deshalb wichtig, weil die Toten Hosen immer Lebensfreude ausgestrahlt haben. So würde ich gerne in Erinnerung bleiben, dass wir die Leute gut gelaunt nach Hause geschickt haben, nachdem sie bei unseren Shows waren. Ich will Zuversicht vermitteln und nicht als jemand abtreten, der in Sack und Asche geht. Am Ende haben wir in unseren Songs immer eine positive Bilanz gezogen: Freut euch auf morgen, selbst in schweren Zeiten – es wird schon irgendwie weitergehen. WELT: In dem neuen Song „Lass mal nicht machen“ finden Sie zum Endspurt auf dem letzten Album noch mal unverkrampft-souverän zu einem Humor zurück, den man früher politisch unkorrekt nannte. So wie Sie ihn mal in Songs wie „auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein“ ausdrückten. Diesmal sinnieren Sie darüber, „am Weltfrauentag einen Rammstein-Pullover“ zu tragen. Ist das ein Versuch der Rückeroberung satirischer Souveränität in Zeiten von Cancel Culture und Kulturkampf? Campino: Auf jeden Fall. Ich bin dafür bereit. (lacht). Es geht darin um Peinlichkeiten, um Dinge, die man vielleicht gerne tun möchte, sich aber doch nicht traut. Wir veräppeln uns in dem Lied aber auch selbst, wenn ich davon singe, wie ich mit König Charles im Schloss Bellevue diniere.WELT: Was dann in die Rubrik Realsatire fällt, denn das haben Sie 2023 beim Deutschlandbesuch von König Charles ja tatsächlich gemacht, als Sie ihm im Frack gegenüberstanden …Campino: … und mich deshalb in einem immensen Shitstorm wiederfand. Das geht auch in Ordnung. Mir ist das egal. Ich würde König Charles jederzeit wieder treffen wollen. Mir war das persönlich sehr wichtig, ich bin halb Engländer, halb Deutscher, besitze seit 2019 auch die britische Staatsbürgerschaft. Ich habe das auch in Erinnerung an meine verstorbene, englische Mutter gemacht, die 1947 nach Deutschland gekommen war. Dieses Treffen mit König Charles hatte also gar nichts mit den Toten Hosen zu tun. Ich fand Charles schon immer okay, auch als er noch Prinz war, weil ich seine Reden zu gesellschaftlichen Themen oft verfolgt hatte. Beim Staatsbankett im Bellevue hielt er auch eine großartige Rede, sprach über deutsch-britische Freundschaft und Versöhnung, Erinnerungskultur sowie den Krieg in der Ukraine, und zwar zur Hälfte auf Deutsch – für ihn gar kein Problem. Und seine Reden, die er zuletzt bei seinem Besuch der USA zuerst vor dem Kongress und später beim Dinner vor Donald Trump hielt, als er über die Bedeutung von Demokratie und Gewaltenteilung sprach, vor Isolationismus und Nationalismus warnte – die waren meisterhaft. Das war politisch brisant, aber er hat da gewissermaßen mit dem Florett gefochten, und zwar so brillant, dass er damit all die Zweifler, die ständig nörgeln, wozu ein britischer König gut sein soll, eines Besseren belehrten. Er hat auf diese Weise gezeigt, warum die britische Monarchie als Vertretung ihres Landes durchaus wichtig sein kann. Das hat mich mit Freude erfüllt. WELT: Was hatten der deutsche Punkrock-Star und der britische Monarch sich zu sagen, als Sie einander im Schloss Bellevue vor drei Jahren vorgestellt wurden? Campino: Man steht erstmal in einer langen Schlange mit anderen Menschen, wird dann aufgerufen, dann heißt es: „This is Campino, musician“ – dann machst du eine Verbeugung. In diesem Moment ist kein großes Gespräch möglich, da sagt man einfach nur „Hallo“. Nachdem der offizielle Part zu Ende war, gab es jedoch noch ein nettes Beisammensein mit dem König. Und das war letztlich nicht anders als im „Uerige“, freitagsabends, wenn dort alle miteinander rumstehen. WELT: Die traditionelle Hausbrauerei in der Düsseldorfer Altstadt.Campino: Ja. Im Bellevue wurden Aperitifs gereicht, es war eine lockere Atmosphäre. Und der König stand dort, wie alle anderen auch. Ich fand mich dann in einem Kreis von Leuten wieder, die ihn tatsächlich persönlich kannten. Er stellte sich dann irgendwann dazu. Aber ich habe nicht groß mit ihm geredet, denn ich wollte mich nicht aufdrängen. Dazu hat mir dann doch der Mut gefehlt. Aber es war ein schöner Moment. Als die Queen 2015 Deutschland besuchte, hatte man mich ebenfalls zu einem Empfang eingeladen, den ich damals leider aus persönlichen Gründen nicht annehmen konnte. Und das, obwohl ich mir ein Leben lang immer gesagt hatte: „Sollte Dich die Queen je zum Tee einladen, dann gehst Du auf jeden Fall dorthin.“ Insofern hatte ich mich über die Einladung zum Staatsbankett mit King Charles sehr gefreut. In beiden Fällen wurden sie übrigens von der britischen Botschaft ausgesprochen – ich war also nicht etwa von der deutschen Seite, also von Steinmeier, eingeladen worden. WELT: Noch mal zurück zu Humor und Satire in Zeiten überhitzter Debatten: König Charles haben Sie tatsächlich getroffen, aber keinen Rammstein-Pullover zum Weltfrauentag getragen, wie Sie singen. Wie sieht es mit den anderen in dem Lied besungenen Optionen aus – ins Dschungelcamp gehen oder mit den Toten Hosen in der Sendung „Sing meinen Song“? Campino: Also, ich bitte Sie, das wäre ja wohl hoffentlich unvorstellbarer, als dass ich König Charles treffe (lacht). Mir fällt da immer sofort Johnny Rotten ein, der ja in Großbritannien tatsächlich in die Show „I’m a celebrity – get me out of here“ ging. Als ich davon hörte, musste ich schon tief durchatmen. Und dass ich in dem Lied „Sing meinen Song“ erwähne, sollte man nicht so verstehen, dass wir uns lustig machen über diejenigen, die in diese Sendung gehen. Ich will da keine Kriegserklärung abgeben. Nur, wir als Ü-60er, wir gehören da wirklich nicht hin. Ich kann mir die Toten Hosen in so einer Sendung nicht vorstellen, ebenso wenig wie im Dschungelcamp, diesem vermeintlichen VIP-Happening. Wenn du sonst nichts mehr vorzuweisen hast, musst du halt in solche Sendungen gehen – aber das wäre dann wirklich das Ende. Würden wir je so tief sinken? Besser nicht machen. WELT: Neben Songs, die zurückblicken, über das Älterwerden und Aufhören sinnieren, von sterbenden Freunden erzählen und Kindern, die erwachsen werden, gibt es drei Lieder, die im weitesten Sinne politische Themen ansprechen, allerdings ohne sich an Parteien oder Namen abzuarbeiten. Sie handeln von der Ohnmacht angesichts einer sich ständig zuspitzenden Polarisierung, in der andere Meinungen per se nicht mehr akzeptiert zu werden scheinen. Campino: Ja, in einem Song wie „Was ist mit uns los?“WELT: Vollziehen Sie in einem Jahr, da die AfD bei Landtagswahlen in Umfragen erstmals an der CDU vorbeiziehen könnte, einen ähnlichen Drahtseilakt wie Bruce Springsteen, der als Trump-Kritiker auf seiner USA-Tournee derzeit versucht, bei all seiner Kritik am Präsidenten, die Amerikaner aus den verfeindeten Lagern in seinen Konzerten zusammenzubringen? Campino: Ich habe in dem Lied versucht, die derzeit vorherrschende gesellschaftliche Stimmung zu erfassen. Ich wollte der Versuchung widerstehen, zwischen „uns“ und den „anderen“ zu unterscheiden, nicht irgendjemanden anklagen. Deshalb stelle ich die Frage, was mit „uns“ los ist, mit uns als Gemeinschaft, mit unserer Gesellschaft. Das Thema wird auf diese Weise geweitet. Es beginnt zwar am Anfang mit der Zeile „Du sagst, du willst dein Land zurück“, mit dieser Sprücheklopferei vom Sichfremdfühlen im eigenen Land. Aber dann geht es ja um was anderes, um dieses Phänomen, dass Menschen auf Social Media und im Internet zunehmend in Echokammern leben, und dort dann nur noch Sachen lesen, die ihre vorgefertigten Meinungen bestätigen, sodass sie am Ende gar nicht mehr herausfinden wollen, wie die Faktenlage ist. Erschwerend kommt jetzt noch parallel die Perfektion der Illusion durch KI hinzu. Nicht nur, dass die Menschen am liebsten nur noch das lesen und hören wollen, was ihre Meinung bestätigt – jetzt gibt es noch die Möglichkeit, sich eigene Geschichten in Clips oder was auch immer zusammenzubauen, die kaum noch von der Realität zu unterscheiden sind. Und wir als Gesellschaft müssen jetzt schnell und hart lernen, wie wir überhaupt damit umgehen, weil uns das sonst um die Ohren fliegt. Insofern finde ich es ganz gut, dass jetzt hoffentlich bald weltweit der Versuch unternommen wird, Jugendlichen unter 16 den Zugang zu Social Media zu verwehren. Solange das einheitlich liefe, hätten Jugendliche selbst damit, glaube ich, kein Problem. Es sind wohl eher deren Eltern, die sich einem Verbot von Social Media in den Weg stellen. Man sollte versuchen, Jugendliche vor der Radikalisierung durch Algorithmen zu schützen. Letztlich muss jeder für sich selbst definieren, wann es zu viel wird, und sich aus Social Media rausziehen. Wir erleben auf Social Media und jetzt durch KI ein Gefühl der Ohnmacht, das drückt dir oft die Luft aus den Lungen. Wir können diese Entwicklungen nicht stoppen. Ich finde es nur legitim zu sagen, das ist nicht mehr meins. Vielleicht braucht es in dem Bereich die eine oder andere Katastrophe, etwas, das uns zur Besinnung bringt, damit jedem klar wird: Auf diese Weise kann es nicht weitergehen. Lesen Sie auchWELT: 1992 antworteten Sie auf Fremdenhass in Deutschland, der zu Morden, Anschlägen und brennenden Asylbewerberheimen führte, mit dem Lied „Sascha – ein aufrechter Deutscher“. Das würde heute nicht mehr funktionieren. Mit einem Lied vor Wahlsiegen der AfD zu warnen, wäre unterkomplex, oder?Campino: Man würde nur Plattitüden wiederholen. Du musst bei dem Thema Rechtspopulismus immer einen anderen Ansatz finden, es neu beleuchten. Nur weil das vielleicht irgendjemand von uns erwartet, einen Song gegen Rechtsextreme zu schreiben, können wir das nicht einfach so liefern. Damit bewegst du gar nichts mehr. Da muss man sich schon etwas anderes einfallen lassen. WELT: Auf dem Bonus-Album „Alles muss raus!“ singen Sie mit Wolfgang Niedecken den BAP-Klassiker „Kristallnaach“ – erstmals auf Hochdeutsch. Das Lied wirkt dadurch drängender, direkter. War das Ihre Idee? Campino: Ja, ich habe Wolfgang gefragt, ob wir es auf Hochdeutsch singen könnten, weil ich mit Kölsch nicht gut klargekommen wäre. Er sagte sofort: Ja, natürlich, mache ich. Es wirkt auf mich in dieser Fassung jetzt so, als hätten wir das Lied noch mal nachgeschärft. Der Song gehört, wie ich finde, zu den großen Höhepunkten im Werk von BAP, es ist leider immer noch hochaktuell. Auf diesem Bonus-Album haben wir ja 25 Lieder von und mit anderen Musikern eingespielt, die uns inspiriert haben, die wir bewundern. Wer sich die Auswahl dieser Lieder genau anschaut, wird merken, dass sie mehr über die Toten Hosen erzählen als das neue Album mit unseren eigenen Liedern. Diese Lieder aufzunehmen, das war auch ein Geschenk, das wir uns selbst gemacht haben. WELT: Sie haben sowas zwar schon öfter gemacht, auf zwei „Learning English“-Alben, die Sie 1991 und 2017 vor allem mit Punk-Ikonen wie Joey Ramone, Johnny Thunders und anderen eingespielt hatten. 2017 kam die Bonus-LP „Die Geister, die wir riefen“ hinzu, auf der Sie Songs von den Ärzten, Kraftwerk, Ton Steine Scherben oder Hannes Wader coverten. Wader ist diesmal als Duett-Partner dabei, ebenso wie Liedermacher-Ikonen Bettina Wegner und Wolf Biermann. Alles Musiker, die gerade von Punks früher als Zausel, Hippies oder Sozialkundelehrer gescholten wurden. Wie kam es zu dieser späten Annäherung?Campino: Wir hatten uns ganz naiv gefragt, mit wem wir noch einmal arbeiten wollten, wer bisher durch unseren Rost gefallen war – und zwar ohne diesmal aufs musikalische Genre zu achten. Hannes Wader 2013 kennenzulernen und sich in sein Werk zu vertiefen, war damals eine Sternstunde. Deshalb wollten wir ihn auch unbedingt nochmal dabeihaben. Und die Begegnung mit Wolf Biermann hat uns alle beeindruckt. An ihm konnte man vielleicht den ersten Riss im System der DDR ausmachen. Dass da jemand aufmüpfig wurde und das Regime entschied, ihm nach seinem Auftritt in Köln die Rückkehr in die DDR zu verbieten. Daraufhin bekundeten viele Künstler in der DDR in einem Brief ihre Solidarität mit ihm. Dann wurde auch in der Bundesrepublik versucht, ihn zu vereinnahmen – er blieb aber hier ebenso kritisch und unbequem. Er ist ein ewig streitbarer Geist. In diesem Jahr wird er 90, er ist immer noch topfit und auf der Höhe der Zeit. Unfassbar. Lesen Sie auchWELT: Was hat Biermann denn dazu gesagt, dass er jetzt auf Ihrem letzten Album mitsingt?Campino: Das Thema haben wir mit ihm nicht besprochen. Er ist ein Füllhorn von Geschichten. Ich empfinde es als große Ehre, ihn getroffen, mit ihm gesungen zu haben. Wobei es nicht leicht war, seinen Song „Ermutigung“ mit ihm einzuspielen.WELT: Warum nicht?Campino: Weil er als Einzelgänger eigentlich Lyriker ist. Er schreibt Gedichte, die er mit seinem Instrument untermalt. Er hat sein völlig eigenes Zeitgefühl in den Liedern. Wenn du aber mit einer Band spielst, gibt die einen Takt vor, an den sich dann alle halten müssen. Es war nicht einfach, diese Welten zusammenzubringen. Aber sein Song „Ermutigung“, diese Zeile „Du, lass dich nicht verhärten“ – das ist gerade in der heutigen Zeit mit all unseren polarisierten Debatten wieder auf beängstigende Weise aktuell. Und diese Zeile mit ihm gemeinsam zu singen, den Song mit ihm zu spielen, seine Geschichten von ihm dazu zu hören, das war ein großer Moment für uns alle. Mit Bettina Wegner ging es uns genauso. Als Andi, unser Bassist, und ich 18 waren, haben wir als Roadies gearbeitet und bei ihrem Konzert in der Düsseldorfer Uni, das unser späterer Manager Jochen Hülder organisiert hatte, Stühle aufgestellt. Nachdem wir fertig waren und sie mit dem Konzert anfing, sagten wir uns: Komm, wir gehen was essen. Wir dachten, das sei eh nur Hippie-Zeug. Wir hatten es nicht begriffen. WELT: Hatten Sie ihr jetzt davon erzählt? Campino: Ja, sie hat darüber gelacht. Ich hatte zuletzt in einer Mediathek die Dokumentation „Bettina“ über ihr Leben gesehen. Ich habe mich so geschämt, dass ich mir damals nicht die Mühe gemacht hatte, mehr über ihre Songs und die Hintergründe zu erfahren, sie zu verstehen. Auch sie ist eine Einzelkämpferin, eine unglaubliche Frau, die großartige Songs geschrieben hat – und die wegen ihrer Proteste in der DDR ins Gefängnis kam. Wir hatten sie in Berlin besucht, wo sie mit ihren sieben Katzen lebt. Zur Begrüßung sagte sie: „Campino, eins muss ich dir vorweg sagen: Meine Lieblingspunkband seid ihr nicht.“ WELT: Wer ist ihre Lieblingspunkband?Campino: Die Angelic Upstarts aus England. Die hatten 1984 das Lied „Solidarity“ rausgehauen, um die polnischen Arbeiter in der Solidarność-Bewegung zu würdigen. Als sie das sagte, habe ich mich sofort in Bettina Wegner verliebt. Ist ja klar. WELT: Die größte Überraschung auf der Bonus-LP ist Ihr Duett mit Vicky Leandros, mit der Sie und die Hosen ihren Hit „Ich liebe das Leben“ eingespielt haben. 1987 hatten Sie auf dem Album „Never mind the Hosen – here’s the Roten Rosen“ Schlager von Freddy Quinn oder Caterina Valente verballhornt. Leandros und ihr Song dagegen werden von Ihnen jetzt ebenso liebevoll wie ernsthaft mit Verve gewürdigt. Ist das Altersmilde?Campino: „Ich liebe das Leben“ ist eines dieser Lieder jenseits von Gut und Böse. In derselben Klasse wie „Griechischer Wein“. Beide Songs habe ich früher gehasst, auch weil ich nicht kapiert hatte, worum es ging. Erst viel später begriff ich, was das für ein großartiges Lied über Sehnsucht und Integration „Griechischer Wein“ ist – in dem Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, ihre Wurzeln, ihre Heimat vermissen. Und „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros ist mit den Jahren über sich selbst hinausgewachsen. Jede und jeder kennt noch heute dieses Lied, es wird in Gay-Communities und auf Pride-Days gespielt, in coolen Clubs in Berlin oder in stumpfen Rock-Schuppen. Alle werden von diesem Song getriggert, er wird überall abgefeiert. Lesen Sie auchWELT: Wie hat Vicky Leandros auf Ihre erste Anfrage, mit Ihnen zu singen, reagiert? Campino: Ich war ganz unsicher, als ich sie anrief, wusste gar nicht, wie ich sie überhaupt ansprechen sollte. Ich habe das dann ganz klassisch gemacht: „Guten Tag, Frau Leandros, hier ist der Campino von den Toten Hosen. Wir lieben Ihr Stück so sehr.“ „Ach, der Campino. Die Toten Hosen mochte ich schon immer. Worum geht’s?“, antwortete sie. So kamen wir ins Gespräch. Sie war viel lockerer als ich. Sie hat uns dann hier in unserem Headquarter in Düsseldorf besucht, hat jedem in unserem Team erstmal „Guten Tag“ gesagt, dann gingen wir rüber in den Probenraum und nahmen den Song mit ihr auf. Unvergesslich.WELT: Wird denn die auf das letzte Studioalbum folgende große Tournee in diesem und im nächsten Jahr auch Ihre letzte sein? Campino: Über das Ende unserer Live-Aktivitäten haben wir noch nicht abschließend nachgedacht. Es gibt diesen Traum, noch einmal unplugged unterwegs zu sein. Das war 2020 mit den „Ohne Strom“-Konzerten ja bereits alles geplant. Dann kam die Corona-Zeit und die Tournee wurde ersatzlos gestrichen. Das schmerzt uns noch heute. Wir denken immer noch daran, das irgendwann nachzuholen. Ob das noch stattfindet, muss man sehen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir noch viele Touren spielen. Aber davon mal abgesehen, können sich die Toten Hosen gar nicht auflösen. Wir haben alle diese Verabredung, dass wir irgendwann gemeinsam auf dem Düsseldorfer Südfriedhof liegen.WELT: In dem Gemeinschaftsgrab, das Sie schon vor Langem für die Mitglieder der Toten Hosen und den engen Kreis der Band reserviert haben.Campino: Ja, drei aus der Hosen-Familie liegen ja schon dort. Was ich damit sagen will: Wir müssen unsere Freundschaft nicht öffentlich auf einer Bühne zelebrieren. Wir brauchen nicht die Musik, um uns zu vergewissern, dass wir für immer Freunde sind. WELT: Wenn am 10. Juli 2027 das letzte Konzert der aktuellen Tournee der Toten Hosen in Düsseldorf endet – was machen Sie dann als Nächstes? Neue Filme drehen, wieder Theater spielen, Bücher schreiben? Campino: Ich habe noch gar keine Pläne für diese Zeit. Wenn ich nach diesem Konzert nach Hause komme und es erstmal keine weiteren Toten-Hosen-Termine gibt, wird das nicht unbedingt ein schöner Moment sein. Aber das macht mich nicht nervös. In meinem Leben war es immer so, dass die guten Dinge, wie der Film mit Wim Wenders oder der Auftritt in der „Dreigroschenoper“ in der Inszenierung von Klaus Maria Brandauer, auf mich zugekommen sind. Wenn ich dagegen selbst versuchte, etwas zu erreichen, einer Idee nachzujagen, ist das immer schiefgegangen. Ich bin zuversichtlich, dass etwas auf mich zukommt. Auch da gilt: Es wird schon irgendwie weitergehen.WELT: Bevor nun Ihr letztes Studioalbum erscheint, mussten Sie den Abstieg Ihres Vereins Fortuna Düsseldorf in die dritte Liga mitansehen. Sie sind mit dem Verein seit Jahrzehnten eng verbunden, und haben ihn oft unterstützt. „Ein ganzer Club liegt am Boden“, schrieb jetzt die „Rheinische Post“. Sie selbst sind diesbezüglich ja Kummer gewohnt. Wie haben Sie das Spiel gegen Greuther Fürth erlebt, und haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie Sie beim Projekt Wiederaufstieg helfen könnten?Campino: Ich habe das Spiel am Fernsehgerät verfolgt, und ich muss zugeben, es hat mich geschockt. In den vergangenen Wochen hat die Fortuna großartig gekämpft, und dass sie ausgerechnet am letzten Spieltag zusammenbricht, ist kaum zu fassen. Wahrscheinlich hat das frühe Führungstor von Fürth in der zweiten Minute für einen mentalen Blackout bei den Fortuna-Spielern gesorgt. Anscheinend wurde der ganze Matchplan über Bord geworfen, und niemand machte mehr das, was er eigentlich tun sollte. Es ist ein Drama für den Verein, aber auch für uns als Stadt. Aber wir sind schon mal an diesem Tiefpunkt gewesen und werden da auch dieses Mal wieder rauskommen.Zur Person:Andreas Frege, bekannt als Campino, wurde am 22. Juni 1962 in Düsseldorf als Sohn eines deutschen Richters und einer aus England stammenden Lehrerin geboren. Nach dem Abitur gründete er 1982 die Punkband Die Toten Hosen, deren Sänger und Texter er bis heute ist. Mit Alben wie „Ein kleines bisschen Horrorschau“ (1988) und „Ballast der Republik“ (2012) zählt die Band zu den erfolgreichsten deutschen Rockgruppen. Campino spielte 2006 in Brechts „Dreigroschenoper“ den Mackie Messer in Berlin und war 2008 im Film „Palermo Shooting“ von Wim Wenders zu sehen. 2020 veröffentlichte er das Buch „Hope Street“. Aus einer früheren Beziehung mit der Schauspielerin Karina Krawczyk stammt ein Sohn; 2019 heiratete er in New York, 2025 wurde er erneut Vater.