Der Volksmund ist manchmal ein Lästermaul, zum Beispiel, wenn er behauptet: „Wer nix wird, wird Wirt.“ Das kann man, quasi als spezielle Variante des Kompliments unter guten Freunden, am Stammtisch den beisitzenden Gastronomen um die Ohren hauen. Abseits davon greift das Satzerl bekanntlich zu kurz. Denn gerade im Ländlichen fungiert das Wirtshaus als sozialer Dreh-, Angel- und manchmal Kipppunkt. Beim Dorfwirt trifft man sich nach der Taufe und nach der Beerdigung, bei Liebeskummer und bei Liebesglück, zum Erinnern und zum Vergessen, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen, Bande zu festigen oder nicht allein zu sein.Korrekter wäre daher vielleicht: Ohne Wirt wird nicht alles nix, aber manches.Es ist also verständlich, warum Bad Füssings Bürgermeister Tobias Kurz dieser Tage ein Video auf seinem Instagram-Account geteilt hat, in dem ein Wirt gesucht wird. „In der guten alten Zeit“, heißt es in dem Clip, sei im Gemeindeteil Aigen noch „in jedem Eck eine Wirtschaft“ gewesen. Jetzt aber habe „Oang“, wie Kurz und die Einheimischen zu ihrer Heimat sagen, „ein Problem“: Denn nach 30 Jahren hört die Wirtin des letzten Gasthauses auf – ohne, dass gleich eine Nachfolge in Sicht wäre. Dabei hätte ausweislich des Videos auch umgekehrt der Ort dem Wirt was zu bieten, da feiern die Feuerwehrler, die Biergläser klirren, die Quetschen spielt auf. „Ihr habt es gesehen“, sagt die Noch-Wirtin in die Kamera, „rührts euch.“Darauf hofft man auch andernorts in Bayern: Das Phänomen, dass in kleineren Kommunen dringend Wirte gesucht werden, zieht sich quer durchs Land. Momentan hat zum Beispiel der Markt Kirchzell (Landkreis Miltenberg) eine Pacht fürs örtliche Gasthaus ausgeschrieben. Und auf einem Online-Portal wird ein „Traditions-Wirtshaus in Nordheim“ (Landkreis Kitzingen) beworben, inklusive einer im Jahr 1755 errichteten Kapelle, „die sehr gerne in der Kombination für Hochzeiten genutzt wird“.InstagramDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Instagram angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Die größte Herausforderung ist freilich, dass von solchen Angeboten jemand außerhalb der bisweilen überschaubaren Ortschaften mitbekommt. In Geratskirchen im Rottal probierte man es deshalb vor ein paar Jahren ebenfalls mit einem Video; der Clip, in dem die Dorfgemeinschaft mit leeren Flaschen trübe von der Bierbank schaut, kommt bei Youtube auf knapp 50 000 Aufrufe und damit ungefähr 59-mal so viele, wie menschliche Augenpaare in Geratskirchen leben. Gut 50 Interessenten sollen sich laut Lokalzeitung damals auf das Gesuch gemeldet haben.So gesehen kann die Arbeit in einer Wirtschaft durchaus erfüllend sein, und damit ist nicht nur das Nachschenken gemeint. Also: Wer was werden will, wird vielleicht Wirt, vielleicht ja in „Oang“. Über Bewerbungen sagt die Noch-Wirtin im Video: „Es ist noch nicht zu spät.“
Werbeaktion via Instagram: Aigen sucht dringend einen neuen Wirt
Das Wirtshaus ist bekannt als der Dreh-, Angel- und manchmal Kipppunkt eines jeden Dorfs. Auch in Aigen, einem Gemeindeteil von Bad Füssing, soll das so bleiben.







