Theoretisch könnte es sich auch um einen letzten Gruß der iranischen Seestreitkräfte vor ihrem Untergang gehandelt haben: den Lincoln Memorial Reflecting Pool in Washington mit „Epic Fury“ in eine Peinlichkeit zu verwandeln. Praktisch aber hätte man sich auf iranischer Seite sagen können: Wenn jemand nicht mal seinen eigenen Pool im Garten so weit in Schuss halten kann, um darin Loriot-Badeenten zu befehligen, dann wird er selbst mit der mächtigsten Marine der Welt an der Straße von Hormus scheitern. So ist es.Insofern ist der Reflecting Pool, den sich der Architekt Henry Bacon in den 1920er-Jahren als spiegelähnliche Fläche inmitten der amerikanischen Hauptstadt ausdachte, mehr als 600 Meter lang und 50 Meter breit, spätestens jetzt genau das geworden: ein Spiegelbild. Nicht eines allerdings, in der sich die Pracht der monumentalen Architektur und des Himmels spiegelt, sondern vor allem die egozentrische Neigung Donald Trumps, die Welt in eine dysfunktionale Baustelle des Elends zu verwandeln. Die New York Times fragt aktuell: „Was stimmt eigentlich nicht mit dem Reflecting Pool?“ Das hört sich nach einem Fluch an.Da in vielen deutschen Gärten zum Sommerbeginn Platz geschaffen wird für den Aufblas-Pool aus dem Baumarkt, der zwischen Kugelgrill und Trampolin gequetscht wird, um fortan bei der Nachbarschaft mit Gekreische tagsüber und nachts mit Surren, Summen, Brummen, Blubbern und Gurgeln den sofortigen Ertaubungswunsch auszulösen: Genau das ist es auch – ein Fluch. Der Pool-Fluch.In Washington geht es, wie die NYT schreibt, seit mehr als einhundert Jahren um „unzureichende Wasseraufbereitung, undichte Zu- und Rücklaufleitungen“ ... und um das Becken als „Petrischale für Algen“. Sowie um „Gänsekacke“ und Laubabfall. Probleme, wohin man sieht: Wer kennt das nicht unter Pool-Freunden? Auf der Forum-Seite „Poolpowershop“ gibt es zum Beispiel den Hilferuf von Jenny412 („Wir bekommen unseren Pool einfach nicht sauber“), der umgehend fachmännisch beantwortet wird. Dabei fallen so schöne Worte wie Flockenkissen, Cyanursäurewert, Siloplane und Skimmersocke. Und Waldemar rät: „Die CYA sollte man aber auch nach einem SFA-Austausch im Auge behalten.“ Kann gut sein, dass Trump an dieser Stelle die Geduld verloren hat mit seinem Pool. Den er offenbar auch nicht in den Griff bekommt.Am Ende siegt die GänsekackeDass es beim Reflecting Pool in Washington nicht mehr um ein öffentliches Wahrzeichen geht, dessen ästhetische Bestimmung darin liegt, das Licht, den Himmel und die Konturen der umgebenden Architekturen im Wasser zu spiegeln als Ausdruck der Schaulust, zeigt sich schon an Trumps Faible, die Welt nach Maßgabe von Mar-a-Lago in Palm Beach zu formen. Beziehungsweise zu ruinieren. Der Präsident hat, wie immer ohne Ausschreibung und unter Umgebung aller Bau-Instanzen, einen ihm privat bekannten Bauunternehmer mit der „Sanierung“ des Reflecting Pools beauftragt.Daraufhin sind erstens die Baukosten von anderthalb Millionen Dollar auf mindestens 13 Millionen Dollar gestiegen. Zweitens hat das Wasserbecken, vor dem Martin Luther King 1963 seine „I Have a Dream“-Rede gehalten hat, einen neuen Anstrich bekommen: Das einzigartige Wahrzeichen von Washington erinnert nun, auch wenn die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind, rein farblich an den üblichen XXL-Pool eines XXL-Hotels in XXL-Dubai.Das ordinäre Blau, das verwendet wird für den neuen Beckengrund, nennt Trump „American Flag Blue“. Das Blau soll die grauen Steinflächen verdecken. Trump ist das Ganze zu farblos. Und das Wasser zu „dreckig“. Die Stiftung für Kulturlandschaften (TCLF) klagt dagegen. Kritiker finden, Trump schände das Wahrzeichen. Das übrigens immer noch leckt und dreckt. Der Präsident dagegen sagt, er habe schon Hunderte Schwimmbäder gebaut in seinem Leben. Die seien alle „schön“. Das denken viele Menschen, die ein Wasserbecken mit einem Plastik-Planschbad verwechseln und einen öffentlichen Ort mit privaten Vorlieben. Am Ende siegt aber die Gänsekacke.
Trumps Redesign des „Reflecting Pool“ in Washington: Plastikblaue Peinlichkeit
Teurer als gedacht, hässlicher als befürchtet – und dreckig: Trump macht aus dem Reflecting Pool am Lincoln Memorial ein Planschbecken wie aus dem Baumarkt.














