Der Regisseur Wim Wenders versucht, die Frage, ob er die Nacktszene mit der damals dreizehn Jahre alten Schauspielerin Nastassja Kinski aus seinem 1974 gedrehten Film „Falsche Bewegung“ herausschneiden soll, zu einer grundsätzlichen zu machen, die das „Filmerbe“ berühre, und sie an die Deutsche Filmakademie abzugeben. Damit mag er bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises am vergangenen Freitag manche im Saal überzeugt haben, wie man aus dem Beifall, den er bekam, schließen kann. Viele aber auch nicht. Den Anwalt von Nastassja Kinski schon gar nicht.„Er hat erneut keine Verantwortung übernommen“„Es war vermeintlich sehr geschickt, das Thema abzugeben, und es hatte ja auch seinen Effekt im Saal“, sagte der Anwalt Christian Schertz auf Anfrage der F.A.Z. „Tatsächlich hat er damit erneut keine Verantwortung übernommen. Nur er allein kann das Problem lösen. Er ist der Regisseur, es ist sein Film. Insofern hat das auch nichts mit Cancel Culture zu tun, was er ja andeutet.“In dem Film gibt es eine Nacktszene mit der damals dreizehn Jahre alten Nastassja Kinski. Von dieser Szene hatte sich Wenders schon vor einiger Zeit distanziert, zum ersten Mal in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Das würde ich heute nie mehr so machen“, hatte Wenders gesagt. Bei der Verleihung der Ehren-Lola wiederholte er seine Einlassung, zog sich aber darauf zurück, die Deutsche Filmakademie als Instanz zu berufen, um die Frage, ob er die Szene entfernen solle, zu diskutieren.Dass es hier um Moral und nicht ums Filmerbe geht, scheint Wenders nicht begreifen zu wollen. Seine Anwälte haben Nastassja Kinskis Bitte, die Szene zu streichen, immer wieder abschlägig beschieden. Die Deutsche Filmakademie hat auf Anfrage noch keine Reaktion auf Wenders’ Ansinnen parat. Der Akademie gehören rund 2400 Filmschaffende an. Es gibt ein Präsidium, einen Vorstand und eine Geschäftsführung, die sich erst einmal abstimmen müssen. Wenn diese zu einem Entschluss gekommen sind, werden wir berichten.Nastassja Kinskis Anwalt teilt mit, er werde an Wim Wenders, an den Filmverleih Kinowelt und an den WDR als Ko-Produzenten des Films herantreten, um bestätigen zu lassen, dass die Szene nicht mehr verwendet wird.