Das Städtchen Blomberg, 40 Kilometer östlich von Bielefeld, macht mit seinen knapp 16 200 Einwohnern überregional nicht allzu oft von sich reden. In der ohnehin ein wenig introvertiert anmutenden Region Ostwestfalen-Lippe, Kennern unter dem Kürzel OWL bekannt, gelten als relevante Sehenswürdigkeiten die mystische Felsformation Externsteine, das gewaltige Hermannsdenkmal und für Fans von Convenience-Food die Dr.-Oetker-Welt. Wer hätte gedacht, dass im kleinen Blomberg aktuell der beste Frauenhandball Deutschlands gespielt wird?Am Sonntag ist die HSG Blomberg-Lippe durch einen 30:26-Sieg gegen Borussia Dortmund im dritten und entscheidenden Bundesliga-Playoff-Finalspiel zum ersten Mal deutscher Meister geworden. Die meisten der 1300 Zuschauer in der ausverkauften Sporthalle an der Ulmenallee klatschten nach dem Triumph zwar begeistert, aber auch ungläubig, so als könnten sie ihr Glück kaum fassen.Vor einem Jahr hatten die schon lange konstant und effektiv arbeitenden Blombergerinnen die Finalserie noch verloren gegen einen Klub namens HB Ludwigsburg, der seinem internationalen Ensemble derart viel Gehalt bezahlt hat, dass er im Sommer 2025 plötzlich feststellte, dass er sich das gar nicht mehr leisten kann. Ludwigsburg zog sich vom Spielbetrieb zurück – und der Weg war frei für das gallische, pardon: das lippische Dorf Blomberg.„Ich habe die schweren Jahre nicht vergessen, als wir in der Kritik standen“, sagt Trainer Steffen BirknerDie HSG spielt seit 20 Jahren konstant in der Bundesliga. Seit acht Jahren ist ihr Trainer der Stralsunder Steffen Birkner, 46. Blomberg ist einer von 22 Bundesstützpunkten für den weiblichen Nachwuchs sowie Landesstützpunkt NRW. Es ist kein Zufall, dass in dieser Saison von den Trainerinnen, Trainern und Kapitäninnen aller Bundesligaklubs die Blombergerin Nieke Kühne, 21, zur „Spielerin der Saison“ gewählt wurde und ihre Teamkollegin Farrelle Njinkeu, 19, zum „Rookie der Saison“, also als beste Nachwuchsspielerin. Kühne entstammt der Blomberger Jugendarbeit. Im Dezember gewann sie mit der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft die Silbermedaille.Anfang 2023 warf ein Spiegel-Bericht einen Schatten auf die Blomberger Handball-Idylle. Ehemalige Spielerinnen bezichtigten den Trainer Birkner des „psychischen Terrors“. Der Spiegel zitierte Birkner damals mit den Worten: „Generell ist im Sport die Wortwahl sicher oft gröber als im normalen Leben.“Ab April 2023 ruhte für 17 Monate die Arbeit im Blomberger Landesleistungsstützpunkt. Der Klub initiierte einen Aufarbeitungsprozess mit einem „Präventions-, Interventions- und Schutz-Konzept“. Im September 2024 wurde der Landesleistungsstützpunkt reaktiviert. Von der Frauen-Bundesliga erhielt die HSG kürzlich zum wiederholten Male als höchste Auszeichnung das „Jugendzertifikat mit Stern für herausragende Jugendarbeit“. Mit dem Titelgewinn erstrahlt die Blomberger Handball-Idylle aufs Neue.„Ich habe die schweren Jahre nicht vergessen, als wir in der Kritik standen“, sagte Birkner am Sonntagabend in ein WDR-Mikrofon: „Aber wir haben weitergemacht und Dinge umgestellt und das ist jetzt der Erfolg von ganz Vielen über einen langen Zeitraum.“ Birkner freut sich darauf, dass in Blomberg nächste Saison Champions League gespielt wird. „Wir sind keine graue Maus“, betonte er, „wir haben uns die letzten Jahre stetig weiterentwickelt.“ In dieser Saison hat das Team alle 13 Bundesliga-Heimspiele gewonnen. Die Mannschaft wirkt harmonisch, im Meisterjubel sah man nur strahlende Gesichter. Der Bundestrainer Markus Gaugisch nannte Blombergs Triumph einen „Sieg des Herzens“.
Die Handballerinnen der HSG Blomberg-Lippe gewinnen erstmals die Meisterschaft
Der Klub aus Ostwestfalen hat schwere Zeiten hinter sich. Bundestrainer Markus Gaugisch nennt Blombergs Triumph einen „Sieg des Herzens“.







