Die Emissionen der Wanderer sind immens

Andererseits ist auch in Ehingen die Zeit nicht stehen geblieben. Im Gemeinderat hatte sich tatsächlich eine Debatte über die weniger erfreulichen Begleiterscheinungen des Kulturguts Bier erhoben, über die "Emissionen der Wanderer". Das war im vergangenen Jahr. Manche kämen über die "erste Silbe nicht hinaus", wenn das Bier die Flasche verlassen habe, monierte ein CDU-Gemeinderat, und die Initiative "Junges Ehingen" empörte sich über "saufende Männerhorden, die durch die Stadt streifen".

Es gab Zeiten, in denen der BUND das verstreute Leergut aufgesammelt hat, weil der "Spazbierweg" größtenteils über seinen Rundwanderweg führt. Alles auf eigene Kosten geschafft, kein Cent von der Stadt für das Anpflanzen von Schwarzpappeln, aber jetzt 27 Werbetafeln fürs Bier. Da haben sie schlucken müssen, die Pro-bono-Naturschützer.

Und jetzt – Ballermann an der Donau? Das ist schlecht fürs Image. Das müsse auf ein neues Level gehoben werden, befindet das Rathaus und macht sich daran, den alten Wegen neue Überschriften zu geben. Begrifflich wird aufgerüstet. Genuss und Gastlichkeit werden gefordert, ein Bierbrauer plädiert für "verantwortungsvolles Trinken", das Stadtmarketing sieht einen Erziehungsauftrag darin, den Kindern beizubringen, wie schön es sei, Gastgeber zu sein und zu erkennen, dass Bierkulturstadt und Gastgebersein zusammengehörten. Hilfreich sei hier, wenn man sie mit der Geschichte dieses Handwerks vertraut machen würde, auf dass sie die Jahrhunderte alte Kunst des Brauens weiterreichen könnten. Das wird unter dem Titel "Bildung" vermerkt. Und schon läuft's.