Ein altes Handwerk, fast ausgestorben – und Unesco-Weltkulturerbe: In Scheeßel praktiziert ein kleiner Kreis Frauen den Blaudruck.
Die Treppe ist so schmal, dass man instinktiv die Schultern zusammenzieht. Die Holzstufen knarzen. Matthias Loeber, 35, hochgewachsener Museumsleiter, duckt sich unter den Balken durch. Oben angekommen, in der Blaudruckwerkstatt in einem über 200 Jahre alten Fachwerkhäuschen auf dem Meyerhof in Scheeßel, ist die Decke niedrig, das Licht gedämpft. An der hinteren Wand stehen sie dicht an dicht: Hunderte Druckmodeln, manche 270 Jahre alt, jede ein kleines Kompendium handwerklichen Könnens. Insgesamt beherbergt das Museum 1.200 antike Modeln.
Anne Rathjen nimmt eine heraus und fährt mit dem Finger zärtlich über die Oberfläche. Ein filigranes Blumenmotiv: Ranken, die sich verzweigen, Blütenkelche, die sich öffnen, alles aus winzigen Messingstiften und hauchdünnen Metallstreifen, die jemand vor Jahrhunderten in Holz gedrückt hat, ohne Kleber, ohne Schrauben, gehalten allein durch den Druck des umschließenden Materials. „Das hält ewig“, weiß Rathjen. Seit 45 Jahren kommt sie in diesen Speicher. Sie sei „Generation 2.0“, sagt die 66-Jährige, die im Berufsleben Managerin in der Autoindustrie war, etwas geheimnisvoll.






