Analyse
Europas Bauaktien: Die Konsolidierung schafft Chancen Steigende Zinsen und der Krieg in Iran belasten Europas Bausektor. Das deutsche Infrastrukturprogramm läuft nur langsam an. Aktien wie Implenia oder Strabag haben deshalb korrigiert. Nun zeigt sich, welche Titel weiter überzeugen. Noch im vergangenen Jahr standen Europas Bauaktien dank sinkender Zinsen und neuer Infrastrukturprogramme im Fokus der Investoren.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Von dieser Dynamik ist 2026 wenig übriggeblieben. Der Krieg am Persischen Golf hat die Stimmung in der europäischen Bauwirtschaft eingetrübt. Auch das von der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz beschlossene Sondervermögen von 500 Mrd. € für Infrastrukturprojekte sorgt bisher kaum für Rückenwind, zumal Zweifel an der Wirksamkeit des Programms bestehen.Daher erstaunt es wenig, dass der Stoxx Europe 600 Construction & Materials seit Jahresbeginn hinter dem breiten Stoxx Europe 600 zurückbleibt.Damit stellt sich die Frage: Ist der Gegenwind nur vorübergehend – und bietet die Konsolidierung Einstiegschancen? Ein Überblick über die interessantesten europäischen Bautitel.Inhaltsverzeichnis Das Warten auf die deutsche Bauwelle Steigende Zinsen bremsen Europas Wohnungsbau Divergente Entwicklung der Bautitel Implenia zeigt keine Schwäche Vertikale Integration hilft Strabag Vinci als defensive Bauaktie Hochtief: Rechenzentren rechtfertigen die Prämie Strabag und Co. bieten weiterhin Chancen Das Warten auf die deutsche Bauwelle In den Auftragsbüchern der Bauunternehmen ist vom deutschen Sondervermögen bislang kaum etwas zu sehen. Strabag verweist darauf, dass daraus noch kein spürbarer Effekt entstanden sei. Ähnlich äussert sich der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.Für Juan Barriobero, Fondsmanager bei DWS, ist das wenig überraschend. «Zunächst geht es in die Planungsphase, und dort sind die Kapazitäten begrenzt», sagt er. Zwar ist die Grössenordnung bekannt – 500 Mrd. € über zwölf Jahre, davon 100 Mrd. € für Länder und Kommunen. Offen bleibt aber, wann und über welche Kanäle das Geld bei den Bauunternehmen ankommt. Barriobero rechnet nicht mit einem linearen Mittelabfluss, sondern damit, dass ein grösserer Teil der Mittel erst in späteren Jahren wirksam wird.Ein Teil der Verzögerung ist administrativ bedingt. Weil der Bundeshaushalt spät verabschiedet wurde, konnten viele Projekte erst ab Oktober oder November anlaufen. Bei Rüstungsaufträgen sieht Daniel Hartmann, Chefökonom bei Bantleon bereits mehr Bewegung. Beim Infrastruktur-Sondervermögen dürfte die breite Auftragsvergabe noch einige Monate dauern. «Für das zweite Halbjahr bin ich in dieser Hinsicht optimistisch», sagt er.In den deutschen Stimmungsindikatoren zeichnet sich trotz schwieriger Ausgangslage eine Aufhellung bereits ab. «In den Frühindikatoren hat man eine Reaktion gesehen», sagt Hartmann. Besonders im Tiefbau, der am stärksten von staatlichen Infrastrukturinvestitionen profitieren dürfte, ist der Einkaufsmanagerindex zeitweilig deutlich gestiegen.Erschwerend wirkt, dass die Zuordnung auf Unternehmensebene schwierig bleibt. In Ausschreibungen werde nicht ausgewiesen, ob Projekte aus dem regulären Budget oder dem Sondervermögen finanziert werden, erklärt Implenia. «Wenn Implenia schon sagt, sie wissen nicht genau, woher das Geld kommt, wie sollen wir das dann wissen?», sagt Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment. Steigende Zinsen bremsen Europas Wohnungsbau Hinzu kommt: Der Krieg am Persischen Golf verschärft den Zielkonflikt für die EZB. Schwächeres Wachstum spricht gegen höhere Zinsen, die Richtung 3% steigende Inflation dagegen dafür. Bantleon rechnet weiterhin mit zwei Leitzinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf und will weitere Straffungen 2027 nicht ausschliessen.«Am schwierigsten ist die Lage im Wohnungsbau», sagt Juan Barriobero, Fondsmanager bei DWS. Die langfristigen Hypothekarzinsen liegen deutlich über dem Niveau von vor zwei oder drei Jahren. Hinzu kommen höhere Kosten für energieintensive Baustoffe wie Glas, Zement oder Dämmmaterial.Robuster wirken Infrastruktur und Teile des Nichtwohnbaus. Zwar schwächeln Büros, Shoppingcenter und Logistik, doch Rechenzentren federn die Verlangsamung teilweise ab. Und das deutsche Infrastrukturpaket verbessert die Perspektive.«Der geopolitische Schock ändert an den strukturellen Treibern wenig, kann die Erholung aber verzögern», sagt Hartmann. Unsicherheit führt bei Investitionen oft nicht zu Absagen, sondern zu Verschiebungen. Der Bedarf bleibt hoch: Deutschland muss seine Infrastruktur erneuern, in Spanien und Teilen Frankreichs wächst die Bevölkerung, und Wohnraum bleibt knapp. Hinzu kommen Impulse aus den höheren Militärbudgets. Divergente Entwicklung der Bautitel Die Ausgangslage für Europas Baukonzerne ist weniger harsch, als sie zunächst wirkt. Entscheidend ist jedoch die Selektion.Europas Baukonzerne lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Integrierte Anbieter wie Vinci decken grosse Teile der Wertschöpfungskette ab – von Entwicklung und Planung über Bauausführung bis zum Betrieb von Infrastruktur.Bauausführer wie Hochtief oder Webuild fokussieren stärker auf die Umsetzung komplexer Projekte, verfügen aber teils ebenfalls über Konzessionsaktivitäten, etwa über Abertis bei Hochtief oder eigene Sparten wie bei Webuild.Konzessionsorientierte Gesellschaften wie Ferrovial betreiben Infrastruktur wie Mautstrassen oder Flughäfen und erzielen daraus stabilere, wiederkehrende Einnahmen.Diese Unterschiede erklären, warum sich die Aktien trotz ähnlicher Branchenzugehörigkeit sehr unterschiedlich entwickelt haben.Besonders stark zeigt sich das bei Hochtief. Der mehrheitlich zum spanischen ACS-Konzern gehörende deutsche Baukonzern profitiert vom Boom bei Rechenzentren in den USA, wo er 63% seines Umsatzes erzielt. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 42% gewonnen. Ganz anders Implenia: Der Schweizer Baukonzern gehörte 2025 zu den Überfliegern, hat seit Anfang Jahr aber 22% verloren. Bei der österreichischen Strabag tendiert der Kurs 2026 nach einem kurzen Anstieg zu Jahresbeginn seitwärts.Im Fokus der folgenden Analyse stehen Implenia, Strabag, Hochtief und Vinci – vier Unternehmen, die aufgrund ihrer Strategie, ihrer Segmentexponierung und der jüngsten Geschäftsentwicklung besonders interessant erscheinen. Implenia zeigt keine Schwäche Implenia gehört zu den wenigen kotierten Baukonzernen mit klarer Exponierung zum deutschen Infrastrukturmarkt. In weiteren europäischen Ländern wie Schweden, Norwegen, Frankreich oder Österreich ist der Schweizer Konzern vor allem im Tunnelbau aktiv.In Deutschland hat Implenia seit 2025 bereits mehrere grosse Infrastrukturprojekte gewonnen, darunter den Tunnel Ostbahnhof für die zweite Münchner Stammstrecke, die Nordmainische S-Bahn oder die Mainbrücke Marktbreit. Entscheidend ist jedoch weniger, ob diese Aufträge dem Sondervermögen zugeordnet werden können, sondern Anzahl und Grösse der ausgeschriebenen Projekte: In den vergangenen zwölf bis achtzehn Monaten sieht Implenia einen klar positiven Trend bei Ausschreibungen. Für 2027 erwartet der Konzern steigende Umsätze, in Deutschland sogar Wachstum über dem Gruppendurchschnitt.«Fakt ist, dass Deutschland bei der Erneuerung der kritischen Infrastruktur einen massiven Rückstau hat. Woher das Geld haushaltstechnisch kommt, ist am Ende zweitrangig», betont auch Patrik Jäger, Fondsmanager bei IFS.Mittelfristig strebt der Konzern eine Ebit-Marge von mehr als 4,5% an, längerfristig mehr. Helfen sollen wachstumsstärkere und margenträchtigere Bereiche wie Gesundheits-, Forschungs-, Bildungs- und Rechenzentrumsimmobilien sowie Mobilitäts- und Energieinfrastruktur.Auch der vielfach kritisierte freie Cashflow zeigt Anzeichen von Stabilisierung. Implenia verweist auf operative Verbesserungen wie engeres Reporting, schnellere Rechnungsstellung sowie konsequenteres Forderungs- und Nachtragsmanagement. Neue Projekte sollen über die Laufzeit stärker Cash-positiv strukturiert werden. Zusätzlich könnte mehr Hochbau den Cashflow stützen, da dort Vorauszahlungen üblicher sind.Der Kapitalmarkttag am 2. Juni dürfte mit einem umfassenden schriftlichen Primer und ergänzenden Analystenmeetings Hinweise darauf liefern, wohin die Reise 2026 geht. Vertikale Integration hilft Strabag «Nach jahrelanger Seitwärtsbewegung reflektiert der Kursanstieg seit dem vierten Quartal 2024 vor allem eine strukturelle Neubewertung von Strabag», sagt Erste-Group-Analyst Michael Marschallinger. Treiber seien höhere Margen, ein Rekordauftragsbestand und bessere Visibilität.Das deutsche Infrastrukturprogramm ist bislang eher strategische Option als Gewinntreiber. Konkrete Aufträge erwartet Strabag frühestens gegen Ende 2026. Die Volumeneffekte bleiben ein «Upside», wie Marschallinger betont. Von Strabag ausgeführte Modernisierungsarbeiten am Kraftwerk Kniepass in Tirol. Quelle: ZVG Deutschland ist mit rund 45% des Umsatzes der wichtigste Markt. Weitere Wachstumsfelder sind Grossbritannien, Polen und Tschechien. Ein späterer Wiederaufbau der Ukraine könnte Chancen bieten, da Strabag in Ost- und Südosteuropa stark präsent ist. Strategisch fokussiert sich Strabag unter anderem auf Mobilitäts-, Energie- und Wasserinfrastruktur.Im Zentrum steht die Profitabilität. Gut gefüllte Auftragsbücher erlauben es, niedrigmargige Projekte zu meiden. «Bei Strabag kommt die vertikale Integration hinzu», sagt Gierse. Eigene Steinbrüche und Asphaltwerke halten mehr Wertschöpfung im Konzern und stützen besonders im deutschen Strassenbau die Ebit-Marge, die dort bei rund 9% liegt. Mit der Strategie 2030 strebt Strabag konzernweit eine Marge von rund 6% an. Vinci als defensive Bauaktie «Auch Vinci kann vom deutschen Infrastrukturbau profitieren. Der Konzern ist nicht nur im Strassenbau aktiv, sondern hat über Vinci Construction auch Aufträge im Bereich LNG-Infrastruktur in Deutschland gewonnen», sagt Christoph Berger, CIO Equity Europe bei Allianz Global Investors. Zusätzliche Chancen ergeben sich über Vinci Energies, etwa beim Ausbau der Energieinfrastruktur, der Elektrifizierung und bei Hochspannungsnetzen.Deutschland bleibt für Vinci jedoch nur einer von mehreren Werttreibern. Der Investmentcase beruht weniger auf einem einzelnen Infrastrukturpaket als auf der breiten Aufstellung des französischen Konzerns in Bau, Energiedienstleistungen und Konzessionen. Besonders das Geschäft mit Autobahnen und Flughäfen – darunter französische Autobahnen, Flughäfen in Portugal und London-Gatwick – liefert gut planbare Cashflows und wirkt als Puffer gegen zyklische Schwächen im Bau.Gemessen am Umsatz bleibt das Baugeschäft wichtig, gemessen am Ergebnis ist es deutlich weniger dominant. «Die Margen im Bau liegen nur bei rund 3 bis 4%, während Konzessionen auf Ebitda-Ebene Margen von etwa 70% erreichen können», sagt Gierse. Genau diese Mischung macht Vinci für langfristige Investoren mit Fokus auf Stabilität und Cashflow-Qualität attraktiv. Hochtief: Rechenzentren rechtfertigen die Prämie Zusätzliche Wachstumsfantasie bietet der europäische Markt für Rechenzentren. Getrieben von KI-Anwendungen, Cloud-Nutzung, digitaler Souveränität und regulatorischen Vorgaben dürfte die installierte Kapazität in Gigawatt bis 2030 um durchschnittlich rund 15% pro Jahr zulegen. Damit gehört das Segment zu den dynamischsten Infrastrukturmärkten Europas.Die Wertschöpfung reicht längst über die Gebäudehülle hinaus. Gefragt sind auch Energieinfrastruktur, Kühlung, Stromversorgung, Wärmerückgewinnung und Engineering.Hochtief profitiert über die US-Tochter Turner bereits stark vom Bau von Rechenzentren in den USA. Digitale Infrastrukturprojekte machen inzwischen einen bedeutenden Teil des Auftragsbestands aus, bei Turner ist der Anteil besonders hoch. Zugleich wird Hochtief immer stärker von Turner geprägt. Das US-Geschäft treibt nicht nur das Umsatzwachstum, sondern auch die Margenexpansion.Von Rechenzentren will auch Implenia profitieren. In der Schweiz sieht sich Implenia als Marktführer. Dies soll als Basis für die Expansion nach Deutschland dienen.Für Strabag ist der Bau von Rechenzentren ebenfalls ein Wachstumsfeld, im Konzernkontext aber noch klein. «Strategisch ist das Thema dennoch wichtig, da es wachstumsstark, technologisch anspruchsvoll und margenträchtiger als klassischer Hochbau ist», sagt Erste-Group-Analyst Marschallinger. Strabag und Co. bieten weiterhin Chancen Bewertungsseitig wirkt der Sektor nicht überteuert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate liegt bei 17, der Unternehmenswert beim Achtfachen des Ebitda. Beide Kennzahlen liegen nur leicht über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.Bauaktien waren historisch meist günstig bewertet, weil die Unternehmen ihre Margen lange kaum steigern konnten. Inzwischen verbessern sich jedoch die Margen, zugleich steigen die Profitabilitätsziele. Damit ist eine etwas höhere Bewertung als in der Vergangenheit besser zu rechtfertigen. «Solange der Auftragseingang so weiterläuft, könnte die Bewertung noch leicht steigen», sagt Gierse von Union Investment.Diese Entwicklung zeigt sich auch bei Strabag. Auf Basis der Konsensschätzungen für die kommenden zwölf Monate liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 13, das EV/Ebitda-Multiple bei gut 4.Bei Implenia hält Jäger von IFS den Kursrückgang für übertrieben. Auf Basis der Konsensschätzungen für die nächsten zwölf Monate liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 13, das EV-Ebitda-Multiple bei rund 5.Anleger sollten genau unterscheiden: nach Segment, Land, Margenqualität und danach, wie stark der Infrastrukturimpuls tatsächlich in zusätzlichen Aufträgen sichtbar wird. Implenia und Strabag stehen vor allem für eine Wette auf das deutsche Infrastrukturpaket. Hochtief bietet Zugang zum Rechenzentrenboom, bringt aber eine entsprechend anspruchsvolle Bewertung mit sich. Vinci überzeugt mit einem robusten und diversifizierten Geschäftsmodell.Kursrücksetzer können deshalb Einstiegschancen eröffnen. Aus Sicht von The Market bleiben Implenia, Strabag, Hochtief und Vinci grundsätzlich attraktive Investments – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.






