Im Frühsommer startet die intensive Festivalzeit in der Klassik. Bereits begonnen hat das Würzburger Mozartfest, das in diesem Jahr als Keyvisual, also Markenmotiv, die Nautilusmuschel gewählt hat. Das perlmuttschimmernde Spiralwunder aus den Tiefen des Meeres galt seit jeher als Sinnbild für Ästhetik und Harmonie, es fehlt in kaum einem Stillleben des Goldenen Zeitalters.„Beschworene Schönheit“ lautet das Motto in Würzburg, und klar, dass damit Mozarts überzeitliche, überirdische Musik gemeint ist. Aber auch eine generelle Sehnsucht nach Verfeinerung, Humanität in unserer ramponierten, rohen Gegenwart. Noch bis zum 28. Juni treten in der Stadt am Main Künstlerinnen und Künstler, Orchester sowie Ensembles von Weltrang auf.Überhaupt wird Unterfranken im Juni und Juli zum internationalen Klassik-Hotspot: Der Kissinger Sommer feiert Jubiläum. Seit 40 Jahren zieht in der Kurstadt die Klassik für ein paar Wochen ein, heuer vom 11. Juni bis 18. Juli. Anlass, Rückschau zu halten: Unter dem Motto „Mazel Tov!“, dem hebräisch/jiddischen Glückwunsch, will sich das Festival diesmal vor der jüdischen Geschichte und Kultur Bad Kissingens und Europas verbeugen.Mondäne Vergangenheit: Die gut besuchte Quellenhalle in Bad Kissingen um das Jahr 1930. Scherl/Süddeutsche Zeitung PhotoDenn, so die Festivalmacher: „Bis zur Deportation der letzten lebenden Juden durch die Nationalsozialisten 1942 war in Bad Kissingen eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Bayerns ansässig, deren Wurzeln sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts prägte die jüdische Bevölkerung das geistige, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt maßgeblich. Auch viele Gäste jüdischer Herkunft reisten aus ganz Europa zur Sommerfrische an, darunter Albert Einstein, Max Liebermann, Giacomo Meyerbeer, James Simon und Oscar Straus.“Mezzosopranistin Cecilia Bartoli wird beim „Kissinger Sommer“ mehrere Konzerte geben. Fabrice DemessenceSo findet sich im Jubiläumsprogramm unter anderem Musik von Hanns Eisler, George Gershwin, Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel, Kurt Weill, Mieczysław Weinberg, Paul Abraham oder Friedrich Hollaender oder Mischa Spoliansky. Und die Gästeliste erscheint in diesem Jahr besonders illuster. Da sind unter anderem der Mandolinen-Virtuose Avi Avital, die Geigenstars Anne-Sophie Mutter, Lisa Batiashvili, Julia Fischer, Isabelle Faust oder Christian Tetzlaff, aber auch Klavier-Größen wie Pianist Igor Levit, Alexander Malofeev, Elisabeth Leonskaja, Jean-Yves Thibaudet, Rudolph Buchbinder oder Grigory Sokolov. Mezzo-Königin Cecilia Bartoli singt gleich mehrere Konzerte, mit dabei ist auch die hochgepriesene Maria Stuart der Bayerischen Staatsoper, Sopranistin Vera-Lotte Boecker, und Wagner-Legende Waltraud Meier rezitiert Texte der Dichterin Else Lasker-Schüler, deren Wurzeln sich mütterlicherseits in Bad Kissingen bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lassen.Mit dem Schaulaufen der Klassikgrößen kann man indes ausgiebig fortfahren: Im Dirigentenfach etwa sind Sir Simon Rattle, Kent Nagano, Iván Fischer oder Alain Altinoglu angekündigt, Jakub Hrůša wird gewiss mit seinen Bamberger Symphonikern glänzen, Joana Mallwitz reist mit ihrem Konzerthausorchester Berlin an. Aus München kommen neben dem BRSO auch das Jewish Chamber Orchestra Munich sowie das Münchner Rundfunkorchester nach Bad Kissingen, in die Kurstadt zieht es aus London das BBC Symphony Orchestra und aus Österreich die Camerata Salzburg.YouTubeDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von YouTube angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Unbedingt Karten sichern sollte man sich aber für die Abende mit zwei herausragenden Schauspielerinnen, die auch zu den großen Chansonnièren des Landes zählen: Am 23. Juni singt Dagmar Manzel in Kurtheater Lieder und Chansons von Paul Abraham, Hanns Eisler, Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender und Kurt Weill. Und Meret Becker präsentiert dort am 2. Juli unter dem Titel „Nachtblau – Chanson für eine Abwesende“ ihre Hommage an die legendäre französische Sängerin Barbara (1930–1997), die als jüdisches Kind 1940 mit ihrer Familie aus Paris fliehen musste und versteckt auf dem Land der Ermordung durch die Nationalsozialisten entging.Näheres zum Programm des Kissinger Sommers unter www.kissingersommer.de.