Noch vor wenigen Jahren schien die Atomkraft politisch erledigt. Inzwischen hat sich der Ton deutlich verändert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Ausstieg jüngst als „strategischen Fehler“ und stellte kleine Reaktoren in Aussicht, die bereits Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit sein könnten. In Deutschland hingegen bleibt die Linie strikt. Die Bundesregierung hält am Atomausstieg fest und wirkt damit international zunehmend isoliert.
Denn weltweit setzt eine große Zahl von Staaten weiterhin auf Kernenergie. Nach Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation betreiben derzeit 31 Länder Atomkraftwerke, die meisten davon in den USA, China und Frankreich. Auch innerhalb der EU bleibt Atomkraft verbreitet, etwa in Frankreich, Schweden oder Finnland, während Polen sogar neu einsteigen will. Deutschland gehört dagegen, neben Österreich und Italien, zu den wenigen Ländern, die sich gesetzlich vom Atomstrom verabschiedet haben.
Mini-Reaktoren als neue Hoffnungsträger
Im Zentrum der aktuellen Debatte stehen sogenannte Small Modular Reactors, kurz SMR. Dabei handelt es sich um Atomkraftwerke im Miniaturformat: kompakt gebaut, industriell vorgefertigt und flexibel einsetzbar. Etwa in abgelegenen Regionen oder nahe von Industriezentren. Mit einer Leistung von bis zu 300 Megawatt bleiben sie deutlich kleiner als klassische Reaktoren. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der möglichen Serienproduktion, die Baukosten senken und Bauzeiten verkürzen könnte. Befürworter sehen darin vor allem mehr Flexibilität und Effizienz.







