Ein Turnierverlauf wie von Guillaume Henri Dufour erdacht: Der WM-Final gegen Finnland ist für die Schweiz eine einmalige ChanceAb 20.20 Uhr ermitteln die Schweiz und Finnland in der Zürcher Swiss-Life-Arena den Eishockey-Weltmeister. Eine bessere Chance auf das erste WM-Gold der Geschichte wird sich den Schweizern so schnell nicht mehr bieten.31.05.2026, 07.44 Uhr4 LeseminutenAm 26. Mai siegte die Schweiz schon einmal gegen den Finalgegner: Im abschliessenden Gruppenspiel markierte Nico Hischier den Treffer zum 4:2 ins leere Tor.ANDREAS BECKER / KEYSTONEGuillaume Henri Dufour wird sich nie mit Eishockey beschäftigt haben. Die erste offizielle Partie in diesem Sport wurde erst im März 1875 in Montréal ausgetragen. Der Humanist Dufour verstarb in jenem Juli in Genf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.General Dufour gilt bis heute als einer der gewieftesten Strategen in der Schweizer Nationalgeschichte. Hätte man ihn gebeten, einen Plan für die Heim-WM zu entwickeln, dann hätte selbst er am Reissbrett mutmasslich keine bessere Ausgangslage erdenken können als jene, die sich der Schweiz nun am Finaltag präsentiert: Weltmeister werden zu können, ohne sich mit dem grossen Favoriten Kanada messen zu müssen. Das kanadische Starensemble um Macklin Celebrini und Sidney Crosby scheiterte am Samstagabend in der Swiss-Life-Arena an Finnland, 2:4, und blieb sehr vieles schuldig. Es war nach der brutalen Niederlage im Olympia-Final gegen die USA eine neuerliche Enttäuschung für die so lange so erfolgsverwöhnten Kanadier, den Rekordweltmeister, dessen letzter Titel von 2022 datiert.Auf finnischer Seite fehlen die prominentesten AkteureDie Schweiz dagegen steht zum dritten Mal in Folge im Endspiel. Und erstmals werden sie vor dem ersten Bully leicht favorisiert – auch von den Buchmachern. Warum auch nicht? Finnland ist ein Gegner auf Augenhöhe, auch wenn das Kader des Olympiasiegers von 2022 um einen Tick edler besetzt sein mag als jenes der Schweiz. Und das in Abwesenheit der drei prominentesten Akteure Sebastian Aho (steht mit Carolina im Stanley-Cup-Final), Miro Heiskanen und Mikko Rantanen (beide Dallas Stars, sagten für die WM ab). Mit dem Captain Aleksandar Barkov (Florida Panthers) und dem Center Mikael Granlund (Anaheim Ducks) finden sich dennoch Spektakelmacher im Ensemble. Der Cheftrainer Antti Pennanen und seine Assistenten Ville Peltonen (zuletzt Coach von Genf/Servette, ab dem Sommer Trainer im HC Ajoie) sowie Jussi Tapola (Ambri-Piotta) berücksichtigten daneben nur zwei Spieler aus der heimischen Liiga; wovon bisher nur einer eingesetzt wurde.Schon zum Abschluss der Gruppenspiele hatten sich die Finnen den Schweizern entgegengestellt. Der Gastgeber siegte in einer ausgeglichenen Partie dank späten Treffern von Ken Jäger und Nico Hischier 4:2. Es war das bisher einzige Mal, dass die Schweiz kurz vor dem Ende ernsthaft um den Sieg zittern musste. Sonst führte sie im Schlussdrittel fast immer komfortabel. Von 540 in der Swiss-Life-Arena absolvierten Spielminuten lag sie bisher in 7 in Rückstand: in der Startphase des Viertelfinals gegen Schweden.Ein bisschen wirken die Schweizer an diesem Turnier wie ein unterforderter Gamer, der auf einem eigentlich zu tiefen Schwierigkeitsgrad die Unschlagbarkeit erreicht hat. Neun Spiele, neun Siege, ein Torverhältnis von 48:8. Es ist eine Dominanz, wie man sie an Weltmeisterschaften kaum je sieht. Seit der Weltverband IIHF 2012 den aktuellen Modus mit zwei Achtergruppen vor der K.o.-Phase einführte, hat ein einziges Team es geschafft, ein perfektes Turnier mit zehn Siegen nach regulärer Spielzeit aufs Eis zu zaubern: Russland 2012 in Helsinki mit den Weltklassestürmern Pawel Dazjuk, Jewgeni Malkin und Alexander Owetschkin. Seit 2022 ist der Aggressor Russland von der WM ausgeschlossen, hinter den Kulissen läuft aber ein Powerplay für die Wiedereingliederung ab 2028. Russlands aktuelle Absenz ist ein weiterer Grund, warum die Schweiz am Sonntag ihre einmalige Chance nutzen muss.Denn eine bessere Gelegenheit dürfte sich ihrer alternden Mannschaft auf Sicht nicht bieten, nicht in dieser Konstellation: eine Heim-WM in einem Olympia-Jahr. Was bedeutet, dass die Schweizer Stars alle wie selbstverständlich ihre Teilnahme zusagten. Im Gegensatz zu fast allen anderen Nationen. Für kein Land hat dieses Turnier eine grössere Bedeutung als für die Schweiz.Das Schweizer Selbstvertrauen scheint grenzenlosDas ist seit Wochen spürbar, im und um das Team. Es zeugt von mentaler Reife und Robustheit, dass die Erwartungen nicht zur Bürde geworden sind. Sondern dass das Schweizer Kollektiv Kraft aus dem innigen Schulterschluss mit dem Anhang zu ziehen scheint. Es dürfte auch von den Erfahrungen der letzten zwei Jahre zehren: Das Gros der Equipe hat einen, zwei WM-Finals bestritten. Sie endeten 2024 und 2025 mit grosser Leere, gewiss, aber in der Verarbeitung ist die Mannschaft offenbar vom Spirit Dufours inspiriert worden, der einst sagte: «Das Schlimmste bei einer verlorenen Schlacht ist die Entmutigung der Truppen; man muss daher alles aufbieten, um solche verderblichen Eindrücke zu schwächen.»Von Entmutigung könnte diese Mannschaft sich nicht weiter weg befinden. Viel mehr hat sie sich die nächste Chance erspielt, in goldenem Konfettiregen in den Frühsommer zu starten. «Diesmal greifen wir an, wir geben alles für Gold», sagte der Captain Roman Josi. Die vielleicht wichtigste Trumpfkarte der Schweizer ist ihr ausgeprägtes, durch sehr viele Erfolge gestähltes Selbstvertrauen. Einen zehnten braucht's noch, dann ist der grosse, vor einer Dekade noch undenkbare Coup vollbracht.Passend zum Artikel
Schweiz vs. Finnland: Der WM-Final als einmalige goldene Chance
Ab 20.20 Uhr ermitteln die Schweiz und Finnland in der Zürcher Swiss-Life-Arena den Eishockey-Weltmeister. Eine bessere Chance auf das erste WM-Gold der Geschichte wird sich den Schweizern so schnell nicht mehr bieten.
Die Schweiz steht im Eishockey-WM-Final gegen Finnland: 9 Spiele, 9 Siege, 48:8 Tore – und erstmals als leichter Favorit. Kanadas Halbfinal-Aus, das Heimturnier im Olympia-Jahr und Russlands Absenz machen 2026 zur einmaligen Chance auf das erste WM-Gold der Schweizer Geschichte.












