Warum ältere Menschen oft glücklicher sind als JungeWährend psychische Belastungen unter Jüngeren zunehmen, berichten viele Ältere von mehr Zufriedenheit. Die Forschung hat dafür eine überraschend einfache Erklärung. Die Kolumne «Psychologie des Alltags».Franca Cerutti31.05.2026, 05.30 Uhr3 Leseminuten«Zufriedenheitsparadox»: Das Leben wird im Alter objektiv gesehen härter, das subjektive Erleben bleibt hingegen oft erstaunlich sonnig.GettyStatler und Waldorf, die beiden älteren Herren auf dem Balkon der Muppetshow, galten lange als der popkulturelle Inbegriff des Alters: ein zynischer Blick auf die Welt, von buschigen Augenbrauen beschattet, dauernd motzend und mit nichts mehr zufrieden. Die empirische Datenlage zeichnet jedoch ein ganz anderes Bild.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In allen grossen Befragungen gehören Ältere zu den emotional am wenigsten belasteten Altersgruppen, während die psychische Belastung in jüngeren Jahrgängen seit einigen Jahren massiv zunimmt. Ältere berichten von weniger negativen Gefühlen, mehr Zufriedenheit und gleichmässigerem Wohlbefinden – und das, obwohl körperliche Beschwerden und Verluste unbestreitbar zunehmen.Die Forschung kennt diese Diskrepanz seit den 1990er Jahren als «Zufriedenheitsparadox»: Das Leben wird im Alter objektiv gesehen härter, das subjektive Erleben bleibt hingegen oft erstaunlich sonnig. Was machen ältere Menschen also richtig?Psychologie des AlltagsIn dieser Kolumne schreibt die Psychotherapeutin, Autorin und Podcasterin Franca Cerutti regelmässig über Alltägliches mit psychologischem Tiefgang.Eine aktuelle Übersichtsarbeit des Psychologen Derek Isaacowitz und seiner Kolleginnen von der Washington University zeigt, dass die zufriedenen Senioren einen überraschend simplen Kniff beherrschen: Sie schauen dorthin, wo es etwas Schönes gibt, behalten freundliche Momente besser im Gedächtnis und hören eher das heraus, was sie an einer Begegnung mochten, als das, was sie ärgerte. Sie schauen scheinbar durch eine Brille der Heiterkeit und Grosszügigkeit auf die Welt.Damit verändert sich unser intuitives Bild davon, was emotionale Selbstfürsorge eigentlich heisst. Die meisten von uns bemühen sich derzeit um eine Reduktion des Negativen: weniger schlechte Nachrichten, weniger anstrengende Menschen und weniger Konflikte. Die Daten der Arbeitsgruppe zeigen jedoch, dass diese Vermeidung allein zu wenig bewirkt.Was tatsächlich die Stimmung hebt – und zwar in jedem Lebensalter –, ist das aktive Aufsuchen dessen, was guttut. Wer nach einem zähen Tag bei der Freundin anruft, die einen zum Lachen bringt, tut mehr für seine Stimmung, als wenn er das Handy einfach nur weglegt. Wer im Frühling spazieren geht und an Blüten schnuppert, fühlt sich am Abend anders, als wenn er nur den Fernseher ausgeschaltet lässt. Die Bewegung hin zu etwas Schönem wirkt deutlich stärker auf unser Wohlbefinden, als die Bewegung weg von dem, was bedrückt.Vermutlich ist es genau das, was Ältere mit den Jahren wie nebenbei einüben. Wer subjektiv weniger Lebenszeit vor sich hat, priorisiert das, was den Augenblick emotional versüsst, und sucht es zunehmend aktiv auf. Statler und Waldorf bleiben Karikaturen, weil sie ihre Energie unbeirrt in die falsche Richtung lenken – die Mehrheit der älteren Menschen tut es ihnen glücklicherweise nicht gleich.Das Ermutigende daran ist, dass wir nicht aufs Alter warten müssen, bis sich unsere Aufmerksamkeit wie von selbst auf das Schöne einschwingt. Die aktive Hinwendung zu den Freuden des Lebens lässt sich in jedem Lebensalter üben. Dafür reicht die einfache Regel: Mach mehr von dem, was dich erfreut.Franca Cerutti ist Psychotherapeutin, Autorin, Podcasterin. Ihr Sehnsuchtsort ist Finnland, ohne Kaffee ist sie nicht sie selbst.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Glück im Alter: Warum ältere Menschen zufriedener sind als die Jugend
Während psychische Belastungen unter Jüngeren zunehmen, berichten viele Ältere von mehr Zufriedenheit. Die Forschung hat dafür eine überraschend einfache Erklärung. Die Kolumne «Psychologie des Alltags».






