Donald Trump scheffelt in seiner zweiten Amtszeit Milliarden – auch dank seinen Söhnen. Einer von ihnen ist am Donnerstag in ZürichDonald Trump jun. trifft sich diese Woche im Zunfthaus zur Saffran mit Geschäftsleuten aus aller Welt. Er und sein Bruder Eric verkaufen die Nähe zu ihrem Vater – und verdienen damit sehr viel Geld. Ihre Dreistigkeit erinnert an das Gebaren in korrupten Autokratien31.05.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenDonald jun. (links) und Eric Trump (Mitte) feiern sich und ihren Reichtum an der New Yorker Börse.Spencer Platt / GettyWie Donald Trump über Menschen denkt, lässt sich in der Biografie seiner Ex-Frau Ivana nachlesen. Als die beiden noch verheiratet waren, Ivana schwanger mit ihrem ersten Kind, hatte sie eine Idee: Der Sohn sollte ebenfalls Donald heissen. Ihr Mann war alarmiert. «Das kannst du nicht machen! Was, wenn er ein Loser wird?»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ivana hat es doch gemacht. Und Donald jun. versucht wohl alles, um in den Augen des Vaters kein Loser zu sein. Er ist Co-CEO der Trump Organization, gemeinsam mit seinem Bruder Eric. Hillary Clintons Wahlkampfteam nannte die beiden einmal «die Sturmsoldaten». Andere verglichen sie mit Uday und Qusay, den privilegierten Söhnen des ehemaligen irakischen Machthabers Saddam Hussein. Don jun. und Eric selbst bevorzugten eine andere Bezeichnung: «the brutes», die Grobiane.Einer dieser Grobiane wird kommenden Donnerstag in Zürich erwartet. Im Zunfthaus zur Saffran spricht Don jun. am «Global Economic Roundtable» mit handverlesenen Geschäftsleuten über Geopolitik. Ein Coup für die in der breiten Öffentlichkeit bisher unbekannte Netzwerkorganisation «Davos Lodge», die das Treffen organisiert, schliesslich sitzt kaum jemand näher an der Macht als der Sohn des US-Präsidenten.Genau diese Nähe zur Macht haben Eric und Don jun. zum Geschäftsmodell gemacht. Sie bereichern sich und die ganze Familie mit einer solchen Dreistigkeit, wie man sie sonst nur von Diktatoren auf den Philippinen oder im Kongo kannte.Manchmal gleicht Donald Trump jun. sogar seinem Vater.Joe Raedle / GettyEin welthistorischer RaubzugSeit Trumps erster Amtszeit führen Eric und Don jun. die Trump Organization. Bekannt ist diese vor allem für ihre Hotels und Golfplätze. Doch zeitweise gehörten auch eine Airline, eine Wodka-Marke und eine Modelagentur zum Imperium. Trump-Schnürsenkel, Trump-Raumduft («Zypresse & Tanne») oder ein Trump-Sauf-Eimer für 215 Dollar werden sogar bis heute im Trump-Onlineshop verkauft.30 Millionen Dollar sollen die Trumps in den letzten Jahren so gemacht haben. Doch das sind Peanuts im Vergleich zu ihren anderen Geschäften. Das amerikanische Magazin «The Atlantic» spricht gar von einem «welthistorischen Raubzug», auf dem die Trumps sich gerade befinden.Das Modell dahinter ist einfach: Man kann sich den US-Präsidenten wie eine prächtige Bergziege im Streichelzoo vorstellen, deren glänzendes Fell Wunder vollbringen soll. Logischerweise will jeder sie einmal streicheln, doch vor dieser Bergziege stehen seine Söhne Eric und Don jun., von denen man erst einmal für sehr viel Geld Ziegenfutter kaufen muss.So geschehen in Vietnam. Während die Vietnamesen mit der US-Regierung über Strafzölle verhandelten, stand Trumps Sohnemann Eric neben dem vietnamesischen Premierminister bei der Grundsteinlegung für einen Golfkomplex nahe Hanoi. 1,5 Milliarden Dollar soll das Projekt kosten und neben dem Golfplatz noch Siedlungen und Hotelanlagen umfassen. Kurze Zeit später einigten sich die beiden Länder auf einen Zolldeal. Aus den angedrohten 46 Prozent wurden nur 20.Seit Trumps zweiter Amtszeit haben sich Eric und Don jun. mit hochrangigen Vertretern von acht ausländischen Regierungen getroffen. Weltweit sind 22 neue Trump-Immobilienprojekte in Planung, mehr als dreimal so viele, wie die Familie bisher im Ausland betrieb.Doch die Geschäfte der beiden reichen weit über Hotels und Golfplätze hinaus. Sie investieren in Krypto-Firmen, Prognosemärkte und Rüstungsunternehmen, oft als bezahlte Berater mit Kapitalbeteiligung. Seit der Wiederwahl seines Vaters hat Don jun. allein in 25 Firmen investiert, die alle auf Bundesaufträge oder staatlich finanzierte Aufträge hoffen.Da ist zum Beispiel der Drohnenhersteller Powerus, der im März bekanntgab, dass Don jun. und Eric grosse Anteile gekauft haben. Das Unternehmen bemüht sich gerade um Pentagon-Aufträge im Wert von 1,1 Milliarden Dollar. Und es ist gerade dabei, den Golfstaaten Interceptor-Drohnen verkaufen. So können sich Qatar, Bahrain und Co. vor einem Krieg schützen, den der Vater der Drohneninvestoren angezettelt hat.Ähnlich verdächtig ist Beziehung von Don jun. zu Prognosemärkten, also Online-Plattformen, auf denen man auf alles wetten kann. Etwa wann der Rap-Star Drake ein neues Album veröffentlicht, oder ob Donald Trump die Strasse von Hormuz nach sich selbst umbenennen wird. Don jun. ist Investor bei Polymarket und bezahlter Berater bei Kalshi, den beiden grössten Prognosemärkten. Und die Trump Organization plant bereits einen eigenen: «Truth Predict».Die Prognosemärkte lieben den US-Präsidenten und seine Unberechenbarkeit. Fragen wie «Werden die USA Bodentruppen nach Iran schicken?» sorgen regelmässig für Umsatzrekorde – aber auch für Vorwürfe des Insiderhandels. Dass er als Investor von den Handlungen seines Vaters profitiere, weist Don jun. als «faktenfreie Demokratenpropaganda» zurück.Die Zahlen sagen etwas anderes. Seit Donald Trumps Amtsantritt hat sich dessen Vermögen laut Forbes und Bloomberg verdreifacht, von gut 2 auf über 6 Milliarden Dollar. Trump sen. ist nach wie vor Eigentümer der Trump Organization, weshalb die Geschäftserfolge seiner Söhne seinem Konto zugutekommen.Ein Grossteil dieses Geldes stammt aus Krypto-Geschäften. Eric und Don jun. haben ein eigenes Krypto-Unternehmen aufgebaut: «World Liberty Financial». Es verkauft unter anderem Stablecoins, digitale Token, die an den Dollar gekoppelt sind. Die Vereinigten Arabischen Emirate kauften über eine zwielichtige Stiftung für 2 Milliarden Dollar solche Stablecoins. Und Anfang Jahr erwarb Scheich Tahnun bin Zayed Al Nahyan gleich die Hälfte des Unternehmens, was den Trumps weitere Milliarden in die Kasse spülte.Womöglich müssen sie auf all diese Milliarden nicht einmal Steuern zahlen, denn die US-Steuerbehörde IRS darf frühere Steuererklärungen der Trump Organization laut einem kürzlich publik gewordenen Vergleich «auf ewig» nicht mehr prüfen. Ein Schutz, der ausdrücklich auch für die beiden Söhne gilt.Präsident Donald Trump . . . jun.?Trotz dem Erfolg: Don jun. und Eric sind keine Geschäftsgenies, und die Trump Organization ist kein Apple oder Amazon. Ihr Imperium steht und fällt mit einem einzigen Mann. Fällt er weg, fällt auch das Geschäft weg. Es sei denn, der nächste Präsident trägt denselben Nachnamen. Und vielleicht auch denselben Vornamen.Gut, gibt es Donald Trump jun. Der gilt als «Trumpier than Trump», noch extremer als sein Vater. Er brüllt auf Fox News gerne herum und bezeichnet Leute auf X als Idioten oder «fucking retarded», während er seinen Vater in den Himmel lobt.Dabei sah es lange so aus, als wollte er nichts mit ihm zu tun haben. Als seine Eltern sich scheiden liessen, sprach der damals Zwölfjährige ein Jahr nicht mit seinem Vater. Nach der Uni versuchte er seinen eigenen Weg zu gehen, erst als Barkeeper, dann als Unternehmer. Doch er scheiterte.Also kehrte er zurück ins Familienunternehmen. Er unterstützte seinen Vater, zum Beispiel in seinem ersten Wahlkampf. Jedoch mit mässigem Geschick. So traf er sich zum Beispiel mit Russen. Erst leugnete er dies, dann gab er zu, belastendes Material über Hillary Clinton beschaffen zu wollen. Darin sah er aber nichts Verwerfliches, da die von den Russen bereitgestellten Informationen «nicht hilfreich» gewesen seien. Seine Kollegen im Wahlkampfteam nannten ihn angeblich «Fredo», nach dem dümmsten Sohn aus «Der Pate».Ob Trump sen. seinen Sohn auch unterstützen würde, ist nicht ganz so klar. Vergangene Woche heiratete Don jun. das Model Bettina Anderson auf den Bahamas. Sein Vater war nicht dabei. Der hatte Reportern im Oval Office bereits erklärt, er werde die Hochzeit seines Sohnes wohl verpassen. «Das kommt mir gerade nicht gelegen», sagte Trump. «Ich habe da diese Sache mit Iran.»Don jun. selbst scheint dem Präsidentenamt jedenfalls nicht abgeneigt. Letztes Jahr sagte er, dass er sich das irgendwann durchaus vorstellen könne. Seine Hochzeit soll zudem laut Insidern Teil einer Strategie sein, um ein stabileres, familiäreres Image aufzubauen, um bei Wählern anzukommen.Dazu kommt, dass Don jun. als möglicher Gastgeber eines «Apprentice»-Reboots im Gespräch ist. Die Show, in der Kandidaten um einen Job in Trumps Unternehmen kämpften, hat die Marke Trump in den 2000er Jahren neu erfunden.Ob das auch mit Don jun. funktionieren wird, ist fraglich. Donald Trump kann seinen Kindern Geld, Macht und Zugang verschaffen. Sein Charisma konnte er Don jun. jedoch nicht vermachen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel