„Der Weg der Katze“, wie das kleine Geschenkbüchlein im Untertitel heißt (Diogenes), soll Menschen inspirieren, es den anmutigeren Geschöpfen gleichzutun. Gerade in schwierigen Zeiten versprechen die Anregungen zwar keinen Weltfrieden, aber immerhin: inneren Frieden. Und das geht etwa so: Das Dumme einfach niederstarren, Krallen zeigen und möglichst viel schlafen. Durchs Gras streifen oder mit anderen rumhängen. Und „wenn nix mehr hilft, einen Buckel machen und alle und alles dran runterrutschen lassen“. Dass die vielseitig talentierte Dörrie neben den, Katzenfreunden natürlich vertrauten, Ratschlägen auch die fidel beseelten Illustrationen erschaffen hat, verdient ein lang anhaltendes rhythmisches Schnurren. Bevor es dann wieder weitergeht mit den Herausforderungen des Alltags. Sachen runterschmeißen zum Beispiel. blöDoris Dörrie: „Tricks – Der Weg der Katze“, Diogenes, 48 Seiten, 14 EuroFlauschiger ReisebegleiterPrinzessin Mogli hat bereits mehr als 20 Länder der Welt beschnuppert. Ihr gemeinsames Abenteuer beschreibt Martin Klauka in seinem Buch „Mit der Katze weiter um die Welt“. Martin Klauka/Malik/PiperNeugierig bleiben und niemals aufgeben. Das Glück immer wieder herausfordern. Und: sich gelegentlich chauffieren lassen. Das kann man von Mogli lernen, einer kleinen Katze mit großen Ohren, die vor mehr als acht Jahren verletzt und verwahrlost dem Tod in die Augen geblickt hatte und inzwischen mehr als 20 Länder der Welt erschnuppern durfte. Das tierische Märchen, das keines ist, hat Martin Klauka in mittlerweile zwei Büchern aufgeschrieben („Einmal mit der Katze um die halbe Welt“, 2020, und „Mit der Katze weiter um die Welt“, 2025). Der Wahl-Rosenheimer aus Brandenburg hat seine „Prinzessin“ auf dem Motorrad mitgenommen, nachdem sie ihm zugelaufen war, als der damals 31-Jährige sein Abenteuer in den Orient bereits geplant hatte.Im jüngsten Buch beschreibt Klauka die Rückreise von Indien, Pakistan und Iran, über Armenien und Georgien, durch die Türkei, Bulgarien und Rumänien nach Hause. In seinen ausführlichen Berichten heißt es etwa: „Selbst den schwer bewaffneten Soldaten, die in Kurdistan den Islamischen Staat abwehrten, vermochte Mogli ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern!“ Oder am Ende nach fünf Jahren und drei Monaten, die freilich auch Gefahren, Krankheiten und Sorgen beinhalteten: „Über 84 000 Kilometer hatten Mogli und ich zurückgelegt, 22 Länder besucht und unzählige Freundschaften geschlossen. Ich hatte mir meinen Lebenstraum erfüllt – und dank der Prinzessin war gleichzeitig ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.“ Die inspirierende Reise von Mensch und Tier geht weiter (unter @motomogli auch auf Instagram): auf zahlreichen Lesungen und einer weiteren Reise im Sommer nach Katalonien – auf dem Fahrrad, wenn alles klappt. Und wenn die Prinzessin einverstanden ist, selbstverständlich. blöMartin Klauka: „Mit der Katze weiter um die Welt“, Malik, 320 Seiten, 20 EuroHund und Katze vereint im Nichts„Zusammen sind Was und Nichts alles, was es gibt“, stellt der Hund vor dem Gemälde fest. Gerda Dendooven/Mixtvision VerlagDas Gedankenexperiment zwischen Hund und Katze dürfte Kinder und Erwachsene ebenso faszinieren wie diese beiden: Gibt es überhaupt ein reines Nichts? Oder beginnt nicht schon mit dem Gedanken daran (et)was? Im ersten Bilderbuch der flämischen Autorin Gaea Schoeters „Nichts, wirklich nichts?“, im März 2026 im Münchner Verlag Mixtvision erschienen, bittet der Hund die Katze, ihm etwas zu erzählen, irgendwas. Weil der Katze jedoch nichts einfällt, stellt er sie vor die umgekehrte Herausforderung: Sie solle einfach an nichts denken. Wie schwierig das ist, zeigt der sich daraus entspinnende Dialog. „Nichts ist langweilig“, wiederholt die Katze. „Im Gegenteil“, sagt der Hund. „Im Nichts ist alles möglich. Im Nichts ist nichts verboten. Nichts hat keine Regeln und Pflichten.“ „Also auch nichts, woran man sich halten kann“, mault die Katze, die sich allmählich nach ihrem warmen Katzenkorb zurücksehnt.In der dynamischen Beziehung von Hund und Katze, in ihren gleichermaßen klugen wie witzigen Dialogen spiegeln sich verschiedene philosophische Positionen. Die Illustrationen von Gerda Dendooven schicken die beiden Protagonisten dazu mit expressiver Gestik und Mimik auf einen Spaziergang, der sie „vielleicht in ein Gemälde von Rothko“ führt: Ein grellgelber Himmel, eine endlos rote Erde, getrennt nur von einer dünnen weißen Linie. Ein Ende? Oder ein Anfang? Ein wunderbar eigenwilliges und zum Weiterdenken anregendes Buch über die Leere als ein Reich voller Möglichkeiten. byGaea Schoeters: „Nichts, wirklich nichts?“, Mixtvision, 64 Seiten, 17 EuroTeamwork in der HerdeEin neugieriges Zwergschaf wirft einen Blick aus seinem Hausgarten über den Zaun, hinüber zu den kräftigen Bergschafen auf der Almweide. Eli Peter/Knesebeck VerlagAuf einer Wiese am Fuße der Alpen leben zwei Schafherden, getrennt durch einen Zaun. Die Bergschafe sind groß und kräftig, die Zwergschafe klein und frech. Als sie sich zum ersten Mal begegnen, wollen sie einander beweisen, wer der Beste ist: „Die Hörner bereit kommt es zum Streit“. Und schon kommt es zum Eklat. „Es stampfen die Hufe, / es schallen die Rufe. / Quer über die Schranke / ein Riesengezanke“, reimt Lisa Rühl in „Die krasseste Herde“. Als der Zaun mit lautem Krachen zu Boden geht, ist der Weg auf einmal frei. „Was bloß tun in dem Moment?/Am ehesten das, / was man schon kennt“.Urkomisch sind die betreten vor sich hin grasenden Schafe anzuschauen, die Eli Peter detailreich und charaktervoll illustriert hat. Alle tun so, als wäre nichts gewesen. Doch was ist das? Im Pauseneck liegen auf einmal fremde Schafe herum, misstrauisch schirmt man „die Lieblingsspeise voreinander ab im Kreise“. Bis die Schafe entdecken, dass es etwas gibt, das alle wollen. Was sie aber nur gemeinsam erreichen können.Kino:Schafe sterben nicht, sie werden zu WolkenDer Schafskrimi „Glennkill“ kommt ins Kino – als wollig-süße Fabel über Herdenblödheit, Herdenklugheit und den Glauben an Gott.Mit feinem Humor und ebensolchen Bildern erzählt das Garmischer Kreativ-Duo davon, wie Vorurteile abgebaut werden können und Teamwork gelingt. „Schafe waren für uns schon immer großartig, aber gerade sind sie gefühlt das Tier der Stunde. Durch ihre friedliche Art zusammenzustehen und zusammenzuhalten. Gemeinsam geht einfach mehr. Auch wenn man sich erst einmal fremd ist – es lohnt sich immer einen zweiten Blick zu werfen, weil einen der nicht selten positiv überrascht“, sagt Lisa Rühl. Songs zum schafstarken Buchabenteuer gibt es unter die-krasseste-Herde.de. byLisa Rühl: „Die krasseste Herde – oder der Tag, an dem der Zaun krachte“, Knesebeck, 80 Seiten, 18 EuroZiemlich bärige FreundeEin Bär wäre zwar ein imposantes Haustier – doch für Theo sehr langweilig, wenn er seinen Winterschlaf hält. Aline Portman/Mixtvision VerlagWie viele Kinder wünscht auch Theo sich ein Haustier. Aber das soll auf keinen Fall ein gewöhnliches Tier sein – sondern eines, „über das alle staunen würden“. Also möchte er etwas ganz Besonderes – einen Wal, einen Bären oder Löwen vielleicht. Doch irgendwie haben die alle einen Haken: Der Wal ist zwar groß und stark, würde aber nie in sein Zimmer oder ins Auto passen; der Bär indes hält so lange Winterschlaf – „Wer sollte in der Zeit mit ihm spielen?“. Und der Löwe erscheint zu unberechenbar: „Was, wenn mal kein Essen mehr im Haus wäre?“Hund Oskar wiederum träumt von einem außergewöhnlichen Herrchen. „Ein Herrchen, über das alle Hunde staunen würden.“ Ein Wikinger, eine Königin oder ein Astronaut vielleicht? Leider sind bei allen Nachteile zu befürchten: Der Wikinger könnte zu wild und die Königin zu beschäftigt sein. Und mit dem Astronauten im Weltraum – wo fände er da einen Baum zum Pieseln?So hängen Hund und Junge gleichermaßen frustriert ihren unerfüllten Träumen nach in Aline Portmans Bilderbuch-Geschichte „Zwei ganz besondere Freunde“. Bis die beiden zufällig aufeinandertreffen. Zunächst finden sie einander zwar nicht sonderlich interessant. Aber als sie beginnen, miteinander Ball zu spielen, geschieht etwas Unerwartetes: Aus den Einzelgängern werden Freunde. „Von da an machten sie zusammen ganz gewöhnliche Sachen. Und das fanden sie ganz besonders.“Poetisch und pointiert spürt die belgische Autorin und Illustratorin der Frage nach, was „besonders“ eigentlich bedeutet. Und erzählt in zarten Bildern eine traumhaft philosophische Geschichte darüber, dass manchmal auch das Gewöhnliche das ganz Besondere sein kann. Vorausgesetzt man ist bereit, etwas anderes zu finden als das, was man vorher meinte, suchen zu müssen. byAline Portman: „Zwei ganz besondere Freunde“, Mixtvision, 48 Seiten, 18 EuroBaden mit Fliegen und Freiheit für RinderNicht alle Lebewesen überstehen Emil Bachs Lyrik unbeschadet. Illustration aus dem Gedichtband „Die Fliege im Präteritum". Sophie Schillo/Schillo VerlagDer Wahl-Passauer Philipp Heidepeter alias Emil Bach ist ein Schelm. Der Liedermacher, Autor und Sprachästhet pflegt den Schabernack, jüngst in Form von Gedichten. Diese handeln von Koriander-Küssen und Wallach-Penissen, vom Streberkind Ferdinand und Waldverwalter Walter. In den pointenbefeuerten Miniaturen spielen Tiere eine große Rolle, wenngleich nicht alle Poesie gewordenen Fliegen und Libellen Bachs schwarzhumorige Lyrik unbeschadet überstehen. Etwa im Achtzeiler „Sekttaufe“: „Wenn Methodisten und Mormonen / hin und wieder Schaumwein tränken, / etwa nach dem Gottesdienst, / und in die Gläser Fliegen sänken, / die, im Schaum des Schaumweins badend, / dort sodann verreckten, / hülfe kein Gebet: Dann ersöffen / Insekten in Sekten in Sekten.“Das 2025 im Münchner Schillo-Verlag erschienene Büchlein ist kaum größer als ein iPhone 16. Wie schön es doch wäre – um im Konjunktiv des Gedichts zu bleiben –, wenn hier und da statt der Smartphones Büchlein wie dieses aus den Hosentaschen der Nation gezückt würden. Nach dem Motto: wenn schon Ablenkung, dann poetischer Natur. Inspirierendes Tierglück gibt’s hier übrigens auch, etwa Freiheit für Rinder: „Die Kühe von leblosen Scheichen, / die stoisch an Glashalmen malmen: / Lobin Hood stiehlt sie den Leichen. / Lobin Hood schenkt sie den Almen.“ Oder die zweifelhafte erotische Inspiration, mit der Optik und der Anmut eines Leoparden durch das Haus zu schleichen. Überschrift des Gedichts: „Sexshop und der Tag danach“. blöEmil Bach: „Die Fliege im Präteritum“, Schillo Verlag, 104 Seiten, 14 Euro