«Mehr Kriegsschiffe, weniger Konferenzen» fordert Amerikas Kriegsminister – an einer KonferenzPete Hegseth verspricht am Shangri-La-Dialog in Singapur den asiatischen Alliierten eine enge Zusammenarbeit. Aber nur, wenn sie ihren Teil zur Verteidigung beitragen.30.05.2026, 06.06 Uhr3 LeseminutenDer amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht am Shangri-La-Dialog in Singapur.Edgar Su / ReutersWer meinte, die verfahrene Situation im Krieg gegen Iran mache den amerikanischen Verteidigungsminister Pete Hegseth bescheiden, sah sich getäuscht. In seiner Rede am Shangri-La-Dialog in Singapur, dem bekanntesten Sicherheitsforum Asiens, demonstrierte er Stärke. «Wer Frieden will, muss sich auf Krieg vorbereiten», sagte Hegseth martialisch.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Amerika akzeptiert keine Trittbrettfahrer mehrHegseth sah es nicht für nötig zu erklären, warum die USA das Abenteuer gegen Iran eingegangen sind und wie sie glauben da wieder herauszukommen. In Bezug auf die laufenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran sagte er nur: «Jedes Abkommen mit Iran wäre ein gutes Abkommen.» Für die Region, die von den durch den Iran-Krieg verursachten Verwerfungen stark betroffen ist, war das wenig erhellend.Die Botschaft von Hegseth an die Alliierten und Partner im asiatischen Raum hatte eine doppelte Stossrichtung: Er versuchte zu versichern, dass sich die USA langfristig in der Region militärisch engagierten. Doch darauf verlassen könne sich nur, wer seinen Beitrag leiste. Trittbrettfahrer würden nicht mehr akzeptiert.«Unsere Partner in Asien haben erkannt, dass das Fundament einer dauerhaften Beziehung nicht auf idealistischen Werten beruht, sondern auf der Übereinstimmung nationaler Interessen», sagte Hegseth: «Wenn unsere Interessen einmal auseinandergehen, passen wir uns pragmatisch an – ohne Drama oder Moralisieren. Westeuropa sollte sich daran ein Beispiel nehmen.»Hegseth warnte davor, Amerikas Nationale Verteidigungsstrategie falsch zu interpretieren. Im Januar publiziert, sprach diese von einer Refokussierung auf die Verteidigung des Mutterlandes und der Westlichen Hemisphäre. Dies sei überfällig gewesen, sagte Hegseth, dies sei viel zu lange in Vergessenheit geraten. Das bedeute aber keine Abkehr oder dass man dem Westpazifik den Rücken zudrehe. Im Gegenteil.Hegseth sprach von einer berechtigten Sorge über «Chinas beispiellose militärische Aufrüstung». «Ein Pazifik, der von einer Hegemonialmacht dominiert wird, würde das regionale Kräftegleichgewicht zerstören», sagte der Verteidigungsminister. «Kein Staat, auch nicht China, darf eine Hegemonie erzwingen und die Sicherheit unserer Nation und unserer Verbündeten infrage stellen.»Für Hegseth zählt die KampfkraftInsgesamt zeigte sich der amerikanische Verteidigungsminister gegenüber dem grossen Rivalen aber eher versöhnlich. Es war offensichtlich, dass er die fragile Annäherung seit dem Gipfel zwischen den Präsidenten Trump und Xi in Peking vor drei Wochen nicht stören wollte.Man wolle den Dialog zwischen den Militärs beider Länder verstärken, so Hegseth. Er bedaure es, dass sein chinesisches Gegenüber nicht am Shangri-La-Dialog teilnehme, aber man werde andere Gelegenheiten für ein Gespräch haben. Traditionell erhält der chinesische Verteidigungsminister am Shangri-La-Dialog wie der amerikanische eine ganze Stunde für eine Rede mit darauf folgender Fragerunde. Chinas Amtsinhaber Admiral Dong Jun ist aber zum zweiten Mal in Folge in Singapur nicht anwesend.Trotz dem Lippenbekenntnis: So wirklich scheint Hegseth nicht an die vermittelnde Kraft von K0nferenzen zu glauben. «Wir brauchen keine weiteren Konferenzen. Wir brauchen mehr Kampfkraft – weniger Shangri-La, mehr Kriegsschiffe, mehr U-Boote.» In Anlehnung an Präsident Theodore Roosevelt sagte Hegseth, dass die USA sanft sprächen und einen grossen Knüppel trügen.Ob der der amerikanische Knüppel aber so beeindruckend ist, wie Hegseth es darstellt, daran bestehen Zweifel. Der Krieg gegen Iran hat ein grosses Loch in das Arsenal an Langstreckenraketen und Luftabwehrgeschossen gerissen. Die USA mussten für den Krieg im Nahen Osten Batterien und Einheiten aus Asien verlegen. Das hat die Frage aufgeworfen, ob die amerikanische Unterstützung für seine Alliierten und Partner in der Region wirklich so solide ist. Der Iran-Krieg hat Auswirkungen auf die Liefertermine amerikanischer Waffen.Hegseth versprach, dass Alliierte, die ihren Teil zur Verteidigung beitrügen, in der Warteschlange nach vorne rücken würden. Die Realität ist gegenwärtig eine andere: So erfuhr Japan, das Hegseth als einen der Modell-Alliierten in seiner Ansprache erwähnte, vor kurzem, dass es zwei Jahre länger auf die Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern warten muss, als ursprünglich vereinbart war. Diesen Widerspruch löste Hegseth nicht auf.Passend zum Artikel