PfadnavigationHomeICONISTTrends„Let's Dance“ 2026Joachim Llambi macht den Bohlen – Anna-Carina Woitschack gewinnt hochklassiges FinaleStand: 05:00 UhrLesedauer: 7 MinutenDas Siegerpaar: Schlagersängerin Anna-Carina Woitschack mit ihrem Tanzpartner Evgeny Vinokurov. Für den Profitänzer war es bei seinem fünften Einsatz die erste FinalteilnahmeQuelle: Getty Images/Pau Barrena„Let's Dance“ verteidigt 2026 den Titel als beste Gute-Laune-Show im deutschen Fernsehen. Das Finale war dabei tänzerisch so gut wie noch nie, die Finalisten aber etwas farblos. Und RTL ging wieder an die Schmerzgrenze.Es ist ja nicht so, dass die Verantwortlichen beim RTL, dem sympathischen, aber aktuell klammen Familiensender mit Sitz in Köln, nicht genau wüssten, was sie tun. Deshalb sah man, als nach vier Stunden und einer Minute Sendezeit um 0:16 Uhr am Samstagmorgen noch eine allerletzte der unzähligen Werbepausen eingelegt wurde, neben der Werbung für Waschmittel oder Intimrasierer ein kleines Fenster mit dem, was im Saal passierte.In diesem Splitscreen sah man etwa (ohne Ton), wie die drei Finalpaare sich nervös umarmten und zu nicht hörbarer Musik sanft bewegten. Zu diesem Zeitpunkt standen sie schon viele Minuten auf den ihnen zugewiesenen Punkten auf der Tanzfläche und warteten auf das finale Urteil.Man sah weiter – die Werbung plärrte unermüdlich –, wie Jurorin Motsi Mabuse ekstatisch ihre Arme in die Höhe riss und rhythmisch schwenkte, wie der vor einigen Sendungen bereits ausgeschiedene Tokio-Hotel-Schlagzeuger Gustav Schäfer, größter Sympathiegewinner dieser Staffel, mit Profitänzer Valentin Lusin Schnick, Schnack, Schnuck spielte, wie andere Profis zur Gute-Laune-Musik im Saal (am Fernseher lautlos) eine Polonaise imitierten. Ganz Fernsehdeutschland – beziehungsweise der Rest, dem noch nicht die Augen zugefallen waren – dachte wohl, was ein User auf X auf den Punkt brachte: „Junge, macht mal hinne, es ist bald halb eins.“So spät wurde es dann tatsächlich, bis Moderatorin Victoria („Steinchen“) Swarovski sagte, dass es noch nie eine so knappe Entscheidung in einem Finale der mittlerweile 19 Staffeln „Let's Dance“ gegeben habe. Um nach weiteren Sekunden, von RTL mit lautstarkem Herzschlag unterlegt, zu verkünden, dass Anna-Carina Woitschack zusammen mit ihrem Tanzpartner Evgeny Vinokurov gewonnen hat. Sie ist „Dancing Star 2026“! Ganz knapp gefolgt vom französisch-deutschen Rapper Milano und Profitänzerin Marta Arndt. Dritter wurde der Schweizer „Ninja Warrior“-Sieger Joel Mattli mit seiner Partnerin Malika Dzumaev. Alle drei Prominenten waren fantastische Tänzer.Oberjuror Joachim Llambi, der einzige Mensch in einem RTL-Showformat, der noch mit „Herr“ und „Sie“ angeredet wird, hat mit Anna-Carina Woitschack seine Siegerin bekommen. Llambi machte in dieser Staffel gewissermaßen den Dieter Bohlen. Denn ähnlich wie der Jury-Zampano von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) einst seinen Liebling Menowin Fröhlich zum Sieger zu reden versuchte, legte sich Llambi unermüdlich (und für manche Zuschauer ermüdend) für Woitschack ins Zeug.Lesen Sie auchZu den drei Finaltänzen der Sängerin sagte er unter anderem: „Wenn ich die ganze Staffel Revue passieren lasse, war das der beste Tanz von allen“, „10 Punkte. Alles andere ist eine Frechheit“ und „Ich weiß nicht, was man noch alles tun soll, um hier zu gewinnen. Besser geht es nicht.“ Am Ende erzählte Llambi in seinem persönlichen Woitschack-Werbeblock sogar noch, dass sie seit März für jeden Tanz – außer der Rumba – stets Höchstwertungen von neun oder zehn Punkten bekommen habe. Mehr Parteinahme gab es bei „Let's Dance“ selten.Lesen Sie auchDass es dennoch so knapp wurde, lag daran, dass noch nie in einer Staffel so viele talentierte Tänzer unter den Prominenten waren. Aber wir reden hier nicht von einer Sportveranstaltung, sondern von einem Entertainmentformat: Es fehlte etwas an Charakteren. An Menschen, mit denen die Zuschauer wirklich mitfiebern konnten.Davon gab es im Grunde nur zwei: den Vollblutentertainer Ross Antony, der es mit seiner Begeisterung, seinem Optimismus (und auch seinem unermüdlichen Gequatsche) beinahe ins Finale geschafft hätte. Und eben Gustav Schäfer, Schlagzeuger von Tokio Hotel, ein in jeder Hinsicht stabiler Typ, der durch seine erfrischend bodenständige Art und seinen trockenen Humor von den Publikumsanrufen deutlich weitergetragen wurde, als es seine tänzerischen Leistungen eigentlich rechtfertigten.Der Skandal der Staffel: Vielleicht setzte sich Llambi auch deshalb so sehr für Woitschack, zuvor aber auch für Milano und vor allem Joel Mattli ein, weil er nach Show 8 Anfang Mai genug von den nur Halbtalentierten hatte.In der Sendung mit dem Motto „Partner Switch“ hatte „No Angels“-Sängerin Nadja Benaissa zunächst 26 Punkte (von 30 möglichen) für ihren Jive mit Massimo Sinató erhalten und anschließend sogar die Höchstwertung von 30 Punkten für ihren Tango mit ihrem regulären Tanzpartner Vadim Garbuzov. Dennoch wurde sie, obwohl sie auf Platz zwei lag, von den Zuschauern rausgewählt. Gustav Schäfer, von der Jury deutlich schwächer bewertet, durfte bleiben.In einem Instagram-Post machte Llambi seinen Ärger über das Publikumsvotum öffentlich. „Für mich ein Schlag ins Gesicht für Leistung und Fairness“, schrieb er. Und schloss mit den Worten: „Wo Leistung nichts mehr zählt, verliert die Show. Germany 0 Points.“„Reisende“ auf der Suche nach Profil: An Tanztalenten mangelte es der Klasse von 2026 wahrlich nicht. Neben den Finalisten bewiesen das vor allem noch der GZSZ-Schauspieler Jan Kittmann und eben Nadja Benaissa.Das Problem war eher, dass sie – Benaissa ausgenommen – kein wirklich prägnantes Profil entwickelten. Jedenfalls keines, das nachhaltig in Erinnerung blieb. Ob Joel Mattli, der körperlich extrem fitte und smarte Schweizer mit Business-Abschluss, Milano, tänzerisch hochbegabt und dank seines jugendlichen Aussehens sowie seines weichen französischen Akzents besonders bei weiblichen Fans beliebt, oder Anna-Carina Woitschack, deren Ehrgeiz und Leistungen den Hardcore-Fans der Sendung großen Respekt abnötigen:Alle drei Finalisten, auf die es früh hinauslief, hatten das Problem, dass sie zwar ständig betonten, wie „emotional“ alles sei und wie sehr sie sich durch die Show geöffnet hätten – allein: Man hörte es, man spürte es nicht. Deshalb wirkte vieles ungefähr so glaubwürdig wie die Gefühle, die Mikrofonhalterin Victoria Swarovski nach den Tänzen regelmäßig zu übermannen scheinen.Die größte Platitüde: Das Wort „Reise“, die diese Staffel – wie alle drei Finalisten nicht müde wurden zu betonen – für sie gewesen sei.Ja, sicher. Aber beim nächsten Mal bitte etwas präziser. „Reise“ ist eine der hohlsten Standardfloskeln überhaupt. Sie geht immer und sagt nichts. Im Showbusiness gehört sie längst zum Pflichtvokabular. Vielleicht einfach mal etwas anderes überlegen. Danke.Aufreger des Abends: Zum festen Besteck von „Let's Dance“ gehört es, populäre Popsongs für die Tänze passend umzubauen. Das führt immer wieder zu abenteuerlichen Versionen – im Finale besonders häufig.Was aus Rihannas „Umbrella“ gemacht wurde, damit die spätere Siegerin dazu Quickstep tanzen konnte, grenzte bereits an grobes Foulspiel. Und man mag die Gallagher-Brüder mögen oder nicht: „Wonderwall“ von Oasis zu einer Big-Band-Jazznummer umzuformen, haben selbst Oasis nicht verdient.Punkteflut und Punkterätsel: Lange Zeit sah es so aus, als würden alle Paare mit voller Punktzahl durch den Abend segeln.Anna-Carina Woitschack schaffte mit Vinokurov tatsächlich bei allen drei Finaltänzen die vollen 90 Punkte. Milano bekam zweimal „nur“ eine Neun und kam insgesamt auf 88 Jury-Punkte.Warum aber beim letzten Tanz, an dem nichts kritisiert wurde, Motsi Mabuse dem Rapper lediglich neun statt der an diesem Abend üblichen zehn Punkte gab, blieb ihr Geheimnis. Ebenso die Frage, warum Joel Mattli für seinen letzten Tanz (Elvis-Medley) nach großem Lob am Ende nur dreimal neun Punkte erhielt. Das war durchaus entscheidend – und hätte eine Erklärung verdient.Lesen Sie auchFrage des Finales: „War das ein Kuss?“, fragte sich die „Let's Dance“-Gemeinde nach dem letzten Tanz („Freestyle“) von Milano und Marta.Die beiden hatten sich das Thema „Spider-Man“ ausgesucht – von Milano französisch als „Spiderman“ ausgesprochen – und endeten in jener berühmten Kopfüber-Kuss-Szene, die im Film einst von Tobey Maguire und Kirsten Dunst perfektioniert wurde.Es gehört zur guten „Let's Dance“-Tradition, darüber zu spekulieren, ob aus den Wochen intensiven Trainings mehr entstanden ist als nur tänzerische Harmonie. Im Finale wurde deshalb bei zwei Paaren besonders genau hingesehen: bei Joel und Malika sowie bei Milano und Marta.Die Antwort lautet wie so oft: Nichts Genaues weiß man nicht. Akteure wie Kameraleute ließen die Kussfrage – ganz Profis – bewusst in der Schwebe.Die gute Nachricht: Anna-Carina Woitschack dürfte damit so ziemlich alle relevanten Formate des Privatfernsehens durchlaufen haben. Und sie kann sich mit einem Triumph von der Bildfläche verabschieden.Hoffentlich macht sie ihren Frieden. Dagegen spricht allerdings, dass sie auch im Finale immer wieder damit haderte, sich missverstanden zu fühlen. Stets müsse sie gegen die mangelnde Liebe eines Teils des Publikums ankämpfen. Und gegen Vorurteile.Typischer Kommentar zu Anna-Carina Woitschack auf X: „Ich weiß nicht, warum, aber ich fühl sie einfach nicht.“Satz, der hängen blieb: „Ich bin froh, dass ihr alle letztes Jahr nicht da wart. Denn dann stünde ich jetzt nicht hier.“ (Diego Pooth, Vorjahressieger, bei der Verkündung des Ergebnisses)Am Freitag, 5. Juni, läuft noch die „Let's Dance Profi-Challenge 2026“ um 20.15 Uhr bei RTL und RTL+.
„Let's Dance“ 2026: Joachim Llambi macht den Bohlen – Anna-Carina Woitschack gewinnt hochklassiges Finale - WELT
„Let's Dance“ verteidigt 2026 den Titel als beste Gute-Laune-Show im deutschen Fernsehen. Das Finale war tänzerisch hervorragend, die Finalisten nur etwas farblos. Und RTL ging wieder an die Schmerzgrenze.








