Eine der gefährlichsten Krankheiten der Welt ist wieder ausgebrochen. Man kennt sie seit fünfzig Jahren, und trotzdem ist es bislang unmöglich, sie zu heilen, und sehr schwer, sie einzudämmen. Es war diesmal sogar schwer, sie überhaupt zu erkennen. Die Rede ist vom Ebola-Fieber, das in den Nachrichten oft auch einfach nur Ebola genannt wird. Dabei ist das der Name eines Flusses in der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika, in dessen Nähe die Erkrankung 1976 zum ersten Mal entdeckt wurde.Unsere Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“F.A.Z.Seitdem ist die Krankheit, die durch ein Virus übertragen wird, allein in diesem Land 17-mal ausgebrochen. Diesmal sind dort mehr als 200 Menschen gestorben und mehr als 850 wahrscheinlich infiziert. Das sind aber nur die Zahlen, die offiziell erfasst wurden. Genau kann man das nicht sagen, weil man dafür alle Menschen mit ähnlichen Symptomen, also Krankheitsanzeichen, untersuchen müsste. Und dafür müsste man sie erst einmal finden.Eine seltene VarianteIn der Region von Kongo, in der die Krankheit vor ein paar Wochen ausgebrochen ist, wird seit Jahren gekämpft. Viele Menschen sind auf der Flucht, die Versorgung ist zusammengebrochen, viele Dörfer liegen im Dschungel und sind schwer erreichbar. Und wer in die Gegend kommt, um zu helfen, muss damit rechnen, ebenfalls angegriffen zu werden.Das sind schlechte Bedingungen, um eine Krankheit in den Griff zu bekommen, die sich ausbreitet. Zumal das Virus, mit dem sich die Leute diesmal gegenseitig anstecken, eine seltene Ebola-Variante ist: Man nennt sie Bundibugyo. Vorher ist sie nur ein einziges Mal aufgetreten, vor bald 20 Jahren.Ansteckung durch KörperflüssigkeitenDie Forscher haben sich bislang vor allem um andere, häufigere Ebola-Varianten gekümmert. Für sie gibt es inzwischen Tests und Impfstoffe. Bei der Bundibugyo-Variante funktioniert aber beides nicht. Man kann die Menschen also nicht vorher schützen, und man kann auch nicht ohne Weiteres erkennen, woran sie erkrankt sind. Dabei ist völlig klar, dass es den Kranken sehr schlecht geht: Das Ebola-Fieber beginnt vielfach mit hohen Körpertemperaturen und Kopf- und Gliederschmerzen, die Menschen haben oft Durchfall oder müssen sich erbrechen, sie verlieren dadurch Flüssigkeit und Energie. Manche Patienten bluten innerlich, ihre Organe versagen. Viele sterben.Übertragen wird Ebola durch direkten Kontakt mit dem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten kranker Menschen. Wer also einen Ebola-Patienten pflegt oder einen Verstorbenen bestattet, ohne sich zu schützen, kann sich selbst anstecken.Die beste VersorgungMitte Mai hat die Weltgesundheitsorganisation die höchste Alarmstufe für diesen Krankheitsausbruch ausgerufen: Er ist eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“, wie die Covid-19-Pandemie vor sechs Jahren. Beim letzten Ausbruch des Ebola-Fiebers, der so eingeordnet wurde, starben 2014 in Westafrika mehr als 11.000 Menschen.Auch in Deutschland gibt es diesmal einen Fall von Ebola-Fieber. Aber das ist keine schlechte Nachricht. Ein amerikanischer Arzt hatte sich in Kongo bei der Bekämpfung des Ausbruchs angesteckt. Weil der Weg zurück in die USA, wo ihm besser geholfen werden kann als im Katastrophengebiet, so weit ist, haben die amerikanischen Behörden gefragt, ob er auch in einem berühmten und ebenfalls für höchst ansteckende Krankheiten bestens ausgestatteten Krankenhaus in Berlin behandelt werden könnte, in der Charité.Auf HochtourenDie Sonderisolierstation der Charité ist getrennt vom Rest des Krankenhauses. Das Pflegepersonal trägt vollständige Schutzanzüge, das Abwasser und selbst die Luft werden gereinigt, bevor sie das Gebäude verlassen. Dabei wird das Ebola-Virus ja nicht einmal durch die Luft übertragen wie eine Erkältung.Kurz nach ihm ist auch die Familie des Arztes in der Charité angekommen. Auch sie muss jeden direkten Kontakt mit anderen Menschen vermeiden, obwohl die Frau und die vier Kinder keine Krankheitssymptome zeigen. Sie können ihren kranken Vater durch eine Glasscheibe sehen und mit ihm sprechen. Hoffentlich geht es ihm bald wieder gut – und hoffentlich sind die Impfstoffe und Medikamente auch für die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus bald einsatzbereit! Gearbeitet wird an ihnen jedenfalls auf Hochtouren.