Doppelter Rückschlag für Jeff Bezos: Die neue Schwerlastrakete New Glenn seiner Space-Firma Blue Origin ist eine Woche vor dem geplanten vierten Flug auf der Startrampe in Cape Canaveral/Florida explodiert. Die Rakete, die mit 45 Tonnen etwa doppelt so viel Fracht in den niedrigen Erdorbit transportieren kann wie die europäische Ariane 6, sollte erstmals 48 Satelliten für das Breitbandnetz Amazon Leo ins All bringen. Zuletzt hatte die Ariane 32 dieser Satelliten in den Erdorbit gebracht. Amazon Leo befindet sich mit derzeit rund 300 Satelliten im Aufbau und gilt als künftiger Konkurrent zum Starlink-System von Space-X.Die Explosion ereignete sich während eines Triebwerktests am Donnerstagabend Ortszeit, wie ein Video zeigt. Die New Glenn explodierte dabei mit einem gewaltigen Feuerball. An Bord der Rakete habe sich aber kein Satellit befunden, wie ein Amazon-Sprecher mitteilte.Jeff Bezos will das Quasi-Raketenmonopol von Elon Musk brechenBlue Origin bezeichnete die Explosion als „Anomalie“, Mitarbeiter hätten sich in Sicherheit befunden. „Ein sehr harter Tag, aber wir werden alles wieder aufbauen, was wieder aufgebaut werden muss, und wieder fliegen“, schrieb Bezos auf der Plattform X. Einen Grund für die Explosion nannte er nicht, dazu sei es noch zu früh. Erst im April hatte die Rakete beim dritten Flug wegen eines Problems mit der Oberstufe einen Kommunikationssatelliten in der falschen Höhe ausgesetzt. Nach eingehenden Untersuchungen hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA Flüge mit der Rakete erst vor einer Woche wieder freigegeben. Nach der Explosion teilte die Behörde nach Angaben der Agentur Bloomberg mit, dass der Fehlschlag keine Auswirkungen auf weitere Flüge habe, da der Bodentest nicht zum Arbeitsbereich der FAA gehört habe. Das Starship hingegen, das vor einer Woche nach einem erfolgreichen Flug bei der Wasserung im Indischen Ozean explodiert war, darf hingegen vorläufig nicht starten. Grund dafür sei die missglückte Landung der Unterstufe im Golf von Mexiko.Die Entwicklung der New Glenn von Blue Origin hatte sich ohnehin schon jahrelang verzögert. Jeff Bezos will damit auch gegenüber dem Quasi-Raketenmonopol von Elon Musk aufholen. Nun also ein weiterer Rückschlag. „Die Explosion auf der Startrampe ist ziemlich bedauerlich, das hätte ich nicht erwartet“, sagte der frühere Space-X-Ingenieur Hans Koenigsmann der SZ. Als einer der ersten Ingenieure von Space-X hatte er für Elon Musk die Falcon-Rakete mit entwickelt. Im Dezember war er mit der kleineren Rakete New Shepard von Blue Origin für einige Minuten ins All geflogen.Reden wir über Geld:„Ich mache nur noch Sachen, die mir Spaß machen“Raumfahrtingenieur Hans Koenigsmann hat die Raketen für Space-X mitentwickelt. Nun fliegt er zu einem Kurztrip ins All. Ein Gespräch über seinen Flug, was seine Familie davon hält und wie es war, Elon Musk in seinem Wohnzimmer zu empfangen.Auch Koenigsmann hatte bei der Falcon-Entwicklung vor 20 Jahren einige Explosionen bei den ersten Flügen erlebt. „Diesmal ist ja nicht nur die Rakete zerstört worden, sondern auch die Startrampe“, sagte er. „Das ist letztlich für die ganze Industrie schlecht, weil es eine Kettenreaktion nach sich zieht.“ So werde der Zwischenfall auch Auswirkungen auf das Mondprogramm der Nasa haben. Blue Origin soll neben Space-X bis 2027 einen Mondlander liefern. Außerdem hatte die Nasa erst in dieser Woche bekannt gegeben, dass Blue Origin am Aufbau einer Mondbasis beteiligt werden soll.Nasa-Chef Jared Isaacman kündigte an, den Vorfall gründlich untersuchen zu wollen. Mögliche Auswirkungen auf das Mondprogramm seien aber noch nicht absehbar. „Die Raumfahrt ist gnadenlos, und die Entwicklung neuer Trägerkapazitäten für schwere Lasten ist außerordentlich schwierig“, so Isaacman auf der Plattform X. Auch SpaceX-Chef ‌Elon Musk äußerte sich dort: „Höchst bedauerlich. Raketen sind schwierig.“ Space-X will voraussichtlich im Juni an die Börse gehen.Blue Origin hat rund ein Jahrzehnt und mehrere Milliarden Dollar investiert, um die knapp 100 Meter hohe mehrmals verwendbare Rakete zu entwickeln. Nur der zweite Flug mit zwei Marssonden an Bord ist bislang reibungslos verlaufen, Erststart war im Januar 2025, dabei klappte die Landung der Unterstufe nicht. Die Rakete ist nach dem Astronauten John Glenn benannt, der 1962 als erster Amerikaner die Erde umkreist hatte.