Der Direktor der in Frankfurt ansässigen Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, sieht den Aufbau von Standorten der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Deutschland zwiespältig. Yad Vashem sei eine Einrichtung der israelischen Regierung, in der derzeit auch rechtsradikale Politiker säßen, sagte der israelisch-deutsche Pädagoge am Freitag im Deutschlandfunk. Man müsse aufpassen, welche Deutungsmuster von Holocaust und Antisemitismus von dort aus transportiert würden. Bestimmte Kräfte in Israel seien daran interessiert, schon Kritik an der israelischen Regierung als antisemitisch zu charakterisieren, erläuterte Mendel. Es müsse verhindert werden, dass die Erinnerung an den Holocaust für aktuelle politische Zwecke instrumentalisiert werde. Mendel sagte, er hätte es vorgezogen, wenn die Außenstellen von Yad Vashem in enger Zusammenarbeit mit deutschen Erinnerungsorten wie etwa dem NS-Dokumentationszentrum in München aufgebaut würden. Holocaust-Gedenken soll gestärkt werden Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem erstmals Anlaufstellen im Ausland gründen will. Innerhalb von drei Jahren soll ein Bildungszentrum mit Hauptstandort in München und Außenstelle in Leipzig eröffnet werden.Die Idee für die erste internationale Außenstelle geht auf ein Treffen des Vorstandsvorsitzenden von Yad Vashem, Dani Dayan, und des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) im Jahr 2023 zurück. Bundes- und Landespolitiker begrüßten die Entscheidung am Donnerstag. Lebendiges jüdisches Netzwerk Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) betonte, gerade junge Menschen wüssten zu wenig über die Ermordung von Juden in der NS-Zeit. „Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern.“ Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte, jüdisches Leben gehöre fest zu Bayern, das zu seiner geschichtlichen Verantwortung stehe. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bezeichnete den Zuschlag für Leipzig als Ehre und Verpflichtung zugleich. Dort gebe es eine wieder stark gewachsene jüdische Gemeinde, ein lebendiges Netzwerk und renommierte Institutionen. (KNA)
Yad-Vashem-Standorte in Deutschland: Meron Mendel befürchtet Einflussnahme der israelischen Rechten
Yad Vashem sei eine Einrichtung der israelischen Regierung, der Rechtsradikale angehörten, gibt der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank zu bedenken. In München und Leipzig sollen Zweigstellen der Holocaust-Gedenkstätte entstehen.










