Es braucht noch ein wenig Vorstellungskraft, aber wenn alles nach Plan läuft, dann wird aus einem Drittel der 3000 Quadratmeter großen Brachfläche auf Höhe der Ganghoferstraße 49 bald das „Im Dazwischen“. In Xenya Jägers Vorstellung soll das ganz im Sinne des Wortes ein Ort werden, an dem sich Wege kreuzen, Verbindung entsteht. Das ganze Jahr über, nicht nur im Sommer.Neben einem kleinen Biergarten und Kreativ-Café sind Vorlesestunden für Kinder geplant; Jäger denkt außerdem entsprechend einer „soziokulturellen Zwischennutzung“ an ein Pub-Quiz, eine Silent Disco, an Yoga- und Tanzstunden, an eine Austauschmöglichkeit für neurodivergente Menschen, etwa solche mit Autismus oder ADHS. Im Winter hätte sie Lust, weitere Teile der Fläche von der Stadt vorübergehend anzumieten, um einen Adventsmarkt zu organisieren oder eine Eisstockbahn aufzubauen.Die Idee für all das hatte Jäger schon, als sie noch das „Sehrwohl“ im Westend betrieb. Vor ziemlich genau vier Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Fläche zwischen Sendling und dem Westend. Sie wollte eins der Hochbeete von Greencity anmieten. Dazu kam es am Ende nicht, aber der Gedanke, dass hier etwas entstehen könnte, der hat Jäger seitdem nicht losgelassen. Ihr Konzept, damals noch angedacht für die gesamten 3000 Quadratmeter, reichte sie vor gut zweieinhalb Jahren zum ersten Mal bei der Stadt ein.Als sie jedoch den Mietvertrag in den Händen hielt, sei sie erst einmal erschrocken, erzählt sie. Wie viel Miete sie für die gesamte Fläche hätte zahlen müssen, verrät sie nicht. Nur: Es war ihr zu viel. Also entschied sie sich, erst einmal nur einen Teil anzumieten. Doch auch das dauerte wegen Baugenehmigung, Bauantrag und nach einigem Hin und Her länger als geplant. Erst im März 2026 konnte Jäger den Mietvertrag unterschreiben.Mittlerweile stehen in einer Ecke der Brachfläche, die sich auf dem alten Messegelände befindet, einige Blumenkübel. Die hat Jäger von der Organisation Freiraumviertel bekommen, um den Weg nach unten zu den Hochbeeten nicht absperren zu müssen, aber kenntlich zu machen, dass der untere Bereich der Fläche nicht zum „Im Dazwischen“ gehört. Das Toilettenhäuschen sowie ein Container, der der Initiative Urbanauten gehörte, stehen schon links vom Eingang. Letzterer könnte einmal Bar Nummer zwei werden.Die Toilettenhäuschen stehen schon, der Container davor könnte einmal Bar Nummer zwei werden. Die Wand links soll zur „Hall of Fame“ werden. Catherina HessDie Hochbeete im unteren Bereich werden von Greencity betrieben. Catherina HessRechts vom Eingang stehen zwei blaue Container und ein Bauwagen, den sie den Betreiberinnen des ehemaligen Cafés Steinchen abgekauft hat, dazwischen eine kleine Terrasse. Der Bauwagen wird noch zu Bar Nummer eins umfunktioniert. Der eine Container zum Lager, umschlossen von einem vertikalen Kräuterbeet, der andere zu einer Art kleinem, wetterfestem Wohnzimmer. Aus Statikgründen müssen sie alle entlang des Zauns stehen, unterhalb des Hügels geht es nämlich drei Etagen in die Tiefe.Der Bauwagen wird Bar Nummer eins, die beiden Container dienen als Lager und als eine Art kleines Wohnzimmer bei schlechtem Wetter. Catherina HessNoch weist nur ein gelber, laminierter Zettel darauf hin, dass sich hier bald das „Im Dazwischen“ befinden wird. Catherina HessJäger würde gerne spätestens Anfang Juni eröffnen. Ob das klappt, ist unklar, sicher aber ist: Nicht alles wird bis dahin fertig sein – und das ist Teil des Konzepts. Jäger will, dass das „Im Dazwischen“ ein Gemeinschaftsprojekt wird, „ich glaube an den Kollektivgedanken“: Wer ein Event planen oder einen Workshop geben will, dürfe sich deshalb gerne mit Ideen bei ihr melden.Der Verein, der dafür die Struktur bieten soll, heißt Li.La Kollektiv, auch wenn die offizielle Vereinsgründung noch läuft. Neben ihrem Geschäftspartner Christian Haase von der ebenfalls gegründeten Zwischenland UG gehören Architekt Alexander Görl und Werkstudentin Line Thomas zum Kernteam, aber auch hier gilt laut der Vorsitzenden Jäger: weitere Mitglieder sind erwünscht.Neben Xenya Jäger (rechts) gehören Alexander Görl, Christian Haase und Line Thomas (von links) zum Kernteam. PrivatGanz bewusst habe sie nicht bei den Hahn-Brüdern, die unter anderem den Bahnwärter Thiel betreiben, oder den Steinke-Schwestern, die nun für das Backsteinchen verantwortlich sind, angefragt, sagt Jäger – und das, obwohl sie so etwas wie Experten für Zwischennutzung sind. Jäger wollte etwas Eigenes schaffen, aber anders als noch das „Sehrwohl“ wollte sie es auch nicht ganz allein machen. Deshalb der gemeinnützige Verein, deshalb der Wunsch nach etwas, das mehr ist als nur eine Gastronomie.Ganz ohne den Verkauf von Spritz, Bier, Kaffee und kleinen Snacks geht es aber freilich nicht. Immerhin schätzt Jäger, dass sich die Kosten auf 70 000 bis 80 000 Euro belaufen werden. Den Betrag müssen Jäger und ihr Partner aber nicht allein aufbringen, unter anderem die Bezirksausschüsse Sendling und Schwanthalerhöhe bezuschussen das Vorhaben.„Marina Monaco“:Ein „Yachthafen“ in München?Am Frankfurter Ring gibt es jetzt einen kleinen See, mit Booten und Liegestühlen drum herum. Zu Besuch bei einem Projekt, das den Norden der Stadt neu erfinden will.Der Mietvertrag läuft aktuell bis 2027, Jäger gibt sich allerdings zuversichtlich, dass eine Verlängerung möglich sein wird. „Wir planen mittel- bis langfristig“, sagt sie. Dass die Stadt nach knapp drei Jahrzehnten, in denen die Fläche mehr oder weniger durchgehend brach lag, plötzlich das Geld für die theoretisch geplante Schule hat, glaubt sie nicht.Egal aber, wie lange die Zwischennutzung am Ende Bestand haben wird und ob das Konzept noch einmal angepasst wird, jetzt muss es erst einmal losgehen. Dafür laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Zäune werden eingeschlagen, damit niemand den steilen Hang hinunterfallen kann, Kühlschränke für Getränke werden angeliefert, die Container und der Bauwagen sollen hübsch bemalt werden, die Pflanzenkübel müssen an ihren Platz, Fahrradständer fehlen noch und auch ein richtiges Schild samt Logo wäre nicht schlecht. Aber mei, es wird schon.Ob die Eröffnung zu Jägers aktuellem Wunschtermin am 4. Juni klappt, bleibt deswegen abzuwarten. Am 20. Juni aber hat das „Im Dazwischen“ auf jeden Fall schon geöffnet. Dann sollen zwei Tage lang 30 Künstlerinnen und Künstler, die sogenannte Hall of fame gestalten, die das Gelände nach links abgrenzt. Danach soll die riesige Wand zur legalen Sprühfläche für alle werden. Was dazwischen noch alles passiert? Egal, Hauptsache es wird in jeder Hinsicht bunt.Über das aktuelle Programm kann man sich auf www.imdazwischen.de informieren.