Terrorprozess in Österreich: Islamist wegen geplanten Anschlags auf Taylor-Swift-Konzert verurteiltDer IS-Anhänger, der ein Attentat auf eines der Wiener Konzerte des amerikanischen Superstars verüben wollte, muss lange in Haft. Die Geschworenen befanden ihn auch der Beihilfe zu einem Mordversuch in Mekka für schuldig.28.05.2026, 21.34 Uhr4 LeseminutenBeran A. und der Zweitangeklagte Arda K. werden in den Gerichtssaal in Wiener Neustadt gebracht.Lisa Leutner / ReutersDer Islamist Beran A., der vor zwei Jahren einen Anschlag auf eines der Wiener Konzerte von Taylor Swift geplant hatte, ist am Donnerstagabend von einem Gericht in Wiener Neustadt unter anderem wegen des Verbrechens terroristischer Straftaten schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen verurteilten ihn zudem für Vorbereitungshandlungen zum Bau einer Bombe und die versuchte Einfuhr verschiedener Waffen nach Österreich.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Schuldspruch für Beran A. ist keine Überraschung. Der inzwischen 21-Jährige hatte schon am ersten Prozesstag Ende April gestanden, ein Attentat auf eines der Konzerte geplant zu haben. Er erwog dafür verschiedene Pläne: Einer war, als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes ins Ernst-Happel-Stadion zu gelangen, wo die Auftritte des amerikanischen Pop-Stars hätten stattfinden sollen. Dafür nahm er auch Kontakt mit der zuständigen Firma auf.Dann dachte er darüber nach, mit einem Lastwagen «irgendwo reinzufahren», wie er erklärte, «bewaffnet mit Bomben und Messern». Auch dafür traf er Abklärungen, die scheiterten. Zum einen fehlte ihm der entsprechende Führerschein. Zum anderen gelang es Beran A. weder, Schusswaffen im Ausland zu bestellen, noch eine Bombe zu basteln. Die Anleitung und chemische Substanzen hatten die Ermittler schon bei der Hausdurchsuchung nach der Festnahme des Mannes gefunden. Aber die Konzentration der Schwefelsäure sei zu gering gewesen, erläuterte Beran A. vor Gericht.«Ich war ein grosser IS-Fanatiker»Auch seine Motivation wurde im Prozess deutlich. «Ich war ein grosser IS-Fanatiker», sagte der Angeklagte in seiner Einvernahme aus. Er postete online ein Bekenntnis zur islamistischen Terrororganisation und wollte, dass diese auf ihrem Nachrichtenkanal über ihn berichtet. Er habe zu einem Helden und international berühmt werden wollen, so Beran A.Wegen seiner Spuren im Internet wurde ein amerikanischer Geheimdienst rechtzeitig auf den Islamisten aufmerksam und warnte die österreichischen Behörden, die diesen am Tag vor dem ersten Konzert Swifts festnahmen. Dennoch wurden alle drei Konzerte des Superstars aus Sicherheitsgründen abgesagt. Als er das in der Untersuchungshaft sah, habe er lachen müssen, erklärte Beran A. Er habe es in die Schlagzeilen geschafft, ohne dass Menschen sterben mussten. «Meine Mission hat sich erfüllt.»Im Prozess ging es ausführlich um die Radikalisierung des jungen Mannes, die innerhalb rund eines Jahres erfolgte. Während einer wenig erfolgreichen Schul- und Ausbildungszeit wurde der Einzelgänger angeblich gemobbt, er experimentierte mit Drogen und driftete schliesslich in eine Parallelwelt ab, wie seine Mutter der «Kronen Zeitung» sagte. Grossen Einfluss auf ihn hatte sein ehemaliger Schulfreund Hasan E., der ihm islamistische, gewaltverherrlichende und frauenverachtende Videos schickte.Seine Verteidigerin zeichnete diesen Freund als einen Anführer nach, dem Beran A. verfiel und gefallen wollte. Er sei durch diesen zu einem fanatischen Islamisten geworden, der selbst in salafistischen Kreisen als zu extrem galt. Als Zeuge sagte im Prozess etwa ein streng religiöser Lehrer eines Moschee-Vereins aus, der den Angeklagten kannte und wegen dessen immer radikaleren Ansichten auf Abstand ging.Geplantes Terrorkomplott mit Anschlägen in drei LändernHasan E. sitzt mittlerweile in Saudiarabien in Haft. Er hatte im März 2024 vor der Heiligen Moschee in Mekka auf einen Sicherheitsbeamten eingestochen und vier weitere Personen verletzt. Ihm droht die Todesstrafe, er war deshalb beim Prozess in Wiener Neustadt nicht anwesend. Sein Mordversuch war laut der Anklage indes Teil einer Komplotts, gemeinsam mit Beran A. und dem Zweitangeklagten Arda K., gleichzeitig in drei verschiedenen Ländern Anschläge zu verüben. Das Ziel sollten gemässigte Muslime sein, die nach der Ideologie der drei in Österreich geborenen Männer die Religion nicht streng genug praktizierten und deshalb «Ungläubige» seien.Beran A. befand sich auch tatsächlich in Dubai, als Hasan E. in Mekka zuschlug. Arda K. war zeitgleich in Istanbul. Anders als der angebliche Anführer des Trios schreckten die beiden letztlich vor Attentaten zurück. Sie standen aber in engem Austausch mit Hasan E. und telefonierten vor der Tat stundenlang mit ihm, weshalb die Staatsanwaltschaft ihnen Mittäterschaft am Mordversuch vorwarf.Diesen Vorwurf, Hasan E. zu seinem Mordversuch aus der Distanz bestärkt zu haben, stritten Beran A. und Arda K. ab. Ihre Anwälte zeichneten den in Saudiarabien Inhaftierten als klaren Rädelsführer, der als Überzeugungstäter keine mentale Unterstützung oder Anstiftung gebraucht habe. Ihre Mandanten seien bloss Mitläufer gewesen. Die Geschworenen überzeugte diese Darstellung indes nicht. Sie sprachen beide Männer auch wegen der Beihilfe zum Mordversuch schuldig.Die Angeklagten präsentierten sich vor Gericht reuig und entschuldigten sich für ihre Taten. «Heute bin ich ein komplett anderer Mensch», sagte etwa Beran A. Eine psychologische Gutachterin konnte am letzten Verhandlungstag am Donnerstag aber nicht sagen, wie aufrichtig diese Aussage ist. Der Mann widerspreche sich laufend.Passend zum Artikel
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