Sie war die Frau des Generals. Der Dienstrang war musischer, nicht militärischer Herkunft: Rolf Reuter war Generalmusikdirektor der Komischen Oper und neben Kurt Masur und Kurt Sanderling wohl der bekannteste Dirigent der DDR, national wie international renommiert. Obgleich ihm im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz angeheftet worden war, vertrieb man ihn später aus dem Walhalla der deutschen Musikszene.

Ein Hinterbänkler im Berliner Landesparlament fand es anstößig, dass Reuter zum Thema „Das Volkslied als Mutterboden der musikalischen Hochkultur“ referiert hatte. Und zwar vor Mitgliedern eines in Starnberg registrierten Vereins, der vom bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als „rechtsextrem“ eingestuft worden war – mit der nicht unerheblichen Einschränkung, dass „deren Aktivitäten sich im Allgemeinen auf interne Veranstaltungen beschränken, die kaum Außenwirkung entfalten“.

Wie gewohnt setzte sich der in solchen Fällen übliche mediale Mechanismus in Gang: dramatisieren, skandalisieren, hysterisieren – Lokalpresse, Regionalpresse, Spiegel … Statt des üblichen Rücktritts (Wovon sollte ein 80-Jähriger auch zurücktreten?) forderten die Gazetten und die von ihnen gefütterten politischen Kleingeister die Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes. Diese Forderung wurde nach intensiver Prüfung durch das Bundespräsidialamt Anfang September 2007 als unbegründet abgelehnt. Da allerdings lag der öffentlich Geschmähte jedoch schon auf dem Totenbett, wohin ihn vermutlich die zweimonatige Hetzjagd getrieben hatte. Es war nicht der erste und einzige Rufmord an einem Menschen mit einer ostdeutschen Vita und einem eigenen Willen …