Die Entscheidung, den zweiten Streich der OAZ hier zu setzen, war alternativlos. Denn das Bundesland und seine Küste sind nicht nur Sommersehnsuchtsort der (ost)deutschen Seele, bestbesuchte Urlaubsregion der Republik, sondern werden auch Schauplatz eines Showdowns zwischen SPD und AfD bei der Landtagswahl im September sein. Ein neuralgischer Punkt der Geopolitik sind sie zudem schon heute. Zu allen Zeiten entstehen solche Punkte, solche Kann-Bruchstellen.

„Größte Energiekrise der Geschichte“

Im späten 19. Jahrhundert war es der Balkan, wo 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. In der Suez-Krise von 1956 lösten die USA Großbritannien endgültig als Weltmacht ab. Derzeit erleben wir die Blockade der Straße von Hormus, die uns mit der „größten Energiekrise der Geschichte“ konfrontiert, wie der Chef der Internationalen Energieagentur prophezeit.

In Deutschland des 21. Jahrhunderts laufen die geopolitischen Stränge buchstäblich in Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Hier erreichten die Röhren von Nord Stream 1 und 2 Deutschland und damit die EU. Nach dem Anschlag vom 26. September 2022 ist nur noch eine der vier Pipelines intakt, doch auch durch sie fließt kein Gas mehr. Die einstige Hauptschlagader der deutschen Industrie ist gekappt. Die tatsächlich Verantwortlichen bleiben unbekannt. Gleichzeitig wird die Ostseeküste militarisiert.