«Absolut beeindruckend»: Deutschlands Wirtschaftsministerin zu Besuch bei Chinas fliegenden TaxisKatherina Reiche schwärmt in China von Robotern und Flugtaxis. Gleichzeitig wächst in Deutschland die Sorge über billige chinesische Exporte. Die Wirtschaftsministerin setzt in Peking dennoch eher auf Gespräche als auf Konfrontation.28.05.2026, 14.34 Uhr4 LeseminutenDie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche trifft Zhou Haibing, den Vizeminister der National Development and Reform Commission.Felix Zahn / ImagoAls der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz im Februar nach China reiste, machte er einen Abstecher in die Tech-Metropole Hangzhou im Osten Chinas. Merz wollte mit eigenen Augen sehen, was Chinas aufstrebende Tech-Firmen können. Und so liess er sich die humanoiden Roboter der Firma Unitree zeigen. Die Maschinen in Menschengestalt vollführten vor dem Kanzler Saltos und legten schmissige Tänze aufs Parkett.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dem wollte Katherina Reiche bei ihrem China-Besuch diese Woche nicht nachstehen. Nach ihren Gesprächen mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten He Lifeng am Mittwoch in Peking, flog die deutsche Wirtschaftsministerin nach Guangzhou im Süden des Landes. Vom Flughafen ging es weiter zum Firmensitz des Flugtaxi-Herstellers Ehang.Dort bekommt die Ministerin die fliegenden Taxis vorgeführt, die inzwischen auf der ganzen Welt für Aufsehen sorgen.Entschlossenheit und AngriffslustReiche steht am Rande des weitläufigen Firmengeländes. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Startplatz für die fliegenden Taxis. Die Sonne brennt unerbittlich. Doch die Besucherin aus Deutschland lässt sich von den widrigen Bedingungen nicht beeindrucken. Als sich die Rotoren zu drehen beginnen und das drohnenähnliche Gefährt abhebt, strahlt Reiche.Die fliegenden Taxis des Startups aus Guangzhou – so unvollkommen sie auch noch sein mögen – sind nicht die einzige technologische Errungenschaft Chinas, bei der Reiche ins Schwärmen gerät. Immer wieder sprach sie bei ihrer China-Visite diese Woche von «der Entschlossenheit», mit der chinesische Firmen ihre Ziele verfolgten. Mit «Angriffslust» versuche sich das Reich der Mitte, bei neuen Technologien wie Energiespeichern, künstlicher Intelligenz und Robotik an die Spitze der Entwicklung zu setzen.Missstände dezent angetöntReiche glaubt zu wissen, wie China dies gelingt. Am Mittwochmittag stand Deutschlands Wirtschaftsministerin auf der Terrasse der deutschen Botschaft in Peking. Im Garten vor ihr warteten fast 40 Vertreter grosser und mittelgrosser Unternehmen, die mit Reiche nach China gekommen sind.Reiche sagt zu den Wirtschaftsvertretern gewandt: Im neuen Fünfjahresplan der chinesischen Regierung seien die Branchen und Technologien detailliert beschrieben, mit denen sich China in den kommenden Jahren an die Weltspitze vorarbeiten wolle. Um das zu verstehen, müsse sich jeder mit dem mehr als hundertseitigen Papier beschäftigen. In ihrem Ministerium werde der Fünfjahresplan jedenfalls «genaustens seziert».Reiche ist sich darüber im Klaren, dass Chinas technologischer Aufstieg deutsche Unternehmen unter Druck setzt. Chinesische Firmen konkurrenzieren immer mehr deutsche Firmen, die einst Weltmarktführer waren.Doch die Wirtschaftsministerin weiss auch, dass die chinesischen Behörden deutsche Firmen oft bei öffentlichen Ausschreibungen ausschliessen. Zudem subventioniert Peking einheimische Unternehmen aus zahlreichen Branchen. Das führt dazu, dass chinesische Firmen ihre Waren in Europa zu Niedrigpreisen anbieten können.Reiche sprach solche Missstände bei ihren Treffen mit chinesischen Spitzenpolitikern an, allerdings sehr zurückhaltend. Die Ministerin forderte «Reziprozität», «Fairness» und «regelbasierte Märkte». Im Vergleich zu Merz' eher ruppigem Auftritt gegenüber seinem chinesischen Amtskollegen Li Qiang im Februar, wählte Reiche ihre Worte mit Bedacht.Den von Kanzler Merz geprägten und in der deutschen China-Strategie festgeschriebenen Begriff «De-risking» nahm Reiche gar nicht erst in den Mund. Auch vermied sie es von China als «systemischer Rivale» zu sprechen. Sie weiss, dass chinesische Regierungsvertreter auf solche Formulierungen allergisch reagieren.Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche trifft den chinesischen Handelsminister Wang Wentao in Peking.Felix Zahn / ImagoGespräche statt Schutzinstrumente der EUReiche wirkte bei ihrem Auftritt ob den technologischen und wirtschaftlichen Erfolgen Chinas nicht nur tief beeindruckt, sondern geradezu eingeschüchtert. Ihre Reise in das Reich der Mitte markiert einen grundsätzlichen Schwenk der deutschen Bundesregierung im Umgang mit China. Der zu Beginn seiner Kanzlerschaft von Merz vorgegebene Kurs, sich von China ein Stück unabhängig zu machen, ist offenbar passé.Von den neuen – schärferen – Instrumenten im Umgang mit Chinas Handelspraktiken, die die EU-Spitzen an diesem Freitag in Brüssel beraten wollen, will Reiche nichts wissen. Sie setzt auf einen anderen Ansatz, um Differenzen auszubügeln.So plant Deutschlands Wirtschaftsministerin, ein lange brach liegendes Gesprächsformat wiederzubeleben. In der sogenannten gemischten Wirtschaftskommission soll die Bundesregierung künftig mit der chinesischen Seite Probleme der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen diskutieren.Das erinnert stark an eine Idee, die auch der amerikanische Präsident Donald Trump verfolgt. Er will zusammen mit den Chinesen einen Handels- und einen Wirtschaftsrat ins Leben rufen. Dabei ist die Gefahr gross, dass Probleme, die eigentlich auf höchster Ebene verhandelt werden müssen, in einen Arbeitskreis abgeschoben werden und dort jahrelang einer Lösung harren.Dabei ist der Druck, den Chinas Unternehmen auf die deutsche Wirtschaft ausüben, gross. Jeden Monat gehen in Deutschland im Durchschnitt 10 000 Industriearbeitsplätze verloren. Auch weil mit reichlich Subventionen ausgestattete chinesische Unternehmen den Deutschen Marktanteile abjagen.Es gibt einflussreiche Stimmen, die einen härteren Kurs gegenüber China befürworten. Deutsche Wirtschaftsvertreter weisen darauf hin, dass die Bundesregierung gegenüber Peking durchaus Druckmittel habe. Schliesslich profitiert auch das Reich der Mitte von den deutschen Unternehmen, die in China produzieren. Deutsche Unternehmen haben bis heute mehr als 100 Milliarden Euro in China investiert und damit rund eine Million Arbeitsplätze geschaffen. Rund 5000 Firmen aus Deutschland unterhalten in China Repräsentanzen und Fabriken.Wirtschaftsministerin Reiche will sich zum Abschluss ihres Besuchs beim Flugtaxi-Hersteller Ehang in eines der fliegenden Taxis setzen. Als sie sich in die enge Kanzel zwängt, beginnt sie sogleich über den Bildschirm zu wischen, der sich vor ihr befindet. «Absolut beeindruckend», sagt Reich, als sie dem drohnenähnlichen Fluggefährt entsteigt.Passend zum Artikel
«Absolut beeindruckend»: Deutschlands Wirtschaftsministerin zu Besuch bei Chinas fliegenden Taxis
Katherina Reiche schwärmt in China von Robotern und Flugtaxis. Gleichzeitig wächst in Deutschland die Sorge über billige chinesische Exporte. Die Wirtschaftsministerin setzt in Peking dennoch eher auf Gespräche als auf Konfrontation.










