Es gibt ja Dinge, die man als Kind für völlig selbstverständlich hielt und deren Verlust man erst als Erwachsener so richtig begreift. Dazu gehören: der Nachmittag ohne Verabredung, das Spielen ohne Bildschirm – und eine Kiste voller Lego-Steine, in der man so lange herumwühlt, bis sich das richtige Teil dann doch noch findet. Für die meisten Lego-Bauer endet diese Phase irgendwann einmal. Die Steine kommen in Schachteln, die Schachteln auf den Dachboden oder in den Keller, und wenn man sie irgendwann wieder hervorholt, gehören sie der nächsten Kinder-Generation.München, diese Stadt, die oft und nicht selten auch zu Recht für ihr so phänomenales wie allumfassendes Freizeitangebot als Hauptstadt der Zerstreuung gepriesen wird, hat nun eine Lücke geschlossen, von der viele gar nicht wussten, dass sie existiert. Seit April gibt es mit dem „Out of the Blox“ in der Schleißheimer Straße auf 200 Quadratmetern Deutschlands ersten Lego-Bauraum speziell für Erwachsene. Das Konzept: Man zahlt für die Zeit, nicht für das Set und kann bauen, was und so lange man will: Todesstern, Burj Khalifa oder eine Sonnenblume – ohne die Sets selbst besitzen und zu Hause verräumen zu müssen. Und nun kommt auch noch die Ausstellung „World of Bricks“ in die Stadt: Bis 7. Juni verwandelt sich der Pineapple Cube an der Arnulfstraße in die größte Lego-Erlebniswelt Münchens: 2500 Quadratmeter voller Fan-Modelle aus Deutschland, Österreich und ganz Europa.Die Ausstellung, die in Wien und Salzburg bereits zu einem festen Termin im städtischen Veranstaltungskalender geworden ist, zeigt, was passiert, wenn man erwachsenen Menschen genug Zeit, Lego-Steine und Ernsthaftigkeit gibt: „Minecraft“-Welten, „Harry Potter“-Szenerien, „Star Wars“-Kosmen und „Jurassic Parks“. Auch kreative Bastelzonen und einen interaktiven Lego-Spielplatz zum Austoben gibt es, zudem diverse Lego- und Duplo-Bau-Events. Außerdem zu sehen: ein Riesenrad, das im Guinness-Buch der Rekorde steht. Worin der Rekord genau besteht – Größe, Steine-Anzahl oder was auch immer – lässt die Pressemitteilung unverschämterweise einfach mal offen, Hashtag neugierigmachen.Veranstalter Christoph Rahofer, selbst Fan, Produzent und Organisator in Personalunion, beschreibt sein Ziel in jenem Ton, der für solche Anlässe offenbar zwingend vorgesehen ist: Kreativität, Fantasie, Erlebnis für die ganze Familie. Das ist sicherlich nicht falsch, aber es ist womöglich auch nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist die der Erwachsenen, die in Ausstellungen dieser Art noch ein wenig langsamer gehen als ihre eh schon bummelnden Kinder, die vor den gigantischen Modellen stehen bleiben und zu rechnen beginnen: Wie viele Steine, wie viele Stunden, wie viele Samstagnachmittage mögen da wohl drinstecken?Dieses Riesenrad soll im Guinness-Buch der Rekorde stehen. World of BricksDer Pineapple Cube, ein Projekt der Zwischennutzung rund um die denkmalgeschützte Alte Paketposthalle in Neuhausen, ist jedenfalls ein passender Rahmen für die Klötzchen-Ausstellung: ein Ort im Übergang, der auf etwas sehr Vielstöckiges wartet, das noch lange nicht fertig ist und das man in der Zwischenzeit mal eben mit 2500 Quadratmetern Lego füllt, während ringsum so etwas wie das Quartier der Zukunft entworfen wird. Der Slogan für beide Unternehmungen: Bauklötze staunen!Lass Blumen sprechen! Der Witz liegt bei Lego natürlich im Detail. World of BricksDer Klotzherstelller Lego ist schon lange kein kleines Hobby-Unternehmen mehr, sondern einer der drei größten Spielwarenhersteller der Welt. Seit 1949 sollen bereits mehr als 700 Milliarden Steine produziert worden sein; täglich kommen weitere Millionen dazu, dazu Milliarden Minifiguren, die inzwischen zu den meistproduzierten menschlichen Figuren der Welt zählen. Sogar einen International Lego Day gibt es: 28. Januar. Der Tag, an dem ein Däne namens Ole Kirk Christiansen einst sein Patent auf die bunten Klemmsteine anmeldete. Und in der Konzernzentrale in Billund mitten in Dänemark beweisen sie jedes Jahr aufs Neue, dass sich aus Kunststoffsteinen Milliarden machen lassen, wenn man nur lange genug daran festhält.World of Bricks, 27. Mai bis 7. Juni 2026, Pineapple Cube, Arnulfstraße 195–199, Tickets: Erwachsene 19 Euro, Kinder (3 bis 16 Jahre) und Senioren 15 Euro, Familienticket 49 Euro