Hoch „Boris“ hat Bayern im Griff. Nach den vergangenen schweißtreibenden Hitzetagen sollen die Temperaturen zwar ein wenig zurückgehen, die Meteorologen beim Deutschen Wetterdienst (DWD) erwarten für diesen Donnerstag viel Sonne und zwischen 25 und 29 Grad. Aber die Waldbrandgefahr bleibt auf hohem Niveau und steigt sogar weiter an. Für Freitag und Samstag rufen die DWD-Meteorologen für weite Teile des Freistaats die zweithöchste Warnstufe aus, auch im Bergland. „Bitte seid jetzt besonders vorsichtig“, warnte die Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) dieser Tage in den sozialen Medien, „denn schon ein Funke im Wald kann fatale Folgen haben.“Am Saurüsselkopf bei Ruhpolding erfassen derweil die Forstleute die immensen Schäden, die der verheerende Waldbrand an dem 1270 Meter hohen Berg verursacht hat. Außerdem laufen die Planungen für die Wiederaufforstung der ungefähr 160 Hektar Bergwald an, die bei der Katastrophe in der ersten Maiwoche zerstört worden sind. An diesem Donnerstag ist es exakt drei Wochen her, dass das Feuer offiziell gelöscht ist. Der Waldbrand gilt als der größte und folgenschwerste in der Region seit wenigstens 50 Jahren. Fast vier Tage lang haben Hunderte Einsatzkräfte am Boden und aus der Luft die Flammen bekämpft, bis sie das Großfeuer im Griff hatten. Und zwar unter sehr schwierigen Bedingungen – der Saurüsselkopf und seine Bergwälder sind steil, felsig und unzugänglich. Das Gebiet ist seither gesperrt und wird es die nächste Zeit bleiben.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.In der Region wird derzeit viel über die Ursache der Katastrophe spekuliert. Bei der Polizei heißt es, dass bisher „keine Hinweise auf eine Straftat vorliegen“, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Rosenheim sagt, in dem die Fäden bei der Brandermittlung zusammenlaufen. Das bedeutet, dass die Beamten Stand jetzt Brandstiftung ausschließen, und zwar gleich, ob fahrlässige oder vorsätzliche. Ortskundige, aber auch Forstleute in der Region fragen sich deshalb, wie dann das Feuer entstanden sein soll. „Ein Gewitter oder einen Blitzschlag hat es an dem Tag ja nicht gegeben“, sagt einer. „Außerdem weiß man ja, dass die allermeisten Waldbrände menschengemacht sind. Wenn es heiß und trocken ist, genügt schon eine weggeworfene Kippe.“Bestätigt hat sich zudem, dass das Feuer direkt im felsigen Gipfelbereich des Saurüsselkopfs ausgebrochen ist. Zu ihm hinauf führt nur von Süden her ein schmaler Steig. „Von dort oben hat es sich dann nach Südosten in die extrem steilen Abhänge hinein ausgebreitet“, sagt der Chef des Staatsforstbetriebs Ruhpolding, Sebastian Klinghardt, der mit seinen Mitarbeitern die weitläufigen Bergwälder bewirtschaftet. Der Wald am Saurüsselkopf ist ein Bergmischwald, wie er für die Region typisch ist. In den unteren Lagen stehen viele Fichten, in einigen Bereichen sogar bis zu 250 Jahre alte und sehr mächtige, wie der Forstmann Klinghardt sagt. Dazu Tannen, Bergahorn und Buchen. In den höheren Bereichen wachsen auch Lärchen und Kiefern. Am Gipfel, wo auf und zwischen den Felsen nur sehr spärlich Humus liegt, gibt es viele knorrige Latschen.ExklusivFeuer am Saurüsselkopf gelöscht:Waldbrand kostet Freistaat Millionen – Glutnester lodern weiterDer größte Waldbrand in Bayern seit einem halben Jahrhundert wird die Einsatzkräfte noch eine ganze Zeit weiter beschäftigen.Die Forstleute stehen jetzt vor einer Reihe Herausforderungen. „Der Waldbrand hat ganz unterschiedliche Schäden hinterlassen“, sagt Forstbetriebschef Klinghardt. „Das ist wie ein kleinteiliges, unübersichtliches Mosaik.“ Da gibt es Flächen, die komplett abgebrannt sind, und schon von Weitem an ihrer schwarz-braunen Färbung erkennbar sind. Andernorts sieht der Wald intakt aus, „die Altbäume sind grün“, wie Klinghardt erklärt. „Aber am Boden ist das Feuer drübergelaufen.“ Und immer wieder treffen die Forstleute auf Bereiche, die das Feuer überhaupt nicht erfasst hat. Zumindest nicht auf den ersten Blick.Aber auch da ist unklar, wie sehr sie von der Katastrophe geschwächt wurden und jetzt anfällig sind für Schädlinge. Das betrifft vor allem die Fichten. Klinghardt rechnet fest damit, dass er und seine Mitarbeiter am Saurüsselkopf Probleme mit dem Borkenkäfer bekommen werden. Der Schädling befällt zunächst immer einige geschwächte Fichten und verbreitet sich dann über den jeweiligen Wald. „Damit uns die Fichte am Saurüsselkopf nicht großflächig abstirbt, werden wir sicher eine Reihe Käferbäume mit dem Hubschrauber herausfliegen müssen“, sagt Klinghardt. Der Saurüsselkopf bisher nur mit wenigen, schmalen und naturbelassenen Steigen erschlossen. Auf ihnen ist ein Abtransport der Käferbäume nicht möglich.Für den neuen Bergwald gibt es ebenfalls erste Pläne. „Der Wald dort ist ja als Schutzwald klassifiziert“, sagt der Forstbetriebschef. „Deshalb werden wir ihn sanieren.“ Schutzwälder bieten Sicherheit gegen Erosion, bremsen Steinschlag und Lawinen und stabilisieren den Boden und den Wasserhaushalt in dem Bereich, in dem sie stehen. „All diese Funktionen sind auf den verbrannten Flächen am Saurüsselkopf stark eingeschränkt oder weggefallen“, sagt Klinghardt. Mit der Neupflanzung der jungen Bäume oder der Aussaat rechnet er ab dem nächsten Jahr. Es wird freilich viele Jahre und teils Jahrzehnte dauern, bis in dem Gebiet wieder ein stabiler Bergmischwald steht. Übrigens: Die momentan hohe Waldbrandgefahr dürfte nach Einschätzung des DWD am Sonntag abklingen, wenn es gewittrig und wechselhaft wird.