Analyse
Erneuerbare Energie besitzt viel Momentum und ist mit dem Krieg am Persischen Golf noch stärker in den Fokus gerückt. Wie Anleger am Trend teilhaben und warum dieser gerade jetzt nachhaltiger denn je sein könnte. Erneuerbare Energie steht nicht mehr nur für Klimaschutz. Die Sperrung der Strasse von Hormuz rückt Energieunabhängigkeit und Versorgungssicherheit zunehmend in den Mittelpunkt. Gleichzeitig steigt der Strombedarf weltweit rasant – getrieben von energieintensiven Rechenzentren für KI-Anwendungen ebenso wie von der wachsenden Zahl an Elektroautos oder auch Wärmepumpen. Die Energiewende ist damit nicht mehr allein eine ökologische Frage, sondern zunehmend auch eine wirtschafts- und geopolitische Notwendigkeit.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die jüngste Bilanz fällt bemerkenswert aus: Erneuerbare Energie verzeichnete im vergangenen Jahr zum 23. Mal in Folge einen Ausbaurekord. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) stieg der weltweite Zubau erneuerbarer Kapazitäten 2025 um 16% auf rund 800 Gigawatt. Eindrucksvoll ist dieses Wachstum auch deshalb, weil die Branche gleichzeitig mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert war, von angespannten Lieferketten über Verzögerungen beim Netzanschluss bis zu politischen Kurswechseln.Treiber des Ausbaus war vor allem die Photovoltaik: Sie machte weltweit mehr als drei Viertel der neu installierten Kapazität im Bereich der erneuerbaren Energie aus. Es folgte die Windkraft mit 20%. Eine untergeordnete Rolle spielten Wasserkraft, Bioenergie und Geothermie.Erstmals mehr grüner Strom als KohlestromDer weltweit steigende Strombedarf wird zunehmend durch saubere Energie gedeckt. 2025 überschritt der Anteil an der globalen Stromerzeugung erstmals die Marke von einem Drittel: Mit 10’730 Terawattstunden (TWh) kam erneuerbare Energie laut Berechnungen der britischen Denkfabrik Ember auf 33,8% – und lagen damit zum ersten Mal vor der Kohle (33%; 10’476 TWh). Luftaufnahme einer gewerblichen Solaranlage im deutschen Tettnang Foto: SMA Solar Technology Die weltweite Solarstromproduktion entspricht inzwischen dem gesamten Stromverbrauch der Europäischen Union (EU). Der Ausbau dürfte sich in den nächsten Jahrzehnten weiter beschleunigen. Die IEA erwartet, dass bis 2050 rund 90% des weltweit erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen werden – davon etwa 40% aus Sonnenenergie und 30% aus Windkraft. Auch die Windbranche rechnet mit anhaltendem Wachstum: Das Global Wind Energy Council prognostiziert für die weltweit installierten Windkraftkapazitäten bis 2030 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 5,2%. Davon profitieren Windturbinenbauer und Windparkbetreiber – allerdings in unterschiedlichem Mass.In der EU stammten 2025 nach Angaben des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) gut 1111 TWh der öffentlichen Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Dabei lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen: Stromerzeugung ist nicht gleich Stromverbrauch – und auch nicht mit installierter Leistung gleichzusetzen. Wie stark die tatsächliche Produktion schwankt, zeigt der Vergleich mit 2024, als die Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie mit 1129 TWh etwas höher lag. Entscheidend sind am Ende nicht nur die Kapazitäten auf dem Papier, sondern die realen Bedingungen: Der Wind muss wehen, die Sonne scheinen und die Wasserkraftwerke ausreichend Zufluss haben.Ein Wandel zeigt sich in Asien. Sowohl China als auch Indien – historisch die grössten Treiber des weltweiten Wachstums fossiler Stromerzeugung – verzeichneten 2025 einen Rückgang bei der Produktion aus fossilen Energieträgern. Denn vor allem die Volksrepublik beschleunigte den Ausbau erneuerbarer Energie in bislang beispiellosem Tempo. Dadurch stieg der Anteil von Solar- und Windenergie am chinesischen Strommix auf 22% – und lag damit erstmals über dem OECD-Durchschnitt von 20%. Auch Indien weitete die Produktion sauberer Energie rasant aus: 2025 installierte das Land erstmals mehr neue Solarkapazität als die USA.Dunkelflaute bald kein Problem mehr?Dank wachsender Batteriespeicher lässt sich Energie immer häufiger genau dann nutzen, wenn sie gebraucht wird. Die Denkfabrik Ember spricht von einem grundlegenden Wandel hin zu flexibel verfügbarer Solarenergie. Möglich macht das der Preisverfall bei Speichern. Nachdem die Kosten bereits 2024 gesunken sind, gingen sie 2025 nochmals um 45% zurück. Gleichzeitig legte der globale Zubau Ember zufolge um 46% auf geschätzte 250 Gigawattstunden zu. Dadurch wurde weltweit genug Speicherkapazität installiert, um 14% der neu erzeugten Solarenergie zeitlich flexibel einzuspeisen. In Ländern wie Australien und Chile, die massiv in Speicher investiert haben, entlasten diese nicht nur die Stromnetze, sondern senken auch die Strompreise und reduzieren zugleich den Verlust ungenutzter grüner Energie.Die Ölkrise in den 1970er Jahren ebnete in Europa Atomkraft und Gas den Weg. Der Krieg am Persischen Golf und auch der in der Ukraine könnten die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien beschleunigen. Klar ist: saubere Energien sind ein Megatrend.Investitionen in saubere Energie wieder attraktivFür Anleger galt Clean Energy lange Zeit allerdings als uninteressant, da die Branche stark unter hohen Zinsen, massiven Überkapazitäten und Preisverfall litt. Doch viele Unternehmen haben ihre Profitabilität verbessert. An der Börse hat der Clean-Energy-Sektor deutlich zugelegt und den breiten Markt zuletzt klar überflügelt. Der S&P Global Clean Energy Transition Index stieg in zwölf Monaten um rund 83%, während der MSCI World nur um 25% kletterte.Das Aktienbarometer beinhaltet 103 Unternehmen, die im Geschäftsfeld erneuerbare Energien tätig sind. Darunter befindet sich zwar keines aus der Schweiz, aber der Versorger Verbund aus Österreich. Aus Deutschland sind der Windturbinenhersteller Nordex, der Wechselrichterproduzent SMA Solar Technology und Biokraftstoffhersteller Verbio vertreten. Die fünf grössten Positionen des Index sind der Brennstoffzellenfabrikant Bloom Energy, Solarspezialist Nextpower, Solarmodulhersteller First Solar, Wasserkraftwerksbetreiber China Yangtze Power und Windturbinenhersteller Vestas Wind Systems. Die Top Ten machen rund die Hälfte des Index aus, US-Titel 30%. Der Indexbetreiber beachtet nicht nur den gesamten Börsenwert, sondern räumt Unternehmen ein umso höheres Gewicht ein, desto grösser das Clean-Energy-Geschäft ist.Angesichts des Kursgewinns 2026 könnten Beobachter vermuten, die Rally sei schon gelaufen. Doch auf Sicht von fünf Jahren trat der S&P Global Clean Energy Transition lediglich auf der Stelle, während der MSCI World 62% an Wert gewonnen hat.Das könnte Anleger beruhigen, scheint doch noch Aufwärtspotenzial vorhanden. Die einzelnen Titel sind jedoch sehr unterschiedlich bewertet – teils auch ambitioniert. Brennstoffzellenhersteller Bloom Energy etwa, der seine Partnerschaft mit Oracle gerade erweitert hat, ist an der Börse mit dem 103-Faches des für die nächsten zwölf Monate geschätzten Gewinns bepreist. Die Aktien von Nextpower, einem Hersteller von Solartracker genannten Nachführsystemen, werden mit einem vorwärtsgerichteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 28 gehandelt, während der Zehnjahresdurchschnitt bei 18 liegt. Der Solarriese First Solar hat dagegen ein KGV von 13 (langjähriges Mittel: 27). Die Windturbinenbauer Nordex und Vestas wiederum sind mit einem Multiple von je 20 bewertet. Das KGV des Index liegt im Mittel bei 28 und der Zehnjahresdurchschnitt bei 21. Ein wahres Schnäppchen ist der Sektor also nicht mehr, wird aber an der Börse derzeit neu bewertet.Fünf Indexfonds, die kaum miteinander vergleichbar sindAnleger können mit einem Indexfonds wie dem von iShares (Blackrock) auf den S&P Global Clean Energy Transition Index setzen. Der 2007 aufgelegt ETF hat in der ausschüttenden Variante ein Fondsvolumen von rund 3,3 Mrd. € und gehört damit zu den grössten auf seinem Gebiet, ist mit 0,65% jährlichen Kosten allerdings auch einer der teuersten. Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) ähnlicher Produkte liegt zwischen 0,35 und 0,65%. Zum Vergleich: bei einem ETF auf den MSCI World betragen die Kosten etwa 0,05 bis 0,20%.Den verschiedenen Sektor-ETF liegen unterschiedliche Indizes zu Grunde. Der ETF von Amundi (TER: 0,60%) bildet beispielsweise den MSCI ACWI IMI New Energy Filtered Index nach. Schwergewichte sind die zuletzt vor allem wegen ihrer Gasturbinen gefragten GE Vernova und Siemens Energy, der Industriekonzern Schneider Electric sowie die Versorger Iberdrola und Nextera Energy. Zusammengefasst sind hier die weltweit 40 grössten Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien, aber auch dezentrale Energieversorgung und Energieeffizenz. Das Klumpenrisiko ist dabei am höchsten, machen die zehn grössten Titel doch 59,5% des ETF aus.Der ETF von L&G (TER: 0,49%) baut den Solactive Clean Energy Index nach. Die grössten Positionen dieses Index sind wiederum SolarEdge, SMA Solar, der Solar- und Windparkentwickler Boralex, der Supraleiter-Spezialist American Superconductor und der Solar- und Windparkentwickler Elecnor. Der ETF schliesst Unternehmen mit Sitz in China aus und schnitt von den fünf hier genannten ETF auf Jahressicht zuletzt am besten ab.Beim Produkt von Invesco (TER: 0,60%) ist der WilderHill New Energy Global Innovation Index die Basis. Die grössten Positionen sind die Wasserstoffspezialisten ITM Power und Ceres Power, Bloom Energy sowie die Stromkabel- und Elektronikhersteller LS Electric und LS. Der ETF setzt auf viele kleine Unternehmen, wie etwa aus dem Bereich Wasserstoff. Die zehn grössten Positionen machen nur 12,3% des gesamten ETF aus.Besonders günstig hingegen ist der ETF von Xtrackers (DWS), bei dem die laufenden Kosten nur 0,35% betragen. Er bildet den MSCI ACWI IMI SDG 7 Affordable and Clean Energy Select Index ab. Dessen grösste Positionen sind Bloom Energy, der Solar- und Windparkentwickler Enlight Renewable Energy, Vestas Wind Systems, der Versorger Ørsted und der Industriegaskonzern Air Products and Chemicals. Der ETF der Deutschen-Bank-Tochter bietet «ein Engagement in Unternehmen, die einen positiven Beitrag zum Ziel 7 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung leisten: Zugang zu erschwinglicher, zuverlässiger, nachhaltiger und moderner Energie für alle gewährleisten», heisst es in der Produktbeschreibung. Ein schöner Nebeneffekt für Anleger ist dabei also ein gutes Gewissen.








